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Der Israelit · 1904-10-17 · Heft 82 (17.10.1904) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 82 (17.10.1904)
Date
1904-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1737 geworden. Er versäumt keine Tefillo Dezibur trotz des Geschäfts und lernt ein schönes Blatt Gemoro. Er hat Englisch gelernt und Deutsch, das verficht sich von selber. Doch was rede ich von mir. deßhalb bin ich ja nicht gekommen. Für Euch habe ich eine wichtige Nachricht. Vor vier Wochen ist Graf Esterhazy gestorben und drei Tage spater die Gräfin. Das Vermögen fällt icstamentarisch den verwandten Linien und ein grosser Thei! auch Kirchen und Klöstern zu. Der Graf hat aber seinem Testament die Klausel angefiigt, daß die Güter und Kapitalien erst fünf Jahre nach dem Tod: an die Erben übergehen. Sollte sich innerhalb diese-. Zeit sein Sohn Ignatius finden, so ilt er der alleinige Erbe. Das wollte ich Euch sagen. Meiner Meinung dürfte sich jetzt der Graf Jgnaiius finden lassen; denn Ihr seid der einzige rechtsmäßige Erbe. Dass Ihr inzwischen zum Judenthum zurückgekehrt seid, bot damit gar nichts zu thun. Das braucht auch übrigens niemand zu erfahren. Sie streifen Ihre Peies ein wenig zurück, ziehen einen etwas kürzeren Rock an und melden sich als der vermißte Graf Ignatius Esterhazy, was Hallen Sie davon?" Josef schwieg, da er vor seinem Vater nicht das Wort ergreifen wollte. Als dieser ihn aber aufforderte seine Ansicht zu sagen, meint er: „Ob ich mich als Erbe melden soll oder nicht, darüber wird man verschiedener Meinung sein können. Aber das steht bei mir fest, wenn wir uns entschließen, dass rch diesen Schritt thue. dann streife ich keine Peies zurück und ziehe auch leinen kurzen Rock an, sondern ich freie als Jude auf. Wenn man meine Ansprüche dann nicht anerkennt, habe ich wenigstens das Be wußtsein. dass ich diesen Verlust für unsere Emuno trage. In jedem Falle würde ich. mit Euerer Genehmigung. liebe Eltern, desshalb bei meinem Lehrer. Rabbi E.limeleck. anfragen, und seiner Entscheidung gmäss handeln." „Wir sind damit gewiß einverstanden." bemerkte Herr Fried, „aber das soll uns doch nicht zurückhalten. uns selber eine Meinung zu bilden. Ich schicke voraus, dass diese meine Meinung für Dich, lieber Jolef, keinerlei Verbindlichkeit haben soll, besonders wenn sie derjenigen von Rabbi Elimelech widerstreiten sollte. Rach dieser Dorarlsset-.ung möchte ich davon abrathen. daß Du Dich als Erbe meldest." „Ilnd Euer Josef soll die Millionen lachendnr « Erben lassen?" fragte Pappenhnm. „das ist doch Euer Ernst nicht?" „Doch. Reb Hirsch, es ist nsir vollkommen ernst." antwortete Fried. „Nehmen wir einmal an, dir Sach: ging ganz glatt, die durch Joses benachtheiligten Erben würden sich ruhig in das Unabänderliche ftigen und Josef diesen Besitz gönnen; so hielte ich eine solche Erbschaft auch für ein Unglück. Neun und neunzig im großen ungarischen Reiche zerstreute Güter, sind rin . , wahrer Pisur Hanefcsch, eine Zersplitterung der ganzen ' Persönlichkeit, ein- Aufreibung von Geist und Gemüth. wie ich mir gar keine schlimmer denken kann. Eine solche Anzahl Güter richtig zu verwalten, mag schon dem Grafen schwer geworden sein, einem Juden wäre es geradezu unmöglich: denn ein jüdischer Besitzer dieser Güter müsste mit Einflüssen und Strömungen rechnen, die für den Grafen nicht vorhanden waren." „Aber der Erbe dieser Güter kann sse ja verpachten, verkaufen;" meinte Hirsch Pappenheim. „Man veräußert eine solche Anzahl von Gütern nicht im Handumdrehen," entgegncte Herr Fried. „ES - - gehören auch Käufer und Pächter dazu; aber ich Hab: nur den günstigsten Fall angenommen. In Wirklichkeit wird man alles in Bewegung setzen um Dir das Erbe streitig zu machen. Gelingt dies nicht, weil der Wortlaut des Testaments dem entgegen steht, so gibt es für die Herren Mittel und Wege genug, um unbequeme Erben bei Seite zu schaffen; eine Möglichkeit ja ich darf sagen eine Wahrscheinlichkeit, die mich allein bestimmen würde, die Hand davon zu lassen. Würde unter diesen Umständen ein solcher Erbe auch die Erbschaft richtig antreten können, er wäre keinen Tag seines Lebens sicher. — Dazu kommt noch die Frage, ob nicht eine Bestimmung des Testaments den Fall Vorsicht, daß der Erbe wirklich Jude geworden ist und für diesen Fall ihn enterbt. Das wäre auch festzustellen: und zwar wäre Reb Scheftel Tusmenitz der rechte Mann, das zu erfahren." „Reb Sckeftel ist schon seit einem Jahre in der Welt der Wahrheit," erwiderte Herr Pappenheim. . „Boruch Dajan Hoi'-mmes" sprachen Vater und Sohn. (Der Segensspruch beim Empfang einer traurigen Botschaft.) Aber Reb Scheftel's Sohn, der ja das Geschäft des Vaters übernommen hat, wird uns hier Auskunft verschaffen können," meinte Joses. „Ich glaube.nicht," bemerkte Pappenheim. „Durch die langjährige Krankheit von Reb Scheftel ist das Haus Tarenitz sehr zurückgegangen. Der Sohn soll sich in gedrückten Verhältnissen befinden. So habe ich von einem Schadchen gehört, der für die einzige Tochter von Tusmenitz eine Parthie in Anregung brachte, die aber wegen der ungünstigen Geschäftslage des Hauses nicht znm Abschluß kornmen konnte. — Aber die Sacke kann man auf ganz einfachem Wege erfahren. Wenn ' Ihr der Sache naher treten wollt, so werdet Ihr schon einen tüchtigen Advokaten in Wien nehmen müssen, wo das Testament deponirt ist und woselbst auch der Graf und die Gräfin gestorben find. Dieser Advokat kann sich leickt Gewißheit über den Wortlaut des Testaments verschaffen." „Ihr habt Recht, Reb Hirsch," bemerkte Herr Fried, „das ist der einfachste Weg."

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