Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 86 (22.10.1904)
- Date
- 1904-10-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1830 Zur damaligen Zeit saß auf dem Aurfürstenthrone j von Mainz ein äußerst judenfreundlicher Erzbischof, j ein Prinz aus einem deutschen Furstenhause, der allseitig wegen seiner Menschenfreundlichkeit geachtet und geliebt war. An diesen wollte sich der Rabbi wenden. So brach er denn eines Morgens auf, um zu Fuße die alte Stadt Mainz zu erreichen. Drei Tage lang dauerte der beschwerliche Marsch für den Greis. Nur der Gedanke an seine Mirjam, sein Alles, hielt ihn aufrecht, wenn es bei der Augusthitze zusammenzubrechen glaubte. Nur in zwei Dörfern traf er Glaubensgenoffen, und so wanderte er den ganzen Tag, ohne etwas rechtes zu genießen. Wie freute er sich, als er von weitem die Thürme des „goldenen" Mainz auftauchen sah. Neuer Muth belebte ihn und ehe noch der Abend des dritten Tages hereingebrochen war, betrat er durch das südliche Stadtthor das Ziel, auf das er seine ganze Hoffnung setzte. Da stand er nun im Menschengewühle und wußte nicht, wohin er sich wenden sollte. Da glaubte er unter den vielen Menschen ein ihm bekanntes Gesicht zu schauen. Es war ebenfalls ein Jude; eine hohe imposante Erscheinung; er mochte vielleicht in der Mitte der Vierziger sein: auch er hatte den Rabbi erkannt. Kurz entschlossen trat er auf ihn zu und begrüßte ihn. „Friede mit Euch. Rabbi Schlamm." „Mit Euch sei Friede, Parneß von Mainz," erwiderte der Rabbi seinen Gruß, „wie freue ich mich. Euch gleich hier getroffen, zu haben; ich habe nicht geglaubt, einen Glaubensgenossen in diesem Theile der Stadt zu finden." „Ja, das hat ein besonderes Bewandtniß, Rabbi, wie Ihr wißt, bin ich Arzt, und wie ich mir schmeichle, keiner von den Schlechtesten. Der Kurfürst hatte nun heute Mittag einen Vlutsturz bekommen; er hatte sich trotz des Verbotes der Aerzte zu sehr aufgeregt, und ist nun das Schlimmste zu befürchten; ich wurde mit vielen anderen Aerzten zu dem Fürsten gerufen, konnte jedoch nur den Anderen zustimmen, daß es sehr schlecht um den Fürsten steht." Wie ein Todesurtheil hatte Rabbi Schlaume die Worte des Parneß Jakob mit angehört, seine letzte Hoffnung war zerstört. „Also war meine Reise hierher umsonst, umsonst habe ich drei Tage gehungert und gedurstet, umsonst bin ich in der größten Hitze geeilt, hierherzukommen. Jetzt bin ich da. jetzt muß der einzige Mann, der vielleicht helfen konnte, tödtlich erkranken. O. meine Mirjam, o Gott, warum strafst Du Deinen Diener so schwer." Erstaunt hatte Jakob das Klagen des Rabbi mit angehört. „Also Ihr wolltet zu dem Kurfürsten, Rabbi, wie es scheint, in einer wichtigen Angelegenheit; doch folgt mir in mein Haus, hier ist nickt der Ort für derartige Unterhaltungen." (Fortsetzung folgt.> Wochen-Kalender. Lannrrstag. 3. Norember, 25. Cheschwan. »von mpn. Freitag. 4. November. 26. Cheschwan. Sabbot-Anfang in Mainz u. Frankfurt a. M. 4 llhr 30 Min. Samstag. 5. November. 27. Cheschwan, n'iv «n. Sabbat-Ausgang in Mainz u. Frankfurt a. M. 5 Uhr 45 Min. — Berlin 5 Ubr 28 Min. — München 5 Uhr 32 Min. — Stuttgart 5 Ubr 38 Min. — Stratzburg 5 Uhr 45 Min. — Bosen 5 llhr 03 Min. — Stettin 5 Uhr 10 Min. — BreSlau 5 Uhr 05 Min. — Nürnberg 5 Uhr 30 Min. — Wien 5 Uhr 16 Min. — Paris 5 Ubr 15 Min. — Prag 5 llhr 20 Min. Montag. 7. November, 29. Cheschwan. rwpn. Dlenftag, 8. November. 30. November. n"Ti ’h bi». Der .JSraelit" erscheint wScheotllvh i w« I m h I, Don tag* and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen- Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Vrr Vuchhaudel verkehrt durch D. A Sl rinack er, Leipzig, Rostplatz jö. — Inserate 25 Pfennig die viergespaUrne Nonparcillezeile oder deren Raum. 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Inhalt (tzaupt'latt): Amtsennührung des Herrn Dr.Carlebach "r als Nabbiner in(SölnT — M^uercm der deutschen Juden. — Nussische Answanderer und Sch'ffskarten. — Snum-Feicr im Verein Snkas Scholeim.— Israelitische Landessgnode in Baden. — Leoootd Lipschitz i“i. — Gegen den Misrachi. — Fürst Swjrtopvlk Mrski. — Vermischtes — Feuilleton: Miriam lFortsetzung). Inhalt »er Beilage: Die Einführung des Herrn Dr. Earlebach »"i als Seminardirektor in Cöl». — Beschimpfung und Aufreizung gegen die Juden. — Neichentieimsch s Waisenhaus in Berlin.--Gegen die Umwandlung des Namens Jnowraclaw in Hoyenfalza. — Verein für jüdische «beschichte und Literatur Mannheim. — Aus Freude. — Ausschreitungen der Neseroisten in Vychowa. — Der Gouverneur von Bessaradteu über die Juden. — Vermischte».. . Baragogilche Beilage: Wichtige Entscheidung für die israelitischen Elementarlehrer BayeruS. — Statistische lleberstcht der jüdischen Lehrerkonferenzen in Deutschland. (Fortsetzung^ verantwortliche üiedactwn: OSear Lehmann in Mainz. — Sxvedttion de» .Israelit'. SchoUstrahe Ar L Dnich und verleg der Iah. Dirtblchea vokbuchdnukeret Betten ln Main». Hierzu zwei Beilage».