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Der Israelit · 1904-10-20 · Heft 83 (20.10.1904) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 83 (20.10.1904)
Date
1904-10-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1754 Grafen mit angehört. Mit Schrecken dachte er daran, was daraus werden sollte, wenn der Graf auf feiner Werbung beharrte. während er ihm seine Tochter verweigern mutzte. Endlich hatte er sich so weit gesammelt. um etwa-erwidern zu können. „Bedenkt, gnädiger Herr, was Ihr verlangt. Ihr sagtet ja selbst ganz richtig, datz es sich nicht mit unseren religiösen Begriffen verträgt. — und kann mich Niemand in der Welt zwingen, entgegen meiner religiösen Ueberzeugung etwas zu thun. Auch glaubet mir. Herr, es wird nicht lange dauern und Ihr werdet im Drange der Ereignisse bald das Judenmädchen von V. vergessen haben. Schlaget Euch die Idee, die ja doch nur eine vorübergehende ist, auS dem Kopfe, es kann und darf nicht Euer Ernst sein." Der Rabbi hatte die letzten Worte mit immer mehr wachsendem Muthe gesprochen. Der-Graf wollte mehrmals bei der kühnen Rede des Alten heftig auffahren, doch hielt er sich immer wieder zurück; er wollte zunächst noch einmal versuchen, sein Ziel auf gütlichem Wege zu erreichen, denn ihm war es mit seiner Werbung heiliger Ernst. Sanft redete er deshalb nochmals auf den Rabbi ein: „Ehrwürdiger Rabbi, Ihr sprächet da vorbin. dqtz die Verbindung Euerer Tochter mit mir aus religiösen Gründen nicht möglich sei; kann denn dieses Hindernitz nicht beseitigt werden, kann ich denn nicht zum Judentbum übertreten und Euer Schwiegersohn werden?" „Rein, mein Sohn." entgegnete ihm bedächtig der Rabbiner, „auch das geht nicht an. Wohl kann ein Nichtjude zum Judenthum übertreten, doch wird keiner meiner Kollegen die he.lige Handlung an Euch vollziehen. tvenn Ihr aus einem solchen Grunde' Jude werden wollt. Wir Juden wollen keine Proselvten machen, wir nehmen nur den in unsere Religion auf. der. aus wahrer lleberzeugung seinen alten Glauben verlässt und sich unserer Religion zuwendet, ich sage Euch deshalb nochmals, schlagt Euch diesen Gedanke« aus dem Sinn." ' *; ’ Mit wachsendem Unwillen horte der junge Graf den Rabbi mit an. So stark hatte er sich den Widerstand des alten Rabbi doch nicht gedacht, aber er war entschlossen, das Aeutzerste zu versuchen und falls e? ihm nicht auf gütlichem Wege gelang, mit Gewalt auf sein Ziel loszusteuern. „Nun, wenn ich nicht Jude werden darf, dann heirath ich Eure Tochter als Christ, verlaßt Euch, darauf!" setzte er drohend hinzu, „was sich der Sohn des Grafen Gersdorf vornimmt, das führt er aus^ 'zum letzten Male, wollt Ihr mir Eure Tochter geben oder nicht?" „Nein," entgenete fest der Rabbi. „Dann werde ich Dich zu zwingen wissen. Jude! Du sollst an mich denken!" und mit heftigen Schritten ging er auf die Thüre zu, knarrend flog die Thür wieder in's Schloß, und draußen war er. (Forts, f.) «Zu unserem Bilde. Von dem Dankgottesdienste zu Ehren des Jahrestages. an dem der deutsche Kaiser den Wystvter Glaubensgenossen seine Gnade erwiesen hat. haben wir bereits berichtet. Heute ünd wir in der angenehme» Lage, unseren verehrten Lesern ein Photogramm bieten zu können, das im Aufträge des Photographen Jaswein-Kibarty an den Kaiser nach Jagdschloß Rominten durch Herrn Vorsteher Eduard Segall-Eydtkubnen abgesandt wurde. Zur Erläuterung des schönen Erinnerungsblattes diene Folgendes: Auf der Kanzel steht der ehrwürdige Rabbiner Niederland -Wystyten, unter ihm am Vetvulte der Kantor mit seinen Chorknaben. Andächtig lauscht die zahlreiche Versammlung auf die erbauende Rede, die Psalmen-Gesänge und das besonders innige und feierliche Gebet für den deutschen Kaiser. Der .Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Hontasu and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellaeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buckliandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Dev Vuchhaiidrl verkehrt durch V. ASlrtnaikrr, Leipzig,Rostplatz jv. — Inserate25Pstmligdie viergespattene Nonpareillezeile oder deren Raum« Preis der Zeile im Reclamcthcll 75 Pfennig. — Direkte Francozusendung unter Streifland pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für'S Ausland 16 Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3932. Telephon 1015. Inhalt (Hauptblatt): Ein Nachwort. — Berliner Nepräseutantensitmnq. — Berarvhe ung deS Friedhofs der Devtsch-JSraeltt. Gemeinde zu Haniburg. — Erleichterung deS GrcnzvcrkehrS für die uidi>chen Auswanderer aus Rutzland. — Persische Zustande. — Personalien: Franlsurt a. M. — Feuilleton: Miriam. Inhalt »er ersten Vellage: Ein Nachwort (Schluß). — K,dusch Haschen». — Israel. KmderheilstStte in KöniaSdorkstJastrZemb. — Die Polnik deS neuen russischen Ministers des Innern. — L»ttcrar»sches. — Fragekatten. Inhalt der »wellen Oelkage: Weder Fadeu noch Schuhrremen. — Mmmerrelle Entscheidung über Vornahme von Trauungen i« Reg..Be». Wiesbaden. — Zur Vorgeschickte deS ZareuerlasieS vom 4. September. — Tie neuen Prozesse ,'n Kischinew. — Tapfere Jude» im russisch-japanischen Kr,ege. — Vermischtes. . Inhalt der dritten Vellage: Das Buch von den Juden m RMand. — Ein Denkmal für jüdische Soldaten. — Vermischte«. Ertra-Beilaser Dankgottesdienst für drn deutschen Kaiser in der Synagoge zu Wystyten. Verantwortliche Medactionr OScar Lehmann in Mainz. — EMedttion de« JftScaeUi". Schottstratze Rr & Druck und Verlag der 8 ob. DlrtblLe« vosduchdruckerei fidfo*4B«fein<Boft in Mains. Hierzu vier BeUa-e»

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