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Der Israelit · 1904-10-27 · Heft 85 (27.10.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 85 (27.10.1904)
Date
1904-10-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1801 Neligonsunterricht haben würden, der gerade heute von so großer Wichtigkeit ist! Und nun zu einem anderen Falle. Das oberelsässische israelitische Konsistorium hat bereits im Mai 1904 den Rabbinatskandidaten Dr. Weill-Ersteiu, der seine Ausbildung am Rabbinerseminar in Berlin erhalten hat, zum Rabbiner von Biesheim-Reubreisach ernannt. Roch heute ist die Ernennung nicht erfolgt und wie man allgemein hört, wird derselbe auch nicht bestätigt werden, da die Gemeinde Biesbeim gegen die Wiederbesetzung des Rabbinates Einspruch erhoben haben soll, da sie mit der bisherigen einstweiligen Verwaltung des Rabbiuates durch den Rabbiner von Winzenheim, ein Biesheimer Kind, äußerst zufrieden ist. Wenn man also Biesheim, die größte im Elsaß valante Rabbinatsstelle. wo noch mindestens 49 bis 50 jüdische Familien wohnen, nicht mehr besehen will, so wird man umso weniger z. B. das Rabbinat Hattstadt wieder besehen, welches bereits 12 Jahre vom Ober-Rabbiner von Eolmar verwaltet wird, und um noch viel weniger wird man dann die anderen seit langen, langen Jahren vakanten Rabbiuate wieder besehen wie Pfastatt. Sulzmatt. Riederhagen, thal. Blohheim, Regisheim, Riedersept u. s. w.. weil die Zahl der daselbst wohnenden Israeliten sehr klein ist! Wohin sollen diese Zustände noch fuhren??? Die Ertheilung des jüd. ReligionSuuterrichlS in Wilmersdorf. Wilmersdorf. 2ö. Olt. Der hiesige Gemeindevorstand von Wilmersdorf hat ein Gesuch des Vorstandes der jüdischen Gemeinde in Berlin, es möge die Hergabe von Räumen zur Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts in Wilmersdorf bewilligt werden, unter folgender Begründung abgelehnt: Wenn zur Zeit auch einige Räume disponibel sein sollten, so könnte dennoch eine dauernde Ueberweisung derselben nicht stattfinden, weil bei der schnell fortschreitenden Entwicklung von Wilmersdorf und den sich fortwährend steigernaen Bedürsniffen an Schulräumen vorauszusehen sei, daß diese Räume sehr bald für eigene Zwecke gebraucht würden. — Die inzwischen fortgesetzten Bemühungen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde um Beschaffung geeigneter Räume haben bisher zu einem Ergebnisse nicht geführt. Das Verhalten des Gemeindevorstandes von Wilmersdorf ist umso weniger begreiflich, als bekanntlich in Preußen jeder Staatsbürger verpflichtet ist, für den Unterricht seiner Kinder in den Lehren einer anerkannten Religionsgemeinschaft Sorge zu tragen. In an-' deren Gemeinden räumt man beßhalb ohne weiteres auch zum jüdischen Religionsunterricht Schulzimmer während der schulfceien Stunden ein. Das könnte jedenfalls auch in Wilmersdorf geschehen, dessen Schulwesen eine schnelle und immer größere Ausdehnung nimmt, so daß wohl in einer der verschiedenen Schulen sich ein zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts geeignetes Lokal finden dürfte. Die jüdische» Einwohner von Wilmersdorf sind der Meinung, daß sie als Steuerzahler zum mindesten ein moralisches Anrecht darauf haben, nicht anders behandelt?n wtrden. als es in anderen Gemeinden geschieht. Polireiprakttke». Memel, 21. Olt. Die PolizeipraxiS den russischen Auswanderern gegenüber treibt die sonderbarsten Blüthen. Wie der „K. H. Z." aus Insterburg berichtet wird, kam dort am Freitag mit dem Memeler Zug ein junger Mann jüdischer Konfession an, der.von dem auf dem Babnhof stationirten Gendarmen angehalten und nach seinem Reiseziel befragt wurde. Der Reisende erklärte, er wolle nach Königsberg zu seinen Eltern fahren, fand aber mit dieser Erklärung bei dem Gendarmen leinen Glauben, der ihn für einen Auswanderer hielt nnd zur Rückkehr nach Memel veran-' laßtc. — Wann wird mit diesen Zuständen aufgeräumt werden, die zu Konseauen.zen führen, die unvereinbar sind mit dem Anspruch eines Landes auf den Titel eines Rechtsstaates, und die, wie in diesem Falle, selbst zu einer Beschränkung der Freizügigkeit führen. Man sollte glauben, daß die Regierung eines modernen Staates solche Ungeheuerlichleiten auch nicht 24 Stunden dulden werde. Schlußfest des TalmuVvereiuS. Memel, 21. Olt. Am Samstag Abend veranstaltete der hier bestehende Talmndverein sein diesjährig.?- Schlußfest (Siuml, verbunden mit einer erneuten Vertheilung der talmudischen Pensen nrn woran sich auch Richtmilglieder betheiligen durften. Der Zweck dieser Veranstaltung ist nämlich der, den ganzen umfangreichen Inhalt des-Talmuds durch entsprechende Vertheilung der einzelnen Traktate unter die Mitglieder binnen Jahresfrist auszulernen, ein Brauch, der wohl so alt ist, wie die Talmudvereine selbst und in jeder Beziehung lobensnnd nachah- , muugswerlh ist. Diesmal wurde dieses Schlußfest mit einer Festmahlzeit begangen, die in dem gastlichen Hause des allverehrten Herrn Benjamin Hanenl o n n stattgefunden hat. Die verschiedenen religiösen Reden und Ansprachen gaben dem Mahle noch eine höhere Weihe und das an sich bescheidene Fest nahm einen sehr würdigen Verlauf. Emil Benjamin. Der Besuch der königliche» Familie 1« Aayy. Jas s v. Ter Besuch der königlichen Familie hat auch die jüdische Bevölkerung in Athem gehalten. Leider wurde keine jüdische Institution besucht. Ein

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