Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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1819 täj bu darin gipfelt meine Ansicht über Fcrtbildung des Religionslehrers. «Lernen" im guten, alten jüdischen Sinn, soviel wie möglich lernen, soviel wie möglich rabbinisches Wissen sich aneignen. Zum mindesten verlangen wir von ihm, dass er leichte rabblnische Texte überall geläufig und mit gehörigem Verständniß zu lesen vermag, daß ihm größere Partien aus der talmudischen Haggada und den Midraschim bekannt, daß er mit den Codices, soweit sie das tägliche Leben regeln, vertraut iß und sich auch über schwierige rituelle fragen, soweit sie in den kleinen Gemeinden Vorkommen, orientiren kann. Ein solches Durchschnittsmaß don rabbiniscker Bildung muß von dem. jüdischen Lehrer gefordert werden. Sollte das nicht mehr zu erreichen fein, dann dürfte innerhalb dex deutschen Juden heit das Wort rentw mw m'rj brr-.V'v bald zur Wahrheit werden, und Herr Dr. Gutmann hätte Reckt, wenn er israelitische Lehrer zu Wellhausen und Nowock Tbora lernen schickt. — Ich rufe deshalb der jüdischen Lehrerschaft zu i? 'm rcSn T*n nb'evb ~zb 'im — Wollet Ihr Wegweiser aufstellen für die Fortbildung des jüdischen Lehrers, so müsset Ihr den Weg im Auge behalten, den das Judenthnm zurückgelegt. Vom Rabbinismus kommen wir der. das jüdische Gemeindclebcn beruh! auf dem Rabbinisniils. und soll der Lehrer es pflegen und fördern, so muß er den Nabbinismus kennen, so muß er im rabbinischen Schristthum heimisch sein. Sv ist die Fortbildung in den rabbinischen Disziplinen das erste und wichtigste. Allerdings auch das schwierigste. Die meisten Seminarien bieten ihren Zöglingen auf dielem Gebiete nicht einmal di? nö'higen Vorlenntnisse. die sic zur Weiterbildung befähigten. — Doch wo ein Wille, ist auch der Weg. und es gibt gottlob heute Hilfsmittel genug, daß es dein strebsamen Lehrer wohl möglich ist. sich mit Erfolg in das rabbinische Schristthum hincinzuarbeiicn. Von den mir belannien Büchern nenne ich: 1) Mischna mit Punktation: Uebcrsetznng von Jost oder von Sammter. Vaneth und Hoffmann. 2) -wen n*T2t3# übersetzt von Fiirstenthal. 3) Fürstenthal. Nabb. Anthologie. 4) Lederer. PH., bzz bv rrraSir Lehrerbuck zum Selbstunterricht im babyl. Talmud. 6. Die Tractate: rw^rv »zz, übersetzt und erläutert von Sammter, jwwi, übersetzt von Straschun. n-i, pinn» ,«rro übersetzt und erläutert von Rawirz. 6) N2i ame, übersetzt von Aug. Wunsche. 7) Dalmann enm PV. Neben dem Rabbinischen hat der jüdische Lehrer noch sein besonderes Augenmerk auf Bibel und hcbr. Grammatik zu richten. Hierin Ziele vorznschreiben. wäre engherzig. Ich halle es für ausreichend, wenn er •3 1) Irrem!« 3120, das Wichtigste aus der hebräischen Grammatik kennt und mit dem größten Theil der Bibel im Urtext vertrant ist. Dom Lehrer höhere grammatische Studien zu verlangen oder Bekanntschaft mit den Ergebnissen der Bibelwissenschaften. ist übertrieben. Anstatt viel über die Bibel, soll er recht viel aus der Bibel wissen. Sich mit der Bibelwissenschaft zu beschäftigen, kann er vertrauensvoll den Bibel- und Babel - Männern. Studien über Entwicklung des Prophetenthums soll er getrost den Professoren überlassen, und anstatt Informationen über hebräische Wort- und Formenbildung zu sammeln, soll er sich lieber einige Fertigkeit im schriftlichen Ausdruck des Hebräischen erwerben. Ich weiß nicht, ob die großen Hebraisten der Jetztzeit: die Tuschija- und Achiassaf-Leute, die Sokolow, Achad- Haam etc. sich sehr viel mit Strack und Nöldeke beschäftigt haben, aber das weiß ich. daß sie schreiben können, daß einem das Herz sick weitet. «Gran, thenrer Freund, ist alle Theorie, und grün des Lebens goldener Baum." Als.Hilfsmittel für diese Facher sind zu nennen: 1) Raschi. übersetzt von Dessauer, 2) Der R'belkommcntar der Biuristen, 31 S. N. Hirsch, Pentateuch und Psalmen, 4) Das Bibelwerk von Philippsohn oder Herxheimer. 51 Tackan, die Propheten, M Gesenius Kautzsch, hebräische Grammatik. 71 Hcbr. Wörterbuch von Gelenius oder Cassel. Auch in der nachbiblischen Geschichte und der eigentlichen Religionslehre sollen wir keine allzugroßen Forderungen an den Lehrer stellen. Es genügt, wenn er eine Uebers: ht über die ganze Geschichte und eine genauere Kenntnis; der wichtigsten Epochen und ihrer .Hauptträger bat. Kcnntniß von der Entwicklung des Gesetzes sowie von der Entwicklung der mittelalterlichen Religionsphilosophie ist eigentlich nicht Sacke des jüdischen Lehrers. Ersiere wird er übrigens aus rabbinischen Studien erfahren, und letztere ist garnicht erforderlich. Dasselbe gilt von dem, was Gutmann hinstcktlick der Religionslchce sagt, bei welcher er Bekanntschaft mit der allgemeinen Religionsphilosophie wünscht. Indessen, will sich der Lehrer genauere Kenntnis; der mittelalterlichen Religionsphilosophie verschaffen, so empfiehlt es sich, lieber primäre Quellen zu benutzen. Als Hilfsmittel dürften genannt werden: 11 Grach. Geschichte der Juden. 21 Jost. Geschichte des Judenthums und seiner Sekten, 31 Braun, Geschichte der Juden nnd ihre Litteratur, 4) Zunz. Gottesdienstliche Bortrage, 51 Hirsch, S. R., Horeb, Hirsch, S. R.. gesammelte Schriften, 7) Philippson, die isr. Religionslehre,