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Der Israelit · 1904-10-20 · Heft 83 (20.10.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 83 (20.10.1904)
Date
1904-10-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1753 13 Jahre alt und Bar Mizwoh. - Mit Stolz 'blickte sein Lehrer auf ihn herab, denn noch niemals hatte er einen solch eifrigen Schüler gehabt als Rüben. Doch er sollte auch von anderen Lehrern lernen, und als wieder zwei Jahre vergangen waren, beschloß der Rabbi. Rüben auf die Talmudschule zu Frankfurt zu schicken. Rur ungern ließ Mirjam ihren Gefährten ziehen, und thränenden Auges gab sie ihm das Geleite, als der Tag der Abreise gekommen war. Auch der Rabbi mißte seinen Neffen, den er so schnell liebgewonnen hatte, ungern, doch tröstete er sich und die weinende Mirjam auf baldiges Wiedersehen mit Rüben. Doch lange dauerte es, bis der heißersehnte Tag nahte. Sechs Jahre blieb Rüben fort, nicht einmal kam er während dieser langen Zeit nach V. zum Besuche, da kehrte er eines Tages unerwartet, ohne vorherige Mittheilung zurück. Groß war der Jubel Mirjams unh die Freude des Rabbi, als der Heißersehnte wieder die heimathliche Schwelle betrat. Doch wie hatte er sich geändert! Aus dem schmalen, bleichen Knaben war ein Wann geworden, und erröthend schlug Mirjam die Augen nieder, als er sic wiederholt herzhaft auf Mund und Stirn küßte. Aber auch Mirjam war eine andere geworden. Das Kind, das er vor sechs Jahren verlassen hatte, war zu einer herrlichen Jungfrau herangeblüht, und mit Bewunderung ruhte der Blick Rubens auf ihr. Sie trug ein einfaches Hauskleidchen, das ihr prächtig stand; das mamorweiße Gesichtchen, das nur ein wenig roth angehaucht war. die beiden dicken, schwarzen Flechten, die ihr fast bis an die Kniegelenke reichten, und am Ende mit einem blauen Bande festgebunden waren, es paßte alles so zusammen, daß er sich nicht satt an ihr sehen konnte. Die Feier des Tages zu Ehren der Ankunft Rubens war vorüber. Die alltägliche Arbeit trat wieder in ihr Recht, und auch Mirjam und Rüben waren wieder ganz die unzertrennlichen Gefährten wie früher. Dvch es waren mehr als die Bande der Verwandtschaft und Freundschaft, die die beiden so unzertrennlich machten. Es war Liebe. An einem kühlen Sommerabende, als sie sich von des Tages Hitze im Garten erholten, und der Rabbi in seinem Sessel leicht eingeschlummert war. kamen ihre beiderseitigen Gefühle zum Ausbruche. Unter Thränen der Freude und der Rührung gestand sie ihm ihre Liebe, und mit einem Ju.belruf umschlang er sie mit beiden Armen. — Dem Rabbi kam diese Mittheilung nicht unerwartet, er wußte es. die beiden waren sich längst bestimmt und bereits in wenigen Wochen sollte die Hochzeit des Paares fiattfinden. Der älteste Sohn des Grafen Gersdorf. Graf j Heinrich, madjte ßum ersten Male eine Rundreise durch die Herrschaft seines Vaters, die einst die seinige Iverden sollte, um Land und Leute einmal genau kennen zu lernen. So kam er auch eines Tages mit dreien seiner Freunde nach B. und kehrte ir^ der Dorsschenke ein. Beim Wein kam auch das Gespraah auf schöne Mädchen und der junge Baron Bauerfeld, der schon häufig in B. gewesen war, lenkte Pas Gespräch auf die Tochter des Rabbi. - „Wenn Du. Heinrich, eine Schönheit sehen willst, so betrachte Dir einmal die Tochter des Judenrabbi; ich glaube, so was hast Du doch noch nicht gesehen/ „Kann ich sie sehen?" frug Graf Heinrich gespannt. „Warum denn nicht, wenn Du sie einmal unbemerkt betrachten willst, so komme mit." Willig folgten alle Viere der Aufforderung, und von einem Seitengäßchen konnten sic. ohne gesehen zu werden, das Haus des Rabbi von oben bis unten betrachten. und durch das offene Fenster das ganze Innere übersehen. Mit stummem Entzücken betrachtete Graf Heinrich die reizende Gestalt Mirjams. ..Die muß ich haben." flüsterte Heinrich, „selbst wenn sie Jüdin ist." „Das wird wohl schwer gehen," entgegnete ihm sein Freund scherzend. „Du faßt meine Worte als Scherz auf. es ist jedoch nicht so; es ist mir ernst damit, und damit Du siehst, daß ich cs ernst meine, werde ich sofort zu dem alten Juden gehen und mir seine Tochter erobern, und wenn er sie mir nicht gutlvillig geben will, dann soll er den Grafen Gersdorf kennen lernen ..." Rabbi Schlaume faß über feine Bücher gebeugt in seiner Studirstube. Er war so vertieft in sein Studium, daß er erst nach mcbrmaligem Anklopfcn erschreckt auffubr und zum Eintreten aufforderte. Herein trat eine stolze Erscheinung, Gras Heinrich. „Wer seid Ihr, edler Herr, und was ist Euer Begehr?" „Kennt Ihr mich nicht mehr, Alter? Man sieht, daß Ihr so lange nicht bei meinem Vater, dem Grafen Gersdorf. wäret." „Wie. ist es möglich! Ihr seid Heinrich von Gersdorf. was ist aus dem Knaben ein stattlicher Jüngling geworden. Seid mir herzlich willkommen, wie geht es Eurem Vater? Und in welcher Angelegenheit seid JKr bier in B.?" „Es ist eine wichtige Angelegenheit, wegen der ich' zu Euch komme; es bandelt sich um mein Lebensgluck: Gebt mir Eure Tochter zum Weibe! Ich habe sie einmal geseben, und voch kann ich nicht mehr von ihr lassen; ich weiß wohl, daß es sich nicht mit Euren religiösen Gesinnungen verträgt, aber ich muß Eure Tochter haben, koste es, was es wolle." . Erbleichend hatte Rabbi Schlaume die mit immer höher steigender Erregung gesprochenen Worte de-

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