Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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1820 8) Auerbach. Lehrbuch der isr. Religion. 9? B'sra ni«, übersetzt von Fürstenthal, Stern und Scheuer, 10) cipT», überseht von Schlesinger. 11) 'INI, überseht von David Cassel. 12) jtc2^i kt. übersetzt von Fiirstenthal. 15) Lazarus. Ethik des Judenthums. Erwähnung bedarf noch die Thätigkeit des jüdischen Lehrers als Predigers. Hinsichtlich dieser Fertigkeit läßt sich bei dem jüdischen Lehrer von einer Fortbildung gar nicht reden. Er hat ja dazu im Seminar gar keine Anleitung erhalten. Ob die Seminarien sich endlich entschließen werden. Homiletik zu unterrichten, weiß ich nicht. Nothwendig ist dies sehr. In jeder kleinen Gemeinde werden religiöse Vorträge verlangt — und das ist gut so. — Wie soll es aber der jüdische Lehrer anfangen? Aus einer jüdischen oder nichtjüdischen Homiletik kann er im Ganzen wenig profitiren. Es bleibt ihm da nichts anderes übrig, als sich an fremden Mustern heranzubilden. Er wird gut thun, wenn er sich in der ersten Zeit fremde Predigten für seine Zwecke zustutzt und sie mit großem Fleiß memorirt. Er wird damit nicht nur seiner Aufgabe gerecht werden, sondern auch durch solches Verfahren seinen Gedankenschatz bereichern und eine Copia verbornm sich aneignen. Dann soll er möglichst viel Predigten lesen, dieselben mit der Feder in der Hand onalnsiren. deren Gedankengang nachgehen und auf diese Weise Einsicht erlangen, wie eine Predigt aufgebaut wird. Er versuche auch fremde Predigten umzuarbeiten und deren Gedanken durch eigene Diktion wiederzugeben. Ist er gereifter, so fertige er eigene Skizzen über selbstaefundene Themata an. Ein wesentliches Hilfsmittel ist es für den Autodidakten, wenn er v'p«v oder onmo sucht, die die Disposition schon fertig geben.*) bei welchen er nicht viel ausnoch unterzulegkn braucht. -- Cr bemühe sich auch stets, zu erfahren, wie seine Rede gewirkt habe. Das Urtheil seiner Zuhörer ist sein bester Lehrmeister. Insbesondere muß er jahrelang darauf halten, mit dein, lichster Gewissenhaftigkeit alles das sorgfältig auszuarbeiten und zu mcmoriren, was er seinem Publikum bietet, auch wenn es nur ein Toast bei einer nb« ms ist. Rur dadurch ist es möglich, aus geringem Anfang zu einer gewissen Fertigkeit zu gelangen. Es gibt viele jüdische akademisch gebildete Prediger, die durch gewissenhafte Arbeit auch bei ursprünglich mäßiger Begabung zu Meistern geworden sind, wie andrerseits solche, die trotz hervorragenden rednerischen Talents sich mit der Zeit verwässert haben. An religiösem und homiletischem Stoff wird es dem predigenden Lehrer gewiß nicht fehlen, wenn er in obengezeichneter Weise sich mit der rabbinischen und religionsphilosophischen •\ z. B. gtfala 51, 16, Hosea 2. 21-22. Micha 6. 8. u. b. m. Don Midraschim ft. D. b'ixdo irren vjkjj b’tbt "i vawa oder roa cru?o nuu » ic. Litteratur beschäftigt. Was die Sprache betriffi. muß er stets darauf bedacht sein, sie durch Lesen guter, besonders klassischer Schriftsteller stets zu verbessern und zu veredeln. Er präge seinem Gedächtniß soviel Sentenzen und Antithesen wie möglich ein. Diese werden ihm viel nützen. Besonders lese er viel Lessinq. Goethe, Schiller und Heine. — Die jüdische Predigtlittertur ist sehr umfangreich, aber nicht alles kann dem Lehrer gltich dienlich sein. Von Predigten, an denen der Lehrer mit Erfolg sich heranbilden kann, sind vor allem zu nennen: 1. 'Joöl. 2. Sachs. 3. Jellinek. 4. Mannheimer. 6. Kleys, Predigtskizzen. 6. Maybäum. 7. Philippson. 8. Schmiedel: c:'5:o. 9. Cassel. Sabbatstunden. 10. Benedict Hause. 11. Gossel, Grabreden. Für Texte und Themata und sonstiges Material sind zu nennen: 1. Frankel. mnh p'X 2. Schreiber, ivdrr vpb' und mwbx p»e"t 3. Epstein. no«n min, gedruckt bei Romm. Wilna. 4. Stößel, Bibelworte zum Gebrauch bei Gelegenheitsreden. Mavbaum. Homilitit. 6. Philippson. Rhetorik und jüd. Homiletik, herausgegben von Kayserling. Soweit über die Fortbildung des jüdischen Religionslehrers. wie er sie durch Selbststudium betreiben soll. Es wäre noch ein Wort über Fortbildungskurse zu sagen. Ich freue mich aber, davon absehen zu dürfen und mich, in dieser Beziehung wenigstens, ganz den Ausführungen der Herren Dr. Gutmann und Feiner anschließen zu können.*) Hochverehrte Kollegen! Die Jugend wird c*my C2iw genannt, sie ist die beste Bürgschaft für unsere Zukunft. Die t'ns aber für diese r.-? sind die Lehrer der Religion, sie sind zugleich die ama die Wächter der Gemeinde. Von der Kraft und Leistungsfähigkeit der Bürgen, von der Treue dieser Wächter hängt unsre Jugend, unsre Zukunft, unser Gedeihen und unser Fortbestand ab. Run, die Bürg:» sind wir. die Wächter sind wir! Sorgen wir darum, daß wir treue Wächter bleiben, daß wir immermehr znnehmen an Festigkeit, an Kraft und Leistungsfähigkeit. Der Geist Gottes wird dann über uns walten und unsre Arbeit mit Gelingen krönen. Ich beantrage folgende Resolution: •) Sieh« Denkschrift S. 30 ff.