Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-10-27 · Heft 85 (27.10.1904) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 85 (27.10.1904)
Date
1904-10-27
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450062--61673-2524582
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1817 genutzt, es wird ordj jetzt nichts nützen. Die Seminarkuratorien werden sich von uns keine Vorschriften machen kaffen. Auch die Beschlüsse der Vereine und des Verbandes werden keine Aenderung herbeiführen. Die Ausbildung in den Religionsfächern wird für absehbare Zeit eine unzureichende bleiben. — Will nun der junge Religionsichrer in seinem und im Interesse des Iudenthnms zur Höhe seiner Aufgabe gelangen, so muss er auf dem Wege der Fortbildung die Lücken auszufüllen suchen und auch manche Kenntnisse neu zu erwerben streben, die ihm bei der Ausbildung fremd geblieben. Wie schwer und sauer aber dieser Weg dem jungen Lehrer wird, das weiß jeder, der ihn hat zuriicklegen müssen. Planlos irrt er auf dem steilen, steinigen Pfade umher, und glücklich der, der sein Ziel erreicht, wenn auch auf Umwegen über Dornen und Gestrüpp. Viele aber sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht, verschwenden ihre Zeit und ihre Kraft mit Nebensächlichem. bleiben auf halbem Wege stehen und sehen das gelobte Land nur von fern. Hier die Bahn ebnen und die nötbigen Wegweiser auszustellen, damit die jungen Lehrer in ihrem Fortbildungsstreben wissen tto rx nn 'oV ist eine der vornehmsten Pflichten der jüdisch:» Lehrerschaft. Mit Dank müssen wir daher anerkennen, daß der Verband des Lehrervereins mit großem Eifer sich dieser Planirungsarbeit unterzogen und schon manches darin geleistet hat. Er hat eine Kommission zur Vorbereitung und Berathung dieser ^Angelegenheit eingesetzt, und was diese Kommission zu Tage gefördert hat. in einer Denkschrift veröffentlicht. Diese Denkschrift, m. H.. ist Ihnen allen zugegangen, und jeder von Ihnen wird wobl aus ihr hcrausgelesen haben, wie ernst es dem Verbände damit und wie eifrig er bemüht ist. dem jungen Lehrer die nothwendige Fortbildung zu erleichtern. Wir Lehrer, die wir weiter Zusammenhalten und treu zum Verbände stehen wollen, haben die Pflicht, rückhaltslos dessen gute Absicht lobend b->rvorznbeben. wenn wir uns auch nicht mit all seinen Massnahmen in dieser Beziehung einverstanden erklären können. Besonders hat das Expos«'*) des Herrn Rektor Dr. Gutmann - Berlin berechtigten Widerspruch, zum Tbeil auch entrüstete Zurückweisung gefunden. Es ist sehr bedauerlich, daß der Verband, dessen Vorschläge unbesehen sanktioniri hat. Nicht wer einen Vorschlag macht, sondern was der Vorschlag enthält, das ist die Hauptsache, und das genau zu erwägen. sind diejenigen verpflichtet, die den Vorschlag empfehlen. Wir wollen nun darüber nicht weiter mit dem Verbände rechten und hier nur den Wunsch aussprechen, daß er künftighin nichts der Oeffentlichkeit übergebe und mit seiner Autorität decke, was er nicht vorher gründlich geprüft und als für die gelammte Lehrerschaft werthvoll befunden hat. Es würde meiner Ansicht nach auch wenig nutzen, wenn der Verband, wie *) Denkschrift & IQ. er bekannt gibt,, noch ein zweites Expose von einem konservativen Kollegen veröffentlicht: Nicht Exposes soll er uns zum Besten geben, sondern einen fertigen Fortbildungsplan unter Berücksichtigung aller Momente uns ansarbeiten und zur Diskussion stellen. Gutmanns Vorschläge sind für den größten Theis der Lehrerschaft gar nicht diskutirbar, deßhalb nickt diSkutirbar, weil sic jedes Verständnitz vermissen lassen für das, was dreivicrtcl der Lehrer n'öthig ist, und für das. was diese sein sollen und zu leisten haben, weil i.cn p im das wichtigste und wesentlichste, worauf es am meisten ankommt. was den Lehrer erst zum jüdischen Lehrer macht und was die Praxis der kleinen Gemeinde täglich von ihm fordert, das rabbinische Wissen, gar nicht erwähnt wird. Anstatt dessen aber wird verlangt: Strack, Nöldeke. Stade. Guthe, Cornill. Wellhausen. Geiger, Dillmann, Marti, Smend, Reuß, Nowack. Benziger, Pfleiderer. Runze. Ach! „Mir wird von alledem so dumm, als ging mir ein Mühlrad im Kopte herum." Sonst heißt es wohl 7,17 ji,i2 nr.sv: nrjT. Gutmann hat einen Mntel für die alte Thora noch kaum übrig gelassen. Mag sein, dass die Lehrer an der Berliner jüdisch:» Mädchenschule auch ohne rabbinische Discivlinen anskommen können: in der kleinen Gemeinde aber, wo jede religiöse Angelegenheit zuerst dem Lehrer zur Entscheidung vorgelegt wird, können sie der rabbinischen Kenntniß gar nicht entbehren. Wehe dem Lehrer, der sich dann eine Blösse gibt: das untergräbt sein Ansehen, seine Autorität. seine Stellung. All seine pädagogische Befähigung, all seine sonstige Bildung nutzen ihm nicht. Pfleideier und Benzinger können ihm nicht helfen, sobald er nicht weiss. ob rar im *>2x17^2 gesagt wird oder nicht. Herr Isidor Pegasohn, der wohllöbliche Vorsteher der Svnaaogengememd: Dalfenshausen, pflegt bei solckren Gelegenheiten seine Amtsmiene aufzusetzen, ein mitleidiges Lächeln zuckt um seine Lippen und verständnissinnig winkt er seinem Freunde Moritz Korachstein zu. Ja inein Lieber, unser Beamter, ein netter Mensch, auck sehr gebildet, er kennt alle Städte von Südamerika und Japan und schreibt für Zeitungen, aber vom Indischen versteht er nidfj* v Welche Ironie! Der jüdische Lehrer verstehe nichts vom Jüdischen. Wie unendlich viel leidet das Judentluin darunter. Das iß dir praktische Seite. Und die ideelle! fordert sie nicht noch eindringlicher robbinisches Wissen vom Lehrer? Unser Iudenthnm, wie es in den Gemeinden zum Ausdruck kommt, ist auf dein Rabbinismus oufgebaut. Unser ganzes jüdisches Denken und Empfinden, unser jüdischer Geist, unsere jüdische Kraft, unser jüdisches Herz und unser jüdisches Gefühl wurzelt und saugt ihre Nahrung bewußt oder unbewusst aus dem Rabbinisinus jn nx pm Wenn jüdische Prediger aller Schattirungen von den Kanzeln herab ihren Zuhörern von der Heilskrast der Thora

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.