Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 82 (17.10.1904)
- Date
- 1904-10-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1735 Glauben im Widerspruche steht? Endlich bitten wir alle Juden, groß und Nein, sich von allen Jenen fernznhalten, die sie vom geraden Wege des Judenthums abzulenkcn trachten, allen gegen sie gerichteten „Betehrungs"versuchen zu widerstehen und auszuhalten bei unserem Glauben und unserer Lehre." . Es folgen die oben angegebenen Unterschriften. Aus dieser „Warnung" geht zweierlei hervor: erstens, daß die Missionäre alle Mittel anwenden, um die in ihrem Glauben an Gott und Menschen wankend gewordenen, eingewanderten Juden für sich und ihre Lehren einzunehmen, und zweitens, daß die aus dem Osten hierher verschlagenen Juden hier vollständig sich selbst überlassen sind und dem ersten besten Versucher zur Beute anheimfallen müssen. Gestehe aber das offizielle Judenthum auf der einen Seite die große Gefahr ein. welche durch die Wühlarbeit der Seelenschacherer der jüdischen Gemeinschaft entsteht, so muß man sich auf der anderen Seite verwundert fragen: „Wo ist das Gegengift, durch welches dem eingerissenen Uebel abgeholfen werden soll?" Es genügt doch nicht, zu lonstatiren, daß die Krankheit akut geworden. man sollte doch auch an die Remedur des Nebels denken! Freilich wäre es viel wirksamer gewesen, wenn die Herren Marner den Herumirrenden zugerufen hätten: Geht nicht zu den Vorlesungen der Missionäre, sondern kommt und hört unsere Vorlesungen an. die wir eigens für euch abhalten' Nehmet nicht Theil an ihren Vergnügungsfahrten und Volksbelustigungen, dafür laden wir euch zu einem belehrenden Ausfluge in die herrliche Umgebung Londons ein! Benützet keine Bücher aus den Missionsbibliotheken und Lesehallen, dafür aber richten wir Volksbibliotbeken. Lesehallen und Abendkurse ein! Wie gesagt, die Warnung ist. wie das „Jüd. Volksbl." schreibt, dem wir diesen Bericht entnehmen, sicherlich nicht glücklich abgefoßt, aber man muß sich vorläufig zufrieden geben, damit, daß sie überhauvt erfolgt ist, und sich für die Zukunft mit der Hoffnung trösten, daß dem ersten Schritt bald ein zweiter, praktischer folgen werde. Zur Charakteristik der Schlauheit und Unerschrockenheit, mit welcher die Missionäre auf ihren Scelenfang ausgehen, diene die Mittheilung, daß sie auch den Zionismus, dem ein großer Theil der in Be trachr kommenden Volksschichten anhängt, für ihre Zwecke auszubeulen verstehen. Sehr oft hört man einen schlauen Prediger sprechen:: „Die Juden sind in allen Ländern der Welt vorhanden. Aber sie besinnen sich nicht dort, wohin sie eigentlich gehören! Palästina ist ihre Heimath und ihre Geburtsstätte und solange sie sich nicht in Palästina sammeln und ihren Staat restituiren. können sie nicht erstarken. Aber es wird kommen der Tag. an dem alle Juden in Palästina zu einer großen Nation vereinigt beisammen leben werden; dann werden sie selbst die Herren sein im eigenen Lande und nicht Gäste unter fremdenNationen!" Das ist doch herrlich gesprochen! Nun kommt aber der eigentliche Hauptsatz, um dessentwillen alle vorangegangenen Nebensätze gedrechselt wurden, und dieser lautet: „Und dann wird auch der Tag gekommen sein, an dem die Prophezeiung von der allgemeinen Taufe aller Menschenkinder in Erfüllung gehen wird!" Wenn nun diese Prophezeiung so sichere Aussichten hat. wenn man der Taufe früher oder später überhaupt nicht entgehen kann, warum sie aufschieben? Forschungen in Palästina und Egypten. Die Deutsche Orientgesellschaft, welche bisher ihre archäologischen Forschungen auf Mesopotamien und Egypten beschränkt hatte, beabsichtigt, nun auch dem Boden Palästinas Zeugnisse, die von seiner schicksalsreichen Vergangenheit reden können, zu entlocken. Sie hat zu diesem Zweck die Herren Dr. T h i e r s ch und Hölscher zu einer Rekoguoszierungsreise durch Palästina und das phönizische Küstenland entsandt, über welche diese in dem letzten Heft der „Mittheilungen" einen lesenswerthen Bericht veröffentlichen. Als ganz besonders geeignetes Terrain empfehlen sie darin die Ebene von Jesreel, deren Schutthügel in ihrem Innern voraussichtlich die letzten Spuren der ältesten Kultur Palästinas bergen. Die tiefsten Schichten dieser palästinischen Tells führen in die älteste kanaanitische Zeit zurück, deren Kultur zuerst unter babylonischem und später theilweise unter egyptischem Einflüsse stand, lieber diesen tiefsten Schichten liegen jüngere, deren Bauten meist eine sehr rohe und mangelhafte Technik zeigen. Erst die griechisch-römischen Schichten bieten ein erfreulicheres Bild. An der Oberfläche treten dann vielfach spätrömisch-byzantinischr Reste zu Tage; häufig aber sind auch diese noch durch mittelalter-arabische Schuttmaffen überdeckt. Da die Ausgrabungen, welche die Wiener Akademie ebenfalls in der Jesreel Ebene, in Taanek, veranstaltete, so werthvolle Ergebnisse geliefert hat, so kann man sich von weiteren Untersuchungen aus diesem Gebiete wichtige Aufschlüsse über die vorisraelitischr Geschichte Palästinas versprechen. Zunächst freilich hat sich die Gesellschaft eine andere Aufgabe gestellt: sie tvill die zahlreichen Synagogen-Ruinen in Galiläa, die aus römischer Zeit stammen; erforschen lassen. Der Stil dieser Synagogen ist im allgemeinen der römische jener Zeit, doch fehlen nicht gewisse provinzielle spezifisch jüdische Eigenthümlichkeiten; sehr beachtenswerth ist die häufige Verwendung bildlichen Schmucks an diesen Bauten. Schon die kurze Rekognoszirungsreise durch das Land hat eine Anzahl von Einzelfunden ergeben, welche in dem Bericht zum Theil abgebildet sind.