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Der Israelit · 1904-10-13 · Heft 81 (13.10.1904) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 81 (13.10.1904)
Date
1904-10-13
Page
– (sequence 21)
Language
German
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für-das rthodM B-llskriKkischZ KmlM m W. 81 13. Ort. 1904.1 IS«. SS ven8rk. *&iW Don ICfctftFlNachdruck verboten. ^.Mutter Brendele," so hieß sie im ganzen Dorfe, von Juden und Christen wurde sie so genannt, „Mutter Brendele" bei Groß und Klein, die Kinder sagten auch wohl: „Die gute Mutter Brendele." Ja, die Kinder, die hatten sie gerne, verfolgten sie förmlich. „Ein weiblicher Rattenfänger von Hameln/ hatte einmal ein Städter, der sich in der ländlichen Sommerfrische aufhielt, sie titulirt. Aber das verstand die gute Mutter Brendele nun nicht, „diesen mordernen Schnickschnack!" Sie liebte die Kinder eben, weil sie Kinder waren, noch diese göttliche Reinheit und Unschuld befaßen. Und Kinder haben ein feines Gefühl. Sie merkten gar bald, wo ihnen Liebe und Verständniß entgegengebracht wird, ihren kleinen Sunden und großen Schmerzen. Es war ein unscheinbares, niedriges Häuschen, einstöckig, mit kleinen, eckigen Fenstern, in welchem Mutter Brendele hauste. Im Sommer sah es recht freundlich aus. ein Paar Blumenstöcke, die Mutter Brendele liebevoll pflegte, blühten dann vor den halberblindeten Scheiben. Sie hatte ja nun nichts mehr, das ihrer Pflege und Liebe bedürftig war. Ihre Küchlein waren langst flügge geworden und in die Welt hinausgeflogcn. Die aber im Dorfe geblieben, hatten sich ein eigenes Heim gegründet, und wenn auch Mutter Brendele dort ein gern gesehener Gast war, sie war klug genug, diese Gastfreundschaft nicht allzulange in Anspruch zu nehmen. Einmal hatte sie es. aus die dringende» Bitten ihres Sohnes hin versucht — aber es war auch bei dem Versuch geblieben. Der Sohn hatte cs gewünscht, die Mutter sei zu alt, um so allein zu hausen, und die Frau "hatte ihm, etwas lau allerdings, zugestimmt. Die Tage hindurch ginge es ja an, aber die langen Nächte in Einsamkeit, oft in Schlaflosigkeit, die schienen ihm beängstigend. Er war seiner Mutter jüngster Sohn, und sie hatte ihm die Wirthschaft geführt, ehe er sich eine Frau gesucht. Gesorgt und geschafft hatte sie für ihn und den Grund zu seinem jetzigen Wohlstand gelegt. Da war Mutter Vrendele denn, „um dem Sohne den Willen zu thun," gekommen, aber nur mit wenigen Habseligkeiten. „Das Häuschen wird nicht verkauft," hatte sie bestimmt, „da blttbt alles, wie'es ist, das Gärtchen, der Stall mit der Ziege, die Zimmer." Und täglich ging die alte Brendele in ihr Haus. Die Ziege, die Blumen, das Vögelchen, mußten doch versorgt werden, bas ging, nun nicht anders. Sie fühlte sich soweit ganz wbhl bei dem Sohne. Um ein Kleines kam dann der Riß, um so ein. winziges Ding, ein kleines, kleines Loch in einem kleinen Kinderstrumpfe. Ihr Enkelchen trug denselben. Man muß eben nicht alles sehen, pflegte sie später.wohl zu sagen, wenn auf diese Angelegenheit die Hede kam. Ihre Kinder, nein, da sei Gott vor, und-es wären ihrer ein Dutzend gewesen, da war nie so etwas vorgekommen. Und sie hatte das Kind in eine Ecke gezogen, ganz still und ohne viel Aufhebens von dieser Sache zu machen. Aber wie das häufig so ist. ..die Schwiegertochter hatte ein Zufall gerade in diese verborgene Ecke

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