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Der Israelit · 1904-10-17 · Heft 82 (17.10.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 82 (17.10.1904)
Date
1904-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1734 Israel. Gemeinde dem Scheidenden einen schönen Abschied, dem ein Ständchen von seiten des Liederkranzes vorausging. Schultheiß Frank betonte, daß Herr Späh nun 16 Jahre in Affaltrach als Lehrer weile und sich um die politische Gemeinde viele Verdienste erworben habe, was schon daraus hervorgehe, daß die Gemeinde sich veranlaßt sah, Herrn Spatz schon nach wenigen Jahren seiner Thätigleit hier das Ehrenbürgerrecht zu verleihen. Herr L e v i sprach den Dank der israelitischen Gemeinde aus und überreichte Herrn Spatz einen silbernen Pokal als bleibendes Andenken. Hierauf sprachen noch als Vertreter der anderen Konfessionen Herr Pfarrer Lachenmeier und Herr Pfarrverweser L ohmiller. Im Namen der Lehrerschaft Affaltrachs schilderte Schulamtsverweser Heiß den Scheidenden als Mann des Friedens, dem die Standesehre sehr am Herzen lag. Wiederholt dankte der Scheidende gerührt für all das Liebe und Gute, das er in Affaltrach genießen durfte; Affaltrach sei ihm zur Heimath geworden, die er nie vergessen werde. __ Orthodoxer und neologer Religionsunterricht. Der Kampf, den die orthodoxen Juden Ungarns gegen die neologe Gewaltherrschaft zu führen gezwungen sind, zeitigt mitunter Zustände, die dem Gesammtjudenthum von großem Schaden sind. Zu diesem Kapitel der Geschichte der Juden in Ungarn wird nun aus Kronstadt (Siebenbürgen) folgendes Jllustrationsfaktum mitgetheilt: Zu Beginn des laufenden Schuljahres hat der hiesige königl. ung. Schulinsvektor den orthodox-jüdischen Religionsunterricht an der hiesigen staatlichen Mädchenbürgerschule einstellen lassen und angeordnet, daß auch die Kinder orthodoxer Eltern an dem vom neologen Rabbiner Dr. Papp (Rosenbaum) ertheilten Religionsunterricht theilzunehmen haben. Er stützte sich hierbei auf eine ministerielle Verordnung. die thatsächlich existirt und besagt, daß der Staat nickst. wie bisher zwei, sondern nur einen isr. Religionslehrer besoldet, und zwar einen neologen. Der Schulinlpektor deutete nun diese Verfügung dahin. daß die orthodoxe Gemeinde nicht einmal das Recht habe, den orthodoxen Schülern der Bürgerschule orthodoAn Religionsunterricht auf eigene Kosten zu bieten, weßhalb er die Kinder orthodoxer Eliern zum Anhören des neologen Religionsunterrichts zwingen wollte. Dagegen erhob nun eine Deputation der orthodoxen Gemeinde beim Kultusminister Protest, der auch von Erfolg begleitet war, indem der Gemeinde das Recht eingeräumt wurde, auf eigene Kosten den Religionsunterricht nach „orthodoxem Ritus" ertheilen zu lassen. Da diese Frage für die Orthodoxen Ungarns von prinzipieller Bedeutung ist, erwartet man, daß die orthodoxe Landeslanzlei zur Klärung derselben eine Aktion einleiten werde. Londoner Brief. Das offizielle Judenthum von England oder, präziser gesprochen, von London, hat sich endlich zu einer heroischen That emporgeschwungen. Die obersten Führer des Judenthums haben eine Art „Warnung" gegen die Umtriebe der Missionäre erlassen. Warum so spät, und warum gerade jetzt? fragte man sich hier. Tie englischen Judenmiffionäre haben wegen ihrer „Geschicklichkeit" und ihrer Rührigkeit einen Weltruf erlangt und sind auch für das Missionswesen anderer Länder und anderer Kulte musterdienend geworden. Das weiß man in der ganzen Welt und überall, wo es ein rühriges Judenthum gibt, hat man mit mehr oder weniger Erfolg gegen das Treiben der Judenmission angekämpft, nur in London, dem Sitze und Mittelvunkt der Bewegung, sahen die jüdischen Führer dem volksverheercnden Seelenhandel bisher unthätig zu. Nun ist aber die „Warnung" endlich gekommen und bat hier um so mehr Eindruck gemacht, als sie wirklich als ein Manifest sämtlicher Juden, der Juden aller Parteirichtnngen, betrachtet werden muß. Dies beweisen die Unterschriften der „Warnung": Dr. Adler, Chief Rabbi of England. Dr. Gasser, Oberrabbiner der Sephardim, ferner Rabbiner Heikin, Lord Rothschild. Präsident der United Snnagogues. Sir Francis Montefiore, Präsident der Sephardischen Gemeinde, und Sir Samuel' Montag«. Präsident der „Federation of Svnagogues". Interessant ist diese „Warnung" auch als Dokument des Kampfes, den das Judenthum für seine eigene Erhaltung zu führen bemüßigt ist. Der Text der „Warnung", welcher in englischer und jüdischer Sprache ausgegeben wurde, hat in deutscher Uebersetzung folgenden Wortlaut: „Warnung an die Eltern jüdischer Kinder! Mit großem Bedauern haben wir in Erfahrung gebracht, daß jüdische Kinder des Londoner East End (zumeist von eingewanderten Juden bewohntes-Biertel) die Vorlesungen der Missionäre besuchen, an den Unterhaltungsabenden und Vergnügungsfahrten derselben theilnehmen und die Lesehallen und Bibliotheken der Misstonsgesellschaft in Anspruch nehmen. Bei all diesen Anlässen nebmen die Kinder an Gottesdiensten theil. welche unserer Religion widersprechen." „Die Missionäre breiten ihr Retz auch auf Erwachsene aus, welche sie durch Geschenke und „wohlthätige" Gaben zum Anbören ihrer gegen unsere Religion gerichteten Predigten zu verlocken trachten. Wir bitten daher nlle jüdischen Eltern sowie deren Söhne und Töchter, sich vom Besuche der Missionshallen zu enthalten. Die jüdischen Eltern mögen ihren Kindern die Betbeiljgung an den von Missionaren veranstalteten Unterhaltungen und Vergnügungsreisen verbieten, es sei denn, daß sie sich vorerst die Ueberzeugung verschafft haben, daß bei diesen Anlässen nichts unterrichtet oder vorgenommen wird, was mit unserem

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