Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1904)
- Date
- 1904-10-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1767 würden, daß es das höchste Ideal eines jeden Jehndi fein mutzte, stch zu bestreben, so oft als nur möglich Gottes Namen zu verherrlichen und zu heiligen und mekadesch Haschem zu sein. Der Mensch, den Gott mit Glücksgütern gesegnet, hat oft Gelegenheit meladesch Haschem zu sein, aber leider gerathen solche Menschen für gewöhnlich auf Abwege und werden dem Spender ihres Glückes untreu. Die Ausnahmen sind selten, umsomehr mutz man sie der Oeffentlickckeit vorführen, um Nachahmung zu erreichen, wo diese Seltenheit in prägnantester Weise zu Tage tritt. Frankfurt hat das Glück, einen solchen Mann zu besitzen, der durch seine großen Geistesanlagen es dabin brachte, aus mittleren Anfängen Großes und ganz Bedeutendes zu erzielen, der aber in Folge seiner Religiösttät nicht sagt: Kochi weozem jodi osoh li es hachajil haseh und den sein großer Einfluß und seine allgemeine Beliebtheit nicht dazu bestimmen konnten, seine Frömmigkeit zu lockern, im Gcgentheil strebt derselbe immer mehr und mehr, .mit gutem Beispiel voranzugehen und bei jeder Gelegenheit dahin zu wirken, daß die allgemeine Iiidischkeit gehalten und. gehoben wird, was ihm bisher nicht nur bei einem großen Theil seines zahlreichen Geschäftsvcrsonals gelungen ist. sondern auch in seiner Familie und ganz besonders bei seinen Kindern, wovon er heute wieder einen neuen Beweis lieferte dadurch, daß er seinen Sohn am Var Mitzwohtage unter Leitung des Herrn Direktor Lange vor einem größeren Publikum einen halachischen Vortrag halten ließ, und damit zeigte, wie er die Tauro hochhält und verehrt. Seine streng-religiöse Lebensweise bekundet derselbe nicht nur im Hause, sondern auch auf seinen Geschäfts- und Erholungsreisen, wo er in minutiösester Weise besorgt um das Kaschrus ist, und wo auch wahrgenommen wurde, daß er während des Schabbos fleißig nach Tauro forscht. Dieser seltene Mann ist der bekannte Philantrop Louis Feist. Theilhabcr der hochangesehenen Firma Beer Sondheimer & Comp. Möge der Ällgütige ihm ferner beisieben, und möge sein Vorbild zur Nachahmung aneiseru. Israelitische KinderhettstStte Itt KSrrigSdorff. Jastrzernb. Dir im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb (Schlesien) im Jahre 1800 gegründete israelitische Kinderhkilstätte hat auch in der eben verflossenen Knrzeit als eine Wohlfahrtseinrichtung ersten Ranges sich beloährt. Die Anstalt, die auf dem festen Grunde erbarmungsvoller Menschenliebe errichtet ist. nimmt nicht nur mittellose Kinder ganz unentgeltlich auf. sondern gewahr! auch mehr oder weniger bemittelten Kindern gegen ein geringes, je nach den Verhältnissen bemessenes Entgelt, das aber die Selbstkosten nicht überschreiten darf. freundliche Aufnahme. So gereicht da8 Institutden verschiedenen Bevölkerungsklaffen zum Segen. — In der vergangenen Saison hat die Anstalt 115 Kinder in liebevoller Weise beherbergt. Das gemeinnützige Werk wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ertheilt der Vorsitzende der Anstalt, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gl ei Witz. Die Politik des neuen russischen Ministers des Innern. Der neue russische Minister des Innern, Fürst Swjatopolk Mirski, äußerte sich in einer Unterredung mit dem Petersburger Korrespondenten der „Associated Preß" ausführlich über seine Politik. Als Kernpunkte seiner Mittheilungen sind die Versicherung, daß an eine Verfassung für Rußland nicht zu denken sei. und die Anerkennung der Judenfrage als wichtigsten Problems für Rußland hervorzuheben. Der Minister sagte, er unterschätze keineswegs die schwere Verantwortlichkeit und off großen Schwierigkeiten, die er mit dem Ministerium des Inneren übernommen habe. Dann sagte er: „Es würde unzutreffend sein, zu sagen, daß ich bereits ein bestimmtes Programm habe. Ich habe einige bestimmte Ideen, die alle zu demselben Ziele führen, nämlich der Wohlfahrt des Volkes. Ich betrachte es als einen glück, lichen Umstand. daß ich Gouverneur dreier verschiedenen Gouvernements gewesen bin. Die dabei gesammelten Erfahrungen haben mir eine genaue Bekanntschaft mit den Bedürfnissen und Verhältnissen des Volkes vermittelt. und ich hoffe, daß sich das von großem Werth gerade jetzt erweisen wird, wo ich aus einem Vollzieher ein Leiter der Politik werde. Ich bin mir wohl bewußt, wie vielfach die Fragen der inneren russischen Verwaltung sind. Sie betreffen Millionen. Wir dürfen nicht ungeduldig sein. Sie können weder akademisch noch sofort gelöst werden. Ihre Größe erfaßt man im Anslande kaum. Ultra-Radikalismus sollte ebenso vermieden werden wie Ultra--Konservatismutz. Wer will sagen, wie in einem Jahrhundert die Lage Rußlands sich gestaltet haben wird?! Im Auslande spricht man von einer neuen Verfassung für Ruß-, land. Derartiges ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen unmöglich. aber wir haben eine Art Selbstverwaltung in den SemllwoS. Ich glaube an die Semstwos. Wir sind in den Semstwos durch alle Klassen des Dienstes gegangen, und ich bin überzeugt daß die Semstwos die Möglichkeit einer Verbesserung der Lage der unteren Klassen bieten und dem Volke geben können, was es braucht. Wir haben noch weitere innere Fragen von größter Bedeutung, vor allem die Judensrage, an der ich da-