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Der Israelit · 1904-12-08 · Heft 97 (8.12.1904) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 97 (8.12.1904)
Date
1904-12-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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45. Jahrgang. , Aeilage zu M 97 des „Zsraekit." Itr TtlbM nG. in Lclbsm links, in j-liik 8cM »in Mi. M. Schweitzer, G l o g a u. r Wieder grüßt uns das Chanukafest. In Israels. Familien flammen wieder auf die kleinen Lichtchen, doch groß genug, das Dunkel der Nacht zu Hellen. Sie blenden nicht wie die modernen Leuchtkörper und die. geeignet sind, das Auge gar schnell zu ermüden. Der kleinen Lichtlein milder Schein schmerzt das Auge nicht, er ladet vielmehr zur sinnigen Betrachtung. Gehörst du kleines Lichtlein noch unserer Zeit an? Mußt du nicht deiner Winzigkeit dich schämen? Wirst du noch Verständniß finden in unseren Tagen, da allenthalben nur ein Zug in's Große sich zeigt? Hast du auf deinem langen Gang durch die Zeiten nicht bemerkt, daß die Welt nur das Große, Erhabene und Außerordentliche beachtet, das Kleine nicht sehen und ihm keinen Lohn zollen will? Hast du nicht bemerkt, wie dein bescheidenes Leuchten überstrahlt wird von den elektrischen Lichtkörpern. bei deren Schein so große Dinge berathen werden, die das, was du zu beleuchten hast, weit zurück lassen. In den Centren der deutschen Kulturstätten werden hochfliegende Pläne zur Rettung des Judenthnms, zu seiner Stärkung und Hebung entworfen und berathen — und du, kleines Flämmchen willst deine undankbaren Pfleger daran erinnern, daß in einem entlegenen Dörfchen, Modim genannt, in der Stube eines alten Juden ernst der Hebel — ein gar mächtiger Hebel — angesetzt wurde zur Rettung des Judentbums. Dort gab es nicht einmal einen Vorsitzenden, keine Organisation, die Propaganda zu machen verstand. Ach, wie viel fehlte dir! Doch nein! Jener Zeit, der das Chanukalicht seinen Ursprung verdankt, fehlte nichts. Sie hatte die Familie. Ein Vater, um dessen Haupt der Schnee des Alters zwar lag, der aber jugendlichen Muth im Herzen fühlte, hatte fünf Söhne, denen er die Gluth der Begeisterung für das niedergetretene Gottesgesetz in die Adern goß nnd die muthig den Kampf aufnahmen. v« n D (h verstand es — obwohl er gar nicht pädagogisch vorgebildet war — in jedem einzelnen seiner Heldensöhne das Feuer der Begeisterung kur Gott und sein Gesetz zu entfachen, und sie sorgten dafür. daß es nicht erlich. Me muffen wir uns schämen, da wir täglich mehr überzeugt werden, daß unsere Organisationen, die Begeisterung erwecken sollen, so klägliche Erfolge erzielen. In den großen Sälen vermag hie und da rin Redner die Hörer zu feffeln und entzücken, aber die meisten verlieren auf dem Heimweg, von der kalten Nachtluft umweht, die Wärme des Vortrags und mit Tagesanbruch, wenn des Tages Arbeit und Sorge beginnt, ist vergessen der Redner und das, wofür er begeistern wollte. - Es fehlt eben in den Familien — um im Bilde des Propheten zu sprechen -— der goldene Leuchter mit dem Oelbaum zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Dieser gediegene Leuchter, aus reinem Gold und aus einem Guß ist die Thora, der Oelbaum auf der einen Seite ist das Wissen, der auf der anderen ist das Neben derselben. . . Wo diese drei unerläßlich zusammengehörende Faktoren auch Zusammenwirken, da steht der dauernde Erfolg nicht mehr in Frage. In jenen Häusern, in denen die Thora das Gottesbuch, das m ew, vom Sinai ist, das Flammenwort, das den Greis und den Jüngling zu begeistern vermag, weiht jede Chanuka neu das Haus und neu die Familie. Nicht theatralische Aufführungen und nicht deklamatorische Kunststücke, nicht Vescheerungen der „Armen" und nicht weihevolle Predigten vermögen den Geist der Thora zu wecken. In Zeilen, in denen man das t» w belächelt, und für das für acht Tage ausreichende Oelkrüglein alle möglichen und unmöglichen Gründe vorzubringen versteht, um ja nicht den wahren, der Ueberlieferung entstammenden Grund gelten zu lassen, sind jene Paradestückchen nur das eine Blöße verdeckende Feigenblatt. Das Wort von der Erhabenheit unserer Thora, von der Hoheit ihrer Lehre führt unsere Zeit im Munde; aber nach ihrer Lehre zu leben, all das. was ihr widerspricht, zu lassen — davon wollen die wenigsten etwas wissen. ' Unsere Zeit feiert die Heldensöhne des Makkabäergeschlechts als Sieger, die den Feind mederwärfen/. Daß aber die Gefährdung des Gottesgesetzes die Triebkraft zum Kampfe war, wird kaum berührt. " ’ In jenen Tagen waren gefährdet: Sabbat, Speise^ gesetze und das Gebot der Milah. Wie kann man, ohne für einen Narren gebalten zu werden, in vielen Kreisen noch davon reden? Längst überwundene Sachen, über die die Praxis'entschieden hat, lautet hierfür die gedankenlos aufgegebene. Parole. Und wenn ja einmal einer der Unsrigen so viel Rückgrat besitzt und zur Erlangung einer Ehrenstelle seinen Glauben nicht wechselt, dann wird er als ein Held des Judenthums gepriesen. Warum nicht? Wir sind auch dafür dankbar. Bielleicht hätte man ihm einen Glaubens-Wechsel gar nicht zugemuibet. wenn er aus nzv und wtdj« flfcws im Leben Rücksicht genommen hätte. Man hätte sich ge- ' sagt, ein Jude, der alle Vorschriften seiner Lehre halt, kann unmöglich solche Untreue begehen. Einem Juden aber, dessen Zusamenhang zu seinem Judenthum nur t U

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