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Der Israelit · 1904-10-27 · Heft 85 (27.10.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 85 (27.10.1904)
Date
1904-10-27
Page
– (sequence 28)
Language
German
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ISIS erzählen, die unsren Stamm bis auf den heutigen Tag erhalten, so ist wahrlich mit dieser Thora nicht gemeint der Penta- oder Hexaieuch ü ln. Wellhausen, sondern mim nzkn iro n:tre mps. Und die Beschäftigung mit den rabbmischen Schriften ist heute noch ein Fluidum, das uns immer von neuem belebt und begeistert für unser Vekenntniss und für unsren Stamm. Vertiefe Dich nur in ein Stückchen Talmud, in ein Stückchen Midrasch, und Deine Kraft wächst. Dein jüdischer Stolz nimmt zu! Mit Bewunderung stehst Du vor diesen Heroen des Geistes, rufst vH'.-u hsd ' on:2n »in, Du selbst fühlst rtwas von diesem Heroisj mus, ihres Geistes verspürst Du einen Hauch. Du! fühlst Dich Geist von ihrem Geiste, Fleisch von ihren» j Fleische, Du begreifst die Worte upfo r» no mpx Du empfindest: Hier liegt Israels Unsterblichkeit, das ist das wes bx^ph »nun pn, und Arm in Arm mit ihr forderst Du nicht bloss das Jahrhundert, sondern die ganze Welt in die Schranken. — Das erzeugt Judenthum, das verschafft ihm unerschütterliche Festigkeit. — Welch ein kostbarer Schatz! Und dieser Schatz sollte für den jüdischen Lehrer, dessen Aufgabe es ist, für das Judenthum zu wirken, ungehoben bleiben? Arme Zeit! Armes Israel! Arme Lehrerschaft! Ja arme Lehrerschaft! Ist es doch leider soweit gekommen, daß jüdische Lehrer unter dem Beifall ihrer Zuhörer behaupten, dass die innere Harmonie zwischen Religion und Hebräisch fehle. Also erklärte an» 25. November d. I. Herr Kollege Kaufmann- Gelsenkircken auf der Lebrerversammlung in Dortmund in einem Vorträge über den hebräischen Unterricht'). Hier, meine Verehrten, das ist ein Lchrer- Tnpus nach der Schablone Gutmann. Wer sein Iudenthum aus der Quelle geschöpft, der weiß, dass dem Juden in religiöser Beziehung die bl. Sprache garnicht zu ersetzen. Beweisen allerdings lässt sich das nicht, das muss man fühlen und „wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen." Wenn der Jude am Sederabend oder bei einer Bris Milo spricht: 7*39 inrrn TOTS ILM "N T5TO *]'D“D DttCSrffl "n und dazu an die Ergänzung der Alten denkt') wt vi2 "n nee ona was fühlt und empfindet er nicht alles dabei: Seine Vergangenheit, seine Gegenwart, seine Zukunft, seinen jüdischen Schmerz, seinen jüdischen Stolz, seine jüdische Freude, sein Golus. seine Erlösung! Lässt sich das übersehen, lässt stch das ersetzen? Lässt sich ersehen und übersetzen Ttwa ax 21:7 B'2o *pRK? Lässt stch übersetzen 1» h emx!?aa in Verbindung mit dem trostreichen Hinweis der Alten s) etc.? —?luch das, was wir zuweilen auch nicht ganz klar verstehen, erbebt uns. Das ist das Unbewusste in der Religion, das, was unsere Meisen meinten — *) ranx hm d'm n*;pn icx nanx hv 1> .Llllg. Seit.!b. Judenth." 1003. Nr. 51 unter Dortmund. 2) 9t. r. 17. *c 3) Meailla'20». 4} Cantlcua_r. A, —Steinthal sagt: ..Wo Sprache wird, entsteht Geist." Nun. jüdischer Geist, jüdisches Gefühl entsteht durch die jüdische, durch die hl. Sprache, durch die Sprache der Thora und der Tradition. „Aber," wird in unseren Tagen behauptet, „wir haben heute Wirksameres und Besseres, um Judenthum zu erzeugen und für das väterliche Erbe zu begeistern, die Wissenschaft des Judenthums, dessen Geschichte und Litteratur." Damit müsse stch auch der Lehrer vertraut machen. Wissenschaft des Judenthums, Jüdische Geschichte und Litteratur, wie stolz das klingt! wie zeitgemätz und modern! und modern und zeitgemäh wird sie popularisirt in zahlreichen Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur. Ganz modern, m. D. u. H.! Wie es heute Reisende gibt für Puppen. Kautschuk und Abreisskalender, so auch für „jüdische Wissenschaft". Ter eine reist mit „Tolstoi, ein Essäer," der andere mit „Kchelet und Schovenhauer," der dritte sucht uns im Glauben zu befestigen, durch Vorführung der Gestalten: Varuch Spinoza. Heinrich Heine und andere Melchummodirn. — Wer lacht da! Nein, m. V., mit derlei modernem Humbug schafft man keine Juden, damit kann das Judenthum nicht gerettet werden. Auch die besten Vorträge verpuffen gleich Raketen. Die Wissenschaft des Judenthums ist gewiss eine schöne Sache, wie jede andere bistorische Wissenschaft, aber für den Fachmann, für den Gelehrten; für die praktische Theologie und Pädagogik ist sie von nur geringem Wertb. Ich kann mich in dieser Hinsicht ans einen sebr klassischen Zeugen berufen, auf den bedeutendsten Kenner der jüdischen Wissenschaft, auf Moritz Steinschneider. Er sagt in der Einleitung zur zweiten Auflage von Zunz* Gottesdienstlichen Borträgen mit Bezug aus den allgem. Erfolg dieses Buches: „Die Geschichte richtet stets, erzieht aber selten." Das ist ja auch für jeden Einsichtigen selbstverständlich. Die Thatsache allein, dass der Vater so und nicht anders gedacht, so und nicht anders gelebt, kann den Sohn nicht verpflichten, auch so zu denken und zu handeln, sei es in weltlicher oder religiöser Hinsicht. Die .Kinder! werden aber so denken und handeln wie ihre Väter, wenn deren Geist sie beseelt. Diesen Geist jedoch haucht ihnen nicht die Geschichte der Väter, sondern die Lehre der Väter ein. Wollen wir ein lebenskräftiges, starkes Judenthum, so müssen wir uns mit dieser Lehre erfüllen. Nicht das ist uns nütze, wann Nabb. Papa gelebt bat, was seine Frau für eine Geborene war nnd wo er gelehrt hat, sondern was er gelehrt hat. Für den jüdischen Lehrer — besonders der kleinen Gemeinde — ist vor allem jüdische Wissenschaft das, was nwt 2T uns hinterlassen haben. Darin finden wir die Religionslehre des Judenthums, die Ethik des Judenibums, daraus wird uns klar das Wesen des Judenthun» s und das Wesen Israels xri Pia »wnp wn/m tonen «wm — Alles andere tot wn xwr& I *na. —

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