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Der Israelit · 1904-10-20 · Heft 83 (20.10.1904) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 83 (20.10.1904)
Date
1904-10-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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entsprechender Tagesordnung fernzubleiben. Wir hätten nicht nur mit den heiligsten Grundlagen des Ju« denthums ein frevelhaftes Spiel getrieben, sondern die Arbeit suchenden Bruder direkt zum Abfall gedrängt. Wo also bleibt der Segen der gepriesenen Gemeinsamkeit? Haben wir doch jüngst im allgemeinen Lebrerverbande noch die Vergewaltigung bei einer tiefgehenden Forderung der religiösen Erziehung unserer Jugend erlebt. Meistens werden die orthodoxen Elemente dadurch geködert, daß man an ihre Begeisterung für ihr Judenthum appellirt und ibnen vorredet, sie seien verpflichtet, hier oder da bei einer Gründung gemeinschaftlicher Verbände mitzuwirken;- denn nur durch ihren Beitritt könnten sie ihrer Stimme Geltung verschaffen, oder man stellt die Satzung auf. „religiöse Themen stehen außerhalb der Diskussion." Wie es mit letzterem Punkt steht, erfährt jeder Orthodoxe tagtäglich, der aus Erfahrungen anderer nicht lernen will und selbst auf den Leim geht. Was den erster» Punk» betrifft, so wird bei vielen, die Augenzeugen zu sein Gelegenheit hatten, ein Ereigniß des Jahres 1898 unvergessen bleiben: Die Konstitüirnng des Verbandes deutscher Rabbiner. Eine — Tragikomödie sondergleichen! Es blutete einem das Herz, wie rnan da sah, wie sin'^vi vw'vo sitzen durften neben einem wahrhaft frommen, edlen Menschen, einem *m ‘ma — nns1? pnx -oi — Ihm war es schwer ums Herz, darüber pflog er mit dem Schreiber dieser Zeilen manch' unvergeßliche geheime Zwiesvrach — und er. der Ehrliche, der Gute, der Jude — — erlag nach schrecklichem inneren Kampfe, und wir — trauerten an seiner Bahre. Vor den Ohren frommer Rabbiner durfte in einer Szene jenes Schaustückes ein „Tefillahverbesserer" die Worte durch den Saal in der Potsdamerstratze rufen: „Heute sind wir die v'pow." Die Antwort der Frommen aus dem Munde ihrer offiziellen Vertretung lautete: „Unser geehrter Kollege und lieber Freund!" Im Jahre 1884 war der Schlag nicht gelungen. die Frommen der deutschen Rabbinen einzufangen. 1898 wollten sie mitthun. Die „Reliktcnkasse" — das Geld, war das Mittel der Bestechung, das leider zum Ziele führte. Sind nun etwa die „Kollegen" von der Reform den „Kollegen" von der Orthodoxie zu Liebe weniger reformistisch gesinnt? Run, die öffentlichen Verhandlungen des letzten Kongresses in Frankfurt haben Zeugniß dafür abgelegt, wie beide Richtungen sich vereint bemühen, sich nach Kräften gemeinsam zu blamiren. Wenn nun aber gar Orthodoxe aus lauter Eifer gegen die Separirung so weit gehen, sodaß sie bei der Gründung des Judentages.jungst öffentlich der völlig n»jüdisch lebenden, freigeistigen Leitung dieses neuesten Verbandes deutscher Synagogen-Gemeinden das Vertrauen anssprechen konnten-religiös/ Entscheidungen beruhigt in ihre Hand zu legen und in dieser „Liebe" gegen einen ganz, ganz bescheidenen Antrag, einer orthodoxen Seite öffentlich protestiren und ihn bekämpfen zu müssen glaubten, — aus lauter „Friedensliebe", dann sehen wir, wie weit es mit solchen Bündnissen kommen kann; und wir können, dürfen und wollen uns nicht verhehlen, daß aus solchem „Frieden" ein ganz erbitterter Kampf hervorgehen muß. Denn es gibt doch noch Juden, die ihre religiöse Entscheidungen sich doch noch irgendwo anders suchen möchten, als bei gewissen großmögenden, cmkb — die als Menschen vielleicht die verehrungswürdigsien Herren sind — in Berlin oder anderwärts. Nein, wir fragen im Gegeniheil, welchen Eindruck muß ein solches Gebühren bei jenen ernsten Männern der Wissenschaft und der Großindustrie Hervorrufen? Was soll und wird ein Mann von dem Ernst und der Ueberzeugungstreue eines Orthodoxen denken, der ihnen — religiöse Entscheidungen anvertrauen will? Nein! Ihr Herren von der Orthodoxie, weder die Reform wird durch Eure Liebe gebessert, noch Euch bringt Ihr Nutzen. Es gilt das von der einzelnen Gemeinde wie von der Gesammiheit deutscher Juden. Was um Himmelswillen kann der Erfolg eines Kampfes einer verschwindenden orthodoxen Minderheit in der Repräsentanz einer Großgemeinde sein? Was Ihr verhüten wollt, beschwört Ihr herauf: den Kampf; was Ihr fördern wollet, rückt Ihr in weite Fernen: den Frieden. Durch Euer Streben muß eine bedauernswerthe Resignation zu den Worten Secharjahs 11, 4—14 greifen. Uns kann nur helfen, wenn wir Elkanahs, Samuels Vater, Beispiel nachahmen, von dem der Midrasch erzählt, daß er im e n g st e n Kreise so lange, unbekümmert um Hohn und Spott der Außenwelt, den Forderungen des göttlichen Gesetzes, muthig vor den Augen der größten Oeffentlichkeii nachkam, bis das VerstLndniß dafür allmählich Platz griff, die Fernstehenden zu ihm sich sammelten, und so. und nur so. ein starkes Band ganz Israel umschlang, ein Band der Wahrheit unddesFriedens. Kivusch Haschem. Es ist nicht nur die Aufgabe eines echt-religiösen Jehudi, Chiüul Haschem zu vermeiden, er soll auch danach streben, wo sich ihm Gelegenheit bietet, m'ekadesch Haschern zu sein. Man versteht darunter nicht nur solche Kidufche Haschem, wie sie die Thora vorschreibt und wie sie zur Heiligung des Namens Gottes auch in späteren Zeiten Vorkommen, sondern auch derartige, wie sie sich fast fortwährend bieten, aber leider so vielfach vernachlässigt werden. Gewiß würden solche Vernachlässigungen weniger Vorkommen, wenn diejenigen, welche das Glück haben, j mekadesch Haschem sein zu können, es nur begreifen

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