Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1904)
- Date
- 1904-12-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Ölöd ein sehr loser ist, der nichts weiter aufzuweisen hat, als seine willenlose Zugehörigkeit zum Judenthum, dem könnte man schon einen Uebertritt zumuthen. Das sind die Konsequenzen, die aus der VernachlLffigung der Gesetzesübertretung refultiren. So lange solche Elemente in unserer Gemeinschaft in überwiegender Zahl vorhanden sind, ist eine neue Chanuka, welche die Verbände unserer Zeit vorbereiten wollen, unmöglich. Sie ist nur möglich auf der Basis der alten Chanuka. Für diejenigen, die dem großen Troß aber nicht folgen, und die — wie die Makkabäerbrüder — „in Felsenritzen und Höhlen sich verkrochen hatten" und dort das Schwert zum todesmuthigen Kampfe wetzten, ist die Chanuka alten Stils auch heute noch dieselbe Chanuka. Sie wiffcn Dian D3;no *6 nicht etwa in der Vielheit, in der Majorität liegt euer Sieg, -o oycn cnx in euerer Minderheit liegt euere Uebermacht, sagt ihnen die Thora. Diese Thora sagt ihnen, nur in der Erfüllung aller Seiner Gesetze und Seiner Gebote 2v« lem ist dein Wohl dir gesichert. Diese Thora sagt ihnen: wenn du nicht achtest auf alle Seine Gebote jmn »i dt: d’Udi du wirst keine Anerkennung finden bei deinen Zeitgenossen. Diese Thora sagt ihnen aber auch, wenn du ganz zu Gott zurückkehrst . '■jv/oxo "inm “psvn dann wird es dir noch besser ergehen, als deinen Vorfahren. Auch das Prophetenwort dringt nicht vergeblich an das Ohr derjenigen, die die echte r«*jn zu feiern verstehen: Ein Engel Gottes warnte den Jehosua (Hohepriester), „wenn du in meinen Wegen wandelst, meine Hut beobachtest, das Recht meines Hauses vertrittst, meine Vorhöfe hüten wirst, dann gebe ich dic Gehende, unter den Stehenden." Sie lesen darin einen ernsten Tadel, den sich der Hohepriester Jehosua gefallen lassen mußte. Im Traktat Sanhedrin wird darin ein Vorwurf erblickt, weil er duldete, daß seine Söhne unwürdige Frauen heiratheten. Er glaubte ge- Mg get'ban-zu haben, wenn er seine Söhne hierüber zurechtwies. Sein weiches Vaterherz wollte sie nicht verstoßen. Da donnert ihm das Gotteswort entgegen: du hast dafür zu sorgen, daß mein Gebiet von Unwürdigen —7- und seien es auch deine Söhne — frei bleibe. * Möge die Chanuka uns alljährlich mahnen, daß die Thora der Lichtbaum ist. der uns dort Licht spendet, wo wir uns im Dunkel der Zeiten nicht zurechtfinden können, daß sie nicht einseitig begriffen und geübt sein will. Es muß in einandergreifen Wissen und Neben, und wir sind dann gerüstet und geweiht gegen die Verlockungen, die unS das rauben wollen, wofür die Makkabäer gekämpft und gesiegt haben. RischuS im Reichstage. Berlin 7. Dez. Unser alter Freund. Liebermann von Sonnenberg, hat mal wieder im Reichstage ein bischen gehetzt. Kann doch die Katz das Mausen nicht lassen. Man solle die Juden gegen eine entsprechende Besteuerung von der Militärpflicht befreien. Die Juden selbst würden damit trotz aller patriotischen Redensarten einverstanden sein. Wie es mit der kriegerischen Tüchtigkeit der Juden stehe, habe jetzt wieder der Krieg in Ofiasien gezeigt. Die russischen Juden desertirten geradezu massenhaft über'die Grenze. (Sehr richtig, rechts.) Abg. Schräder von der Freisinnigen Vereinigung erwiderte darauf, daß Liebermanns Vorschlag durchaus unangebracht sei, da die deutschen Verhältnisse mit den russischen nicht zu vergleichen wären. Das war eine höchst schwächliche Erwiderung auf einen so überaus frechen Angriff. Der Herr Abgeordnete hätte wohl etwas eingehender schildern dürfen, welche Gefühle ein russischer Jude nach Kischirfew und Homel haben mag, daß trotz alledem nur verhältnißmäßig wenige geflohen seien, die uns aber viel erscheinen, wegen der großen Zahl von russischen Juden, die in Rußland überhaupt vertreten sind» Daß Tausende und Abertausende unserer Glaubensgenossen bereits auf dem Schlachtfelde ihr Leben gelassen, das hätte man bei diesem Anlaß doch sagen müssen. Die Zweihundertjahrfeier des israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung. Königsberg. Die Zweihundertjahrfeier des Israelitischen Vereins für Krankenpflege und Beerdigung („Chewra Kaddischa") wurde am Mittwoch, den 15 Kislew, Morgens um 7l4 Uhr, durch einen Festgottesdienst in der Synagoge eingeleitet, wobei in 1 dankbarer Erinnerung die Namen aller um den Verein verdienten Männer — darunter viele von gutem Klang und unauslöschlichem Gedächtniß! — genannt wurden. Um 12 Uhr Mittags folgte auf dem alten Friedhof, am Grabe des Begründers des Vereins, Marcus Ilten, eine stimmungsvolle Gedächtnißfeier. Ein von Tannen flankirter Weg führte den von der Tragheimer Pulverstraße Eintretenden nach der südwestlichen Ecke des in so hohem Maße malerischen, von jahrhunderte alten Steinen und Bäumen bestandenen Gottesackers. Hier war die Ruhestätte des verdienstvollen Mannes, auf dessen Bemühungen die erste Anlage eines jüdischen Friedhofs in unserer Stadt zurückzufuhren ist und der selbst als der Erste beigesetzt wurde, und hier ging der Trauerakt in Gegenwart zahlreicher Gemeindemitglieder und ihrer Damen vor sich. ’ _ Oberkantor Birnbaum trug zunächst ein Gebet vor. und dann hielt Rabbiner Dr. Bogel - stein d» Festrede, ausgehend von dem Worte der