Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1904)
- Date
- 1904-10-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1706 «pibemieartfge Krankheiten unter den Menschen und versckriedene Thierseucden füllten das Maß des Elends nuferer Brüder in Palästina. Die Lage wurde noch dadurch irrrscharft, daß die Ehalukahgelder Heuer viel spärlicher flössen, als in früheren Zähren, wodurch die Zahl jüdischer Bettler in des Worres wahrstem Sinne schrecklich anwuchs. Man kann keine belebtere Straße in Jerusalem vassiren. ohne auf ganze Gruvpen durstig getleideter jüdischer Straßenbettler zu stoßen. Männer, Frauen nnd Kinder in zerlumpten Kleidern, mit eingefallenen, dürren Gesichtern betteln um ein Stückchen Brod. Und es ist keine Aussicht vorhanden, daß dem täglich steigenden Elend in absehbarer Zeit ein Ziel gesetzt wurde. Das jüdische Elend in Palästina ist aber nur in den großen Städten so in die Augen springend. In den kleineren Städten oder Dörfern merkt man wenig davon, aus dem einfachen Grunde, weil daselbst sehr wenig Zudrn wohnen. Za. es gibt eine große Anzahl Dörfer, in denen überhaupt keine Juden wohnen. Die Kopflostgkeit und der Mangel eines rationellen Systems bei der Einwanderung in Palästina hat viel zur- Steigerung der Judennoth. daselbst beigetragen. Die Einwandernden find in der Wahl des Niederlassungsortes zum größten Tbeile sich selbst überlassen und diese verpflanzen das Ghettovrinzip, wonach die Juden nur in großen, dichtbevölkerten Städten und in großen Massen beisammen wohnen mußten, auch hierher, wo die Bedingungen für eine massenhafte.Judenansiedelung womöglich noch ungünstiger liegen, als in den Städten des östlichen Europa, aus denen sie die Noth vertrieben. Nur so ist es zu verstehen, daß z. B. von den 31,000 Einwohnern der Stadt Schechrm nur 31 Juden sind und Beer-Scheba sammt Vororten bei insgesammt 30,000 Einwohner nur — zwei Juden beherbergt. Wenn während der verflossenen acht Sukkothtage in stammen jüdischen Häusern Lulab und Ethroy von Hand zu Hand wandern, um dem Gebote der heiligen Schrift folgend, die Segenssprüche zu sprechen, wird es wohl kaum einem einfallen, darüber nachzudenten. welche Mühe und Arbeit es gekostet hat, bis der Ethrog in .brauchbarem" Zustande dem Benutzer eingehändigt werden konnte. Die Ethrogzucht liegt leider noch fast ausschließlich in den Händen der Araber, welche stch durchwegs durch' bie Kultur dieses jüdischen Ritualartikels bereichert haben. Gegenwärtig gibt es im ganzen zwei größere jüdische E^iLZanlagen, die eine ist Eigcnthum d'.3 Kolonisten Benjamin Fein in Rischon-Lezion, während die zweite eine Art Produktivgenossenschafi der Kolonisten von Petach-Tikwah bildet. Die Mffc^.'n haben bis jetzt noch an den Kinderkrankheiten dieser, große Sachkenntniß und Um* sicht fordernden Gärtnerarbeit, zu leiden gehabt. Die Erträge dieser jüdischen Pflanzungen waren bis nun auch wenig zufriedenstellend und die Araber behauptete» noch immer den ersten Platz mit ihrer Waare. Mit unendlicher Mühe nnd großen Geldopfern haben es nun die jüdischen Etbrogzüchter dahingebracht, daß. ihre Waare derjenigen der Araber gleichwerthig wurde und die Konkurrenz mit denselben aufzunehmen vermag. Wahrend es wohl noch lange dauern wjrd, bis die Ethrogzucht in jüdische Hände übergeht, wird der Ethroghandel, oder, wie er hier genannt wird, die Ethrogfabrikation. fast ausschließlich von Jude» vermittelt. Und die Benennung .Fabrikation"' ist auch vollkommen zutreffend, denn der Erthrog, der vom. Baume gepflückt wird, ist noch lange kein Ethrog. der zur Zeremonie verwendet werden konnte. Es fehlt ihm das Ansehen, der .Hidur". Ter Ethrog am Bamne hat verschiedene kleine Fleckchen. Warzen, ist mit kleinen Blättchen behaftet u. s. w. Nachdem der Ethrog mit.. Wachs ordentlich geputzt wurde und die Schönheitsfehler verschwunden sind, wird er nach bestimmten Sorten in die ihm gebührende Reihe gelegt, um dann wohlverpackt in alle Richtungen der Welt verschickt zu werden. Die Abschlüsse auf die .rohe Waare" werden bereits im Frühjahre gemacht. Es sind noch kaum einige Blüthen auf den Bäumen sichtbar und mau fiehl schon die .Fabrikanten" mit den Arabern unterhandeln. Der Araber ist schlau, er geht nicht leicht auf den Handel ein, unterhandelt mit verschiedenen Konkurrenten zu gleicher Zeit, die Preise werden aus diese Weise in die Höhe getrieben, bis der rafsinirte Araber ohne jedes Risiko den größtmöglichen Gewinn eingeheimst hat. Die größeren Fabrikanten und Händler schließen nämlich die ganze noch ausständige sstchsung der Baume ab. Die Kellereien der .Jca" bilden, seit langer Zeit einen Streitpunkt unter den Kolonisten. Die .Jca^ weigerte sich, ihre Kellereien den Kolonisten auf eigene Gefahr zur Verfügung zu stellen. Nun soll sich, wiehier verlautet, die.Jca" entschlossen haben, den Kolonien von Rischon-Lezion. Rechoboth. Chederah. j Wadi-Chanin und Petach-Tikwah die fraglichen Kellerzu überlassen. Ben Abi. Jä* eötittSsS«. Verlag der ^smm * a. SSrciS 1 Mark. geb. ljo Mark. . V , f geo. 1.40 Mark. .....^-.2 Lr-j enthalt eine Lute von 1000 für Schriftsteller tzauotsachlich m Leutatöt kommende Zeitungen und Zeitschriften. zumgroßen Thnl mrt Stn^abe der Honorar» und Mitarbeitewe» dl^unr'rn. entern .Sla^roete“ ist angegeben an welche Redaktion-» Ltzvs^lLdkneQrten vonMonwcnpten zu senden sind, so z. A. 12U E kür Gcbitötr rc. Die kleine LuSaabe der -inen lchriklstellerischen Nebenverdienst sucht, reichlich bezahlt machen. OCca» Leümann In — CSP&ificii de» vET?ae£it\ SLotLratze » SSabOr und C-rtfoa SloQ. Dict&’fcSfli HofbuSdrurkerei »ctten^esells'Lafr ka Mako».