Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 97 (8.12.1904)
- Date
- 1904-12-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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S6S6 Massen Don Leuten .zugelassen werden, deren Lebenshaltung. Gewohnheiten und Gebräuche derart seien, daß dadurch die-amerikanischen Lohnarbeiter auf eine niedrigere Stufe herabgedrückt werden könnten. Die Botschaft kommt dann auf die Rechte amerjtanilcher Burger im Auslande zu sprechen, die. ohne Rücksicht auf deren Glauben und Rasse, mit Festigkeit gewahrt .werden müßten. Es habe sich als sehr schwierig erwiesen, von Rußland für die amerikanischen Bürger jüdischen Glaubens die Bewilligung des Rechts zu erreichen, Pässe zu erhallen und in Rußland zu reisen. Wenn ein amerikanischer Bürger. Jude oder Christ, sich in Rußland schlecht führe, könne er ausgewiesen werden; führe er sich aber so, wie es sich gehöre, so sei es ein Unrecht, ihm nur auf Grund seiner Rasse oder seiner Religion den Paß zu verweigern, und die Vereinigten Staaten seien berechtigt, gegen solches Unrecht Einspruch zu erheben. Hersonalieu. Berlin. Vor einigen Tagen ist dahier der Landgerichtsrath Dr. Bär. in Civilsachen ein Richter von besonders hervorragender richterlicher Tüchtigkeit, gestorben. Er war vor mehreren Jahren als Hilfsrichter an das Kammergericht berufen. Damals war' Präsident des Kammergerichts v. Drenckmann, ein Urreaktionär vom Scheitel bis zur Sohle, ein Richter, der außerordentlich hohe juristische Befähigung dokumentirte, aber im Rufe stand, stark antisemitische Neigungen zu hegen. Trotzdem empfahl er in außerordentlich warmer Weise den Verstorbenen, der Jude war, zur Ernennung zum Kammergerichtsrath. Bär wurde darauf in das Justizministerium gebeten. Dort wurde ihm, nach dem „Vorwärts", nahe gelegt, seine jüdische Religion in eine christliche umzuwechseln. Bei dieser Unterhaltung äußerte Bär, daß er seine Beförderung nicht einem Gesinnungswechsel verdanken wollte. Als ihm 'eindringlich nahegelegt wurde, daß der Konfessionswechsel doch nur „etwas äußerliches" sei, lehnte er die eindringlichen Mahnungen für eine Wandelung zum Christenthum auch mit dem Hinweis darauf ab. daß. so lange seine Schwiegermutter lebe, an eine Taufe nicht zu denken sei. Bär wurde nicht befördert, v. Drenckmann gab nochmals unter abermaliger Hervorhebung, wie dringend noth unseren Gerichten tüchtige Juristen thun und unter Schilderung der glänzenden Begabung und der hervorragenden Gewissenhaftigkeit Bärs eine Eingabe um Ernennung Bärs zum Kammergerichtsrath ein. Diese Eingabe wurde _nicht im Kammergericht — mit der Randnote: „Was werden unsere Antisemiten dazu sagen?" verseben. Abermals wurde Bär in das justizministerielle Taufzimmer gebeten. Die Begrüßung durch den Personalienrath erfolgte mit der traulichen Frage: „Lebt Ihre Schwiegermutter immer noch?" Bar bejahte die vertrauliche Nachfrage und kommentirte seine Ansicht über diese Art der Vorprüfung über die Bedingungen eines tüchtigen höheren Richters in einer Weise, die an das kernige Deutsch mancher altdeutscher Rechtssprüche erinnert. Er blieb Jude und — wurde nicht befördert. Feuilleton. Der HinnbiliM §0üt>tM : iit den Jahre» 5445 > 3447 )tr WW» i. IM 1.1687 in |«. 3tilrr$m| von Markus Brau«. 14 Aber Sara ergriff die Maske noch rechtzeitig aneinem Zivfel des Hermelins und sagte ihr, sie müssedie Sachen wieder mitnehmen, das sei gegen aller Welf Brauch: Masken bringen nichts, sondern holen. Sie danke ihm für die Kinder, daß sie doch wenigstens eine Maste. und zwar eine so schöne, zu sehen bekommen haben, aber damit sei's auch genug. Die Maske wollte sich erst mit der Dringlichkeit ihrer königlichen Amtsgeschäfte davon machen, aber als ihr mit aller Entschiedenheit von der Hausfrau der Weg verlegt wurde, nahm sie die Maske ab; es war Schneider Pinkerle! „Geehrte Frau Metz." sagte er mit einem Ernst, den man ihm sonst nicht zugetraut hätte, „ich hatte die" große Sechijo, am vergangenen Simchas T^rra bei Euch gewesen zu sein. Es hat mir so gut gefallen, daß ich mir vorgenommen habe, sobald sich eine paffende Gelegenheit bietet, komme ich wieder. Rach Simchas Thora ist Purim die passendste Gelegenheit. Da Ihr mich nun zum Reden zwingt, so will ich Euch kurz Folgendes sagen: Ich Hab Euer häusliches Glück gesehen, einen Tag vorher, als es durch Fügung von Hasc^m Boruch hu so wunderbar gestört wurde. Ich habe auch die schlechten Reden gehört, welche das Gegentheil sagen und Euch damit so schwer betrüben. Seitdem ich von dieser Schlechtigkeit gehört habe, bin ich von Hans zu Haus gegangen und habe jedem erzählt, der es hat hören wollen und besonders denen, die es nicht haben böreu wollen, daß alles Lug und Trug ist, was man von Un-. frieden in Euerer Ehe spricht. Möchte» alle Männer und Frauen so glücklich und zufrieden leben, wie Ihr ' miteinander gelebt habt! Und die Leute habe» mir geglaubt, der Scheker hat doch keinen Bestand und der