Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1904)
- Date
- 1904-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1795 Rabbinerversammlung einberufen und beschlossen, dem Mädchenhandel energisch entgegen zu treten. (Bekanntlich haben damals zwei hervorragende Rabbiner gegen die Behauptung protestirt, dass es in Galizien überhaupt einen Mädchenhandel gibt. Anmerkung des Lerichterstatters.) Zum Schluss forderte Redner auf, die galizischen Juden zu unterstützen und die Mädchen zu beschäftigen. Gr machte auch darauf aufmerksam, dass in Galizien Unterstützungsvereme für Kleinhändler vorhanden sind und rieth, solche auch in Deutschland einzurichten. Brausender Beifall folgte den Ausführungen des Redners. Goldenes Lehrer-Jubiläum. C ö l n - D e u ss. 19. Okt. Am 1. August dieses Jahres waren 50 Jahre verflossen, seit Herr Israel B l u m e n t h a l Hierselbst in sein Amt als Lehrer eintrat. In dieser langen Zeit war der Jubilar 48 Jahre als Jngeudbildner und Kantor in hiesiger Gemeinde ununterbrochen thätig. und er hat es verstanden, die Liebe und Hochachtung seiner Schüler und Mit bürger in hohem Grade sich zu erwerben. Davon gab die Festfeier. die am gestrigen Tage, dem 70. Geburtstage des Jubilars stattsand, beredtes Zeugniss. Morgens erschienen der Gesammtvorstand der Gemeinde und das Festkomitee In seiner Wohnung und ersterer überbrachie mit herzlicher Ansprache die Glück wünsche der Gemeinde und überreichte ein Ehrengeschenk. bestehend in einer ansehnlichen Geldsumme. Nachmittags fand in dem scbr geräumigen Festsaale ein Kinderfest statt, woran sich etwa 00 S-hülcr und Schülerinnen des Lehrers bet heiligten und das einen glänzenden Verlauf nahm. Für den Abend war eine grosse Festfeier in demselben-Saale arrangirt. Der mächtige Raum nebst Anbau war bis zum lebten Platz gefüllt, als der mit dem Kronenordcn dekorirte Jubi lar mit seiner Gattin an die mit kostbaren Blumen spenden geschmückte Ehrentafel geführt wurde. Die Festgesellschaft bestand znnr grossen Fhcil cm» früheren Schülern des Gefeierten, von denen viele Väter und Mütter, Grossoäter nnd Grossmütter waren. Nachdem der Jubiläumsmarsch von Wagner verklungen, hiess Herr Eossmann Bier namens des Fcstkomittes die überaus zahlreich erschienen Gaste herzlich willkommen und gedachte des grossen Förderers von Kunst und Wissenschaft, unseres erhabenen Kaisers Wilhelm II., dem er ein begeistert aufgenommcnes Hoch widmete. Stehend wurde darauf von allen Anwesenden die Nalionalhnmne gesungen. Dann beglückwünschte der Redner, auch ein früherer Schüler des Gefeierten, wie er dies bereits vor 25 Jahren gelegentlich des silbernen Jubiläums gethan. den Jubilar zu seinem goldenen Jubelfeste. Der 70jährige.' körperlich und geistig frische Jnbilar habe ein an Mühe und Arbeit reiches Leben hinter sich und stolz richte die dankbare Gemeinde begeisterte Blicke auf den hochverdienten Mann, dem heute alle Herzen zujubelten, mit dem innigen Wunsche zu Gott, dass ihm ein schöner Lebensabend beschieden sein möge. Freudig erhob man sich zu einem dreifachen Hoch auf den Jubilar. Herr Samuel Bielefeld- Köln feierte alsdann den Jugendbildner in zwar humoristischen, aber innigen und inhaltsreichen Worten. Herr Relior Schmitz- Dentz sprach in längerer Rede zu Herzen gehende Worte und überbrachie die Glückwünsche der katholischen Gemeinden in Vertretung des verhinderten Herrn.Pfarrers. Die stattliche Anzahl der erschienenen evangelischen und katholischen Lehrpersonen beweise, in welch' gutem Einvernehmen der Gefeierte mit den Kollegen und Kolleginnen der anderen Konfessionen sich befinde. Der evangelische Reltor, Herr B r i n k w e r 1 - Deutz sprach den Wunsch ans.,dass stets Eintracht und Friede in Schule und Kir-cke herrschen möge. Herr Lehrer a. D. Löb- Eötn wies auf das gute Einverständniss zwischen der jüdischen Gemeinde und den Beamten der Verwaltung hin. Herr H e i d e n h e i m - Köln iiberbrachte die Glückwünsche des Vorstandes der Kölner Spnagogen- Gemeinde. Der Jubilar dankte sichtlich gerührt für die vielen Beweise der Liebe, die man ihm an seinem Ehrentage dargebrachk. Der Den her Männer-Gesang- Dcrein sang unter Leitung seines Dirigenten mehrere herrk^cke Ehöre. unter anderen den Chor mit Drchester „Zigeunerleben" von Schumann und bot den Zuhörern einen vollendeten Kunstgenuss, Für den Humor sorgten die Herren Kamp und Eavell, die die Festtheilnebmer zu stürmischer Heitcekeit hinrissen. Mit eleganten Mustervorführunaen (Freiübungen) wartete der Dentzer Turnverein auf, der namentlich mit mehreren hübschen Marmoraruppen reichen Beifall erntete und zur Hebung der Feier unendlich viel beitrug. Manches schöne, gcrueinschastlich gelungene Lied rief Erinnerungen alter Schüler des Gefeierten wach, und es war bereits spät, als die urgclungeue Posse „Ein gebildeter Haustüren" zur Ausführung gelangte. Gegen i Uhr morgens schloss die wirklich schöne Feier. BefteuerungSrrcht jüdischer Gemeinden in Bayern. Der Kgl. Verwaltuugsaerichtshof als oberste Verwaltungsbehörde in Bauern hat eine Entscheidung gefällt. welche für das Steuerwesen der jüdischen Kultusgemeinden in Bauern von prinzipieller Bedeutung ist. > Die israelitische Kultusverwaltung Schweinfurt hatte . mehrere dort wohnende, jüngere, jüdische Rechtsanwälte . zu den Kultussteuern herangezogen und ihnen auch ein * sog. Einzugsgeld ayferleot. Gegen Letzteres hatten die besteuerten Herren das Rechtsmittel der Berufung ' ergriffen nnd waren bis zu genannter letzter Instanz