Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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4&. Jahrgalt-. eitage zu M 85 des „Ssraekii." Echte Gastfreundschaft. predigt zum Sabbat Von I. H. Schwarz, Rabbiner u. Prediger in Gladno. .LLL'L: 1.71L mb TI “pl TW WHIH 717 JllplS “ *x:r npryc rszz zs'c. ~'zr,x a'itra #:tr z".zrz 7*ir -yr rrc rx In Gerechtigkeit wandelte Abraham, von dem es beißt: „Er befehle es seinen Nachkommen, auf daß sie beobachten die Wege Gottes, Recht und Gerechtigkeit zu üben!" In Redlichkeit sprach Abra- I)üih, von dem es heißt: „Die Redlichen lieben Dich!" Den Eigennutz verschmähte Abraham, von dein es beißt: „Nicht einen staden, nicht einen Schuhe riemen will ich von dem, was nicht mir gehört!" Wenn wir, so oft es uns gegönnt ist, das Gotteswort an dieser geweihten Stätte zu beleuchten, es für unsere heiligste Ausgabe hallen, die Bilder unserer Ahnen, wie sie uns die heilige Schrift vor's Auge führt, unseren Brüdern und Schwestern in dem Rahmen der eeklärenden und belehrenden Rede darzustellen; wenn wir immer wieder mit neuer Lust und mit neuem Eifer das Provhetenwort: crcs.i nx brr Blicket hin aus dcn Fels, aus dem Ihr gehauen" (Jes. 51, 1) Euch zu rufen und auf die unsterblichen Ahnen Hinweisen —^ so ist dies keineswegs eine geistige Errungenschaft der neuen Zeit eine modegewordene Redeweise neuerer Rhetorik. Seht, es haben schon die Alten, jene schlichten, aber tieidenkenden Männer der ältesten Schristauslegung es nicht verschmäht, mit der Fackel ihres Geistes, die uralten Bilder unserer Ahnen für die Nachwelt mit einem ewigen, nnverlöschbaren Lichte zu beleuchten. Sie zeigen uns in den Worten, die wir heute zum Ausgangspunkte unserer gottesdienstlichen Betrachtung gewählt, unseren Patriarchen Abraham in einer dreifachen bildlichen Eigenschaft, dreimal groß, dreimal musterhaft, dreifach der Nachahmung würdig. Sie zeigen uns Abraham als Beispiel von ipix- Milde, Abraham als Beispiel von ivv-Rcchtl i ch t e i t und endlich Abraham als Muster von tarn -Uneigennützigkeit. In dieser dreifachen Eigenschaft ihn zu betrachten und diese drei Tugenden uns zu Gemüth zu führen, sei unsere Aufgabe. Möge dies erhabene Borbild uns erheben und erleuchten, uns bilden und veredeln. Amen! I. Tr‘ v'L wv so npr> ,mcx rsnx et>3*6 7!'2,7.1 *cx .dBenins a*a 7XSV tx x:e» 7:2^ ri'D oxr Gott sprach zu Abraham: „Das wenige Wasser, das du den Fremden angeboten, will ich deinen Kindern dereinst vergelten: denn also heißt es: Aus Jerusalem werden die Lebenswasser stießen!" (Jalkut Simeoni 1,18, § 2.) .ipiL-Milde! Diese schöne, erhabene Tugend, anerkannt von allen Menschen, anerkannt von allen Völkern der Erde; so schön dieser Name klingt, so glänzend dieser Diamant seine Strahlen an allen Enden der Erde mehr oder weniger leuchten läßt — in ebenso mannigfacher Gestalt tritt diese Tugend auf. in so mannigfaltiger Weise wird sie geübt. Mit edler Bereitwilligkeit öffnet der Eine seine goldenen Schätze und streut Geld unter die A r - m e n. Mit nicht minder edler Aufopferung bekleidet ein Anderer die Nackten und erquickt die Kranken. Ein Dritter übt Thaten der Milde an Sterbenden und ist aufopfernd bei Bestattung der Leichen, ihnen den letzten Liebe s d i e n st zu erweisen. Ein Vierter wieder kann von allen diesen Abstufungen der Mildthätigkeit nicht eine einzige üben; er ist arm, es fehlen ihm die goldenen Saatkörner, sie auszustreuen; er hat kein übriges Kleid, es dem Nackten umzuhängen; er hat zu schwache Nerven, um ay's Krankenbett zu gehen, oder am Sarge seine Menschenpflicht zu üben. Aber er ist darum nicht minder ein Priester der Milde; er übt npix innerhalb der Mauern seines Hauses; er legt die Opfergaben der Milde auf den Altar, der da heißt An seinem Tische glänzt der Schmuck der Milde! Mit einem Worte, er ist g a st l i ch, cr hat ein gastfreies Haus. Der Fremde findet unter seinem Dache einen gastlichen Herd - an seinem Tische ein gastlich Plätzchen — er ist gastfreundlich l.vie Abraham. Ja, aber der Arme? Kann denn dieser Gastfreundschaft üben? Was kann, was soll er seinem Gaste vorsetzen? — so höre ich fragen. — Und ich weise abermals auf Abraham hin 2'v uyo x: np* „Einen Wassert rüg bot er zunächst den Fremden an." Und schon dies Anerbieten allein zieht ihm das Wohlgefallen des Herrn zu. Erfrischen und erquicken können wir den Fremden oft durch eine Kleinigkeit, durch einen Trunk Walser, erfrischen und erquicken durch einen freundlichen Blick; erfrischen und erquicken durch das Li, bt durch den frischen, sprudelnden Quell der Liebe, der da vbvrva xrn imHerzen Jerusalems entspringt und nimmer versiegen möge. Wir sehen im heutigen Wochenabschnitte Abraham als gastlichen Menschenfreund.' Wir können nicht leugnen, daß unsere Zeit reich an schönen Werken der Milde und Güte ist; aber wenn wir von Gastlichkeit sprechen, muffen wir gestehen: