Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 86 (22.10.1904)
- Date
- 1904-10-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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45. Jahrgang. «läge zu }& 86 dss Die NMmg -es Hm« A. KMch >"j sls.SdoinorMtfftoi ii LSli. Am Sonntag morgen erfolgte die Einführung des Herrn Dr. C a r l e b a ch als Direktor des Lehrerseminars. In der festlich geschmückten Aula des Seminars hatten sich die Kuratoren, Lehrer und Schüler, Vertreter der Synagogengemeinde sowie zahlreich geladene Gäste gesammelt. Ein von den Schülern der Anstalt trefflich vorgetragener Boruch Habo klang dem eintretenden Herrn Direktor entgegen. Im Namen des Curatoriums ergriff zunächst an Stelle des abwesenden ersten Vorsitzenden Herr Gerson Rotschild das Wort, indem er zunächst die hohen Verdienste d s früheren Leiters, Herrn Dr. Platos hervorhob, der beinahe vierzig Jahre lang der Anstalt vorgestanden und dessen Verdienste die königliche Regierung durch Verleihung eines hohen Ordens die gebührende Anerkennung gezollt habe, wandte sich dann an dir Lehrer der Anstalt, insbesondere die Herren Schwarzschild und Gut. denen er für ihre aufopfernde Thätigkeit in den verflossenen zwei Jahren, in denen sie das Seminar vertretungsweise geleitet hatten, den Dank des Kuratoriums darbrachte. Er schilderte dann kurz den Werdegang des Seminars, das allmählich einen solchen Ruf sich zu verschaffen gewußt . daß die Nachfrage nach Schülern des Seminars, die aus allen Theilen des deutschen Vaterlandes alljährlich erfolgen, im Laufe der Zeit nicht mehr gerecht werden konnte Diesen Ruf zu erhalten, die Schüler weiter in hebräischen und profanen Disziplinen derart zu unterrichten, daß die jüdischen Gemeinden auch weiterhin den Bedarf an Lehrern aus dem Kölner Seminar zu decken vermöchten, sei nun die Aufgabe des neuen Direktors Er wisse wohl, daß diese Aufgabe keine leichte sei. aber er sei bei dem Rufe, der Herrn Dr. Carlebach als Rabbiner und Jugendbildner vorausgcht, fest davon überzeugt, daß ihre Hoffnungen vollauf in Erfüllung gehen würden. Im Namen des Lehrerkollegiums ergriff darauf Herr Schwarzschild das Wort, mit bewegter Stimme zunächst daran zu erinnern, wie schwer es ihm persönlich geworden sei, vor Jahresfrist sich von seinem alten Direktor, zu dessen Füßen er schon als Schüler gesessen und unter dem er sünfunddreißig Jahre lang an der Anstalt habe wirken dürfen, zu trennen. Mit wenigen Strichen gab Redner dann eine Schilderung des Regimes unter dem früheren Leiter, Herrn Direktor Dr. Plato, um alsdann der festen Ueberzeugung Ausdruck ' zu geben, daß kein geeigneterer Nachfolger für Herrn ' Dr. Plato hätte gefunden werden können. Sodann die Berufung des neuen Direktors von einer höheren Warte aus betrachtend, knüpfte Redner an die Worte des Wochenabschnittes "fr an, indem er an die Erklärung Raschis anschließt: „Ziehe aus. damit Du Deinen Beruf erfüllst/' Dieser, der Lehrerberuf, sei ein verantwortungsvoller Beruf, denn das Liebste und Kostbarste, das die Eltern besitzen, ihre Kinder, vertrauen sie dem Lehrer an. Dem Direktor der Anstalt liege es nun ob, die jungen Lehrbeflissenen selbst wieder zu Lehrern zu erziehen, sie zu Männern werden zu lassen, festen Charakters und zufriedenen Herzens, auf daß sie selbst wieder die ihnen anvertraute Jugend auf richtigen Pfaden zu leiten verständen. DaS aber vermöge nur ein von höherer Stelle Berufener. „Und wenn Sie nun, hochgeehrter Direktor," so schloß der Redner seinen mit großem Beifall aufgenommenen stil- und formvollendeten Vortrag, „eine Ihnen liebgewordene Heimath, wenn Sie eine Gemeinde verlassen, die Ihnen in Liebe und Verehrung zugethan war, wenn Sie endlich — Abraham gleich — das ganze Land durchquert haben, um hier das Feuer des göttlichen Gesetzes in der Jugend zu entflammen und emporlodern zu lassen, weil Sie hierzu den B e r u f in sich fühlen, so möge Ihnen, indem Sie dem Gottesrufe, der an Sie ergangen, ohne Zögern und ohne Bedenken gefolgt sind, auch der Lohn zu Theil werden, welcher unserem Vater Abraham zu Theil wurde: „Möge Ihr Name groß und berühmt, mögen Sie unserer Anstalt und unserem Volke zum Segen werden!" Nunmehr erfolgte die Erwiderung des Herrn Dr. Carlebach. Mit tiefbewegter Stimme schilderte er zunächst die Gefühle, die ihn jetzt bei Antritt seines neuen Amtes beherrschten. Es sei ihm, als trete er in's Allerheiligste ein. und gleich wie der hohe Priester glühende Kohlen beim Eintritt in dieses.dargebracht, habe, so bringe er heilige Begeisterung mit. Darum richte er sein Gebet zu Gott, daß Er sein Wirken vom Erfolge gekrönt sein lasse. Nach diesem Aufblick zu Gott hält Redner einen Ausblick auf daS vor ihm liegende Arbeitsfeld. Wie die Morijatat die schwerste war, die Abraham zu vollführen hatte, darum ihr Schauplatz auch nur ein ragPder Bergesgipfel sein konnte, so solle auch er nun eines schwierigen aber neidenswerthen Lehramtes in Israel walten. Junge Leute habe er auszubilden, die bereit sind, ihr Leben in den Dienst der jüdischen Gemeinden und Jugend zu stellen, damit sie im Besitze der erforderlichen allgemeinen Bildung, der Liebe zu ihrem Amte und zu den Kindern, mit alle dem ausgerüstet seien, was sie zur i Ausübung ihres vielseitigen und arbeitsreichen Berufebedürfen. In erster Linie soll ihr Charakter und ihre