Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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tujr.jefliitncn mit der Begründung, es habe die Kultusgemeinde kein Recht zur Erhebung eines solchen Einzugsgekdes, umsomehr, als sie. erst am Anfang ihrer Karriere, noch keinen bestimmt und dauernd festen Aufentk'ull in Schweinfurt genommen hätten, ein Domizilwechsel also möglich und wahrscheinlich sei und sie in die Lage kommen könntet, in anderen Orten, wohin sie -ventuest später ihren Wohnsitz verlegen könnten, noch wiederholt solches Einzugsgeld Zahlers zu müssen. Der Berwaltungsgerichtshoj entschied jedoch zu llngunstcn der Beschwerdeführer. In der Entscheidung wurde ausdrücklich betont, daß die Kultusgemcinde wohl ein Rech! zur Erhebung eines Einzugsgeldrs hätte und daß sogar Staatsbeamte, die doch füglick gegen eigenen Willen in Orte mit jüdischen Gemeinden versetzt werden könnten und bei denen die Möglichkeit noch viel näher liege, daß ihnen in kürzerer oder längerer Zeit ein Domizilwechsel bevorstehe, zur Entrichtung solchen Einzugsgeldes verpflichtet seien, gewiß also auch Rechtsanwälte. bei denen doch ein Domizilwechsel nur durch eigenste Entschließung und nach freiem Willen erfolge. Es liegt auf der Hand, daß diese Entscheidung für das Finanzwesen der jüd. Gemeinden Bauern», speziell für diejenigen der aufblühenden Städte, denen durch steten Zuzug vom Lande, mit der Zeit wesentliche Mehrausgaben durch entsprechende Vergrößerung und Erweiterung der gemeindlichen Einrichtungen entstehen, von weittragender Bedeutung ist. 58. I. König Carol und die Juden. B u k a r e st , 24. Okt. Während seines Besuches in Jassy hat König Earol auch eine jüdische Delegation empfangen, die von Herrn Dr. Vurstin, Vorsitzenden der Iassyer Bnai Vrith Loge, geführt war. Der König nahm das von der Abordnung mitgkbrachte Memoire entgegen und unterhielt sich darauf mit den Mitgliedern der Delegation. Er frug Herrn Dr. Burstin. ob er das Bürgerrecht besäße; die Antwort war. daß er darum eingekommen sei. es aber nicht erhalten habe. Mit den Großindustriellen Moritz Wachtel und Leo Geller unterhielt sich der König über 'den Gang der Iassyer Industrie und wunderte sich darüber, daß sie noch nicht das Bürgerrecht besäßen. Der König war erstaunt, als der Großgrundbesitzer Leo Inster erzählte, er sei vor 25 Jahren um das Bürgerrecht eingekommen, habe es aber nicht erhalten. Der König erwiderte, es seien kcinesweas Gründe religiöser Art, sondern ganz anderer Natur, welche diese Züstande bedingen. Er frug darauf: „aber welche sind denn Ihre Wünschet — Die Antwort erthcilte Herr Schnuerer: „Wir bitten Ew. Majestät, bei der Regierung unsere langjährige Bitte zu unterstützen, man möge unsere Gemeinden anerkennen, denn heute sind diese nicht organisirt und unsere Schulen. Spitäler und sonstige Anstalten führen ein ephemeres Dasein.* — „Sie halten doch aber die Schächttaxe?" wendete der König ein. — „Za Majestät, aber sie mußte eingehen, weil sie eine freiwillige war/ — „Gewiß. dies ist sehr schwer. Meine Regierung hat sich mit dieser Frage bereits beschäftigt und es wird etwas geschehen/ Herr Schnuerer meinte dann: „Wir bitten Ew. Majestät Augenmerk auch unserer allgemeinen Lage znzuwenden. Dieselbe ist sehr traurig. Es sind Juden da. die mit 25 Jahren das Bürgerrecht fordern und es nicht erhalten, obzwar sie von ihrer patriotischen Gesinnung und Treue für die Dynastie glänzende Beweise geliefert haben/ Der König antwortete. „Langsam, langsam wird sich Alles zum Guten wenden/ Die Worte des Königs haben in der hiesigen jüdischen Bevölkerung Befriedigung erregt und neue Hoffnungen geweckt. Bekanntlich steht der König ganz unter dem Einfluß der Bojaren, die im höchsten Grade antisemitisch, jede judenfreundliche Regung des Königs zu unterdrücken wissen. Red. Feuilletorr. i r j a m. historische Erzählung aus dem 16. Jahrhundert, von Kvltzuv Stern. i3 iv. Der Tag der Vermählung Mirjams mit Rvben war gekommen. Die Furcht des Rabbi war, wie er glaubte grundlos gewesen. und dankend blickte er zu Hott empor, der ihn diesen Tag hatte erleben lassen. — Die kleine Synagoge B's. war dicht mit Zuschauern besetzt. Bon allen Seiten war die jüdische Bevölkerung herbeigeeilt, um bei der Trauung der Tochter des allseitig geachteten und geliebten Rabbi's zugegen zu sein. Die heilige Handlung begann. Unter dem Zurufe der Menge „gesegnet sei der. der kommt im Namen Gottes*, betrat das Brautpaar, gefolgt von ihren nächsten Anverwandten, das Gotteshaus. Mit Verwunderung sahen alle auf die Braut, wohl selten hatten sie ein solch herrliches Weib gesehen, als Mirjam. die junge Braut, und man brauchte sich nicht zu verwundern, daß selbst ein solch hochstehender Herr, wic der junge Graf Heinrich, von ihrer Schönheit bezaubert war. und sie zur Gemahlin begehrte. Nicht mindere Bewunderung erregte ihr Bräutigam, und allseitig hieß es. man habe noch nie ein schöneres Paar gesehen. Das Brautpaar hatte sich unter den Trauhlmmel