Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-12-08 · Heft 97 (8.12.1904) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 97 (8.12.1904)
Date
1904-12-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450074--61961-2524534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

enthalt einen Operalionssaal, zwei Badezimmer, Des-' infektionsranm und mehrere Krankenzimmer in getrennten Abtheilungen. Beide Pavillons find in jeder Beziehung auf das beite ausgrstattrt worden und haben bei Behörden und Sachverständigen ungetheilten Beifall gefunden. Zum Bau der beiden Pavillons wurden der Verwaltung 165,000 Mk. zur Verfügung gestellt. Diesen Betrag verdankt fie der Hochherzigkeit der inzwischen verstorbenen Herren Julius Lewisohn in Newyork, welche diese Pavillons zum Andenken an ihre verstorbenen Eltern, nämlich des Herrn Sam. Lewisohn und seiner Ehefrau Julie Lewisohn aeb. Nathan, errichtet haben. Die Einnahme an Kostgeldern betrug in dem Jahre 1901 52.383.23 Marl, im Jabre 1902 35,910.50 Mk.. im Jahre 1903 66,194.30 Mk. Dahingegen stellen sich die Ausgaben im Jahre 1901 auf 36.379.71 Mk.. im Jahre 1902 auf 88,618.11 Mk.. im Jahre 1903 109,417.54 Mk. Zum erstenmal seit Bestehen des Krankenhauses übersteigen die regelmäßig wiederlehrenden Ausgaben den Betrag von 100,000 Mark. Im Jahre 1902 hat sich unter dem Namen „Israelitisches Schwesteruheim" eine Stiftung gebildet, mit welcher die Verwaltung im engsten Konnex steht. Sie bildet im Krankenhause unter Leitung der Oberärzte und der Oberin die Lehrschwestern zu Krankenpflegerinnen aus und es sind zur Zeit zwei Lehrschwestern tbätig. Das franzSsifche Protektorat nnv die Schulen -er Alliance AsraEte. Paris. Einige dem Vatikan nahestehende Blätter haben wiederholt die Drohung ausgesprochen, der Bruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem hl. Stuhle könnte Frankreich um sein Protektorat bringen. Der französischen Regierung steht nämlich seit alter Zeit das Recht zu, die Christen im Orient zu schützen. Herr Combes hat mehrmals erklärt, daß ihn diese Drohung der klerikalen Blätter ganz kalt laffe. da es der gegenwärtigen französischen Regierung an dem Protektorat, das ihr.nur Verwicklungen und mitunter gar ernste Unannehmlichkeiten verschaffen kann, nur sehr wenig zu thun ist. Aus Anlaß der Budgetdebatte haben einige Mtglieder d->r Rechten in der Kammer das Wort ergriffen, um gegen diese Auffassung des Ministerpräsidenten zu prvtesiiren. Ihrer Ansicht nach sei das Protektorat für Frankreich von sehr große; Bedeutung, die Orientmissionen hätten der Sache Frankreichs unermeßliche Dienste erwiesm durch die Verbreitung der französischen Sprache und der französischen Kultur. Die Aufmerksamkeit dieser Herren wurde darauf aus die Rückseite der Medaille gelenkt. Das Handeln der französischen Missionare im Orient hatte Frankreich gar oft sehr viele und heftige Antipathien zugezogen. Es ist bedauernswerth, daß man bei dieser Gelegenheit vernachlässigt hat, von einer Anstalt zu sprechen, die Frankreich in ganz uneigennütziger Weise große, sehr große Dienste leistet. Die Schulen der Alliance Jsraelite, in denen auch nichtjüdische Kinder reichlich vertreten sind, verbreiten in vielen Punkten des Orients in sehr energischer und wirkungsvoller Weife die Kenntniß der französischen Sprache und die Jugend, die diese Schulen besucht, wird ganz im französischen Geiste erzogen. In allen Unwrichtsfächein wird auf alles, was Frankreich berührt. besonderer Nachdruck gelegt. Die Pflege des Französischen ist in diesen Schulen so stark, daß ihnen von mehreren Seiten vorgeworfen wird, die spezifischjüdische Erziebung zu vernachlässigen. Selbst Männer, die die Verhältnisse des Orients genau kennen und die dem Wirken der Alliance durchaus wohlwollend gegenüberstehen. behaupten ganz entschieden, daß in diesen Schulen für die jüdische Seite des Erziehungswesens noch viel, sehr viel zu thun ist. Ein ehemaliger Lehrer einer Allianzschule, also ein Mann, der in dieser Frage durchaus kompetent ist. hat mir erklärt, daß er auf Grund seiner persönlichen Erfahrung durchaus derselben Ansicht ist. Wollen die Allianzschulen ihre Aufgabe erfüllen und ihrem Ziele entsprechen, so müssen sie ihren Zöglingen neben der französischen Kultur auch jüdisches Wissen und jüdische Weltauffaffung einflößen. Das läßt sich wohl vereinigen und kann daher bei energischem Wollen auch erreicht werden. Hat doch ein französisch-jüdischer Dichter so schön gesungen: „Trois penples m’ont donng ce qu’il me faut pour vivre: les Romains, l°s Grecs et mou vieux peuple h£breu! Rome m’a donnö le Droit dont son code est le livre, Atliönes la Beantd Jerusalem mon Dieu!“ Pr. Botschaft des Präsidenten Roosevelt. Washington, 6. Dez. Die heute im Senat und im Repräsentantenhaus verlesene Botschaft des Präsidenten Roosevelt bebt einleitend hervor, daß die Vereinigten Staaten sich fortwährend eines bemerkenswert hen Gedeihens erfreuen. Bezüglich der Einwanderung und der Naturalisation führt die Botschaft aus, es wäre absurd, einen Unterschied machen zu wollen zwischen dem Manne, dessen Eltern nach Amerika einwanderten. und dem Manne, dessen Eltern schon vor mehreren Generatiomn landeten. Jeder sei berechtigt, lediglich nach seinem Werthe als Mensch beurtheilt zu werden. Aus welchem Laude die Einwanderer kamen, sei gleichgiltig. Wenn sie körperlich und geistig gesund, vor allen Dingen aber guten Charakters seien, dann solle man sie mit herzlicher Gastfreundschaft bewillkommnen. Die gute Lebenshaltung der amerikanischen Lohnarbeiter aufrechtzuerhalten sei wesentlich, und deshalb sollten nicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.