Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1904)
- Date
- 1904-10-13
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Noth wenigstens zum Theile gelindert werde. Und nian kann nicht leugnen, die Huden thun ihr Möglichstes! So meldet „Kiew Slowo", daß bei der letzten Sitzung des Kiewer jüdischen Spitals folgende neuere Spenden angemeldet wurden: Die Bruder Lazar und Löb Brodsky spendeten 21,000 Rubel, Frau Lisa Brodsky 25,000 Rubel zur Errichtung einer Abthciluüo für epidemiscke Krankheiten; die Erben des verewigten Salomon Frankel 40,000 Rubel zur Gründung einer Sal. Frankelstiftung mit 12 Betten fiir Nervenkranke. Außerdem verpflichteten sich die Erben, jährlich 1000 Rubel zur Erhaltung dieser Abtheilung beizusteuern, wahrend ein Bruder des Verstorbenen, Doktor M. Frankel, sich verpflichtet, dieser Abtheilung als Arzt gratis vorzultehen. Herr M. B. Halperin spendete 50,000 Rubel zur Gründung einer Heilanstalt für jüdische Lungenleidende, verbunden mit einer Massenbeilanstalt, und verpflichte^ sich, zur Erhaltung dieser Anstalten jährlich 1000 Rubel beizntragen. Petersburg. (Auswanderung.) Aus allen Orten des jüdischen Ansiedelungsrayons wird eine starke Zunahme der Auswanderung gemeldet. Ter Krieg, nebst der ihn begleitenden Hondelskriüs, sowie die drohende Hunzersnoth in Südrußland, reichen nicht aus. um die gewaltige Massenemigration, wie sie seit “ber furchtbaren, infolge der zahlreichen Judenkrawallen im Jahre 1881 entstandenen Panik, in Rußland nicht mehr oorgekommen ist, zu erklären. Nebst den Judenkrawallen in Kischinew und Homel kommt zur Erklärung der diesjährigen hohen Auswanderungsziffer noch ein neuer politischer Moment hinzu: Die russischen Juden.sind nämlich des langen Wartens auf die endliche Aufhebung der Maigesetze müde geworden und, in ihrer auf den Zaren Nikolaus gesetzten und Jahre hindurch hartnäckig festgehaltcnen Hoffnungen enttäuscht. kehren sie dem undankbaren „Vaterlande" für immer den Rücken. Welchen Umfang die Emigration im Jahre 1904 angenommen haben muß, beweist die Thatsache. daß allwöchentlich 3—400 Juden allein über Libau Rußland verlassen. Anfang August'wanderten über diesen Hafen sogar 900 Personen aus. Sehr groß ist die Auswanderung aus Homel, das in den letzten vier Monaten von 1000 Juden verlassen wurde. Nach Homel kommt das übrige Gouvernement Mohilew, wo zahlreiche Städtchen völlig verödet sind. Das Petersburger Eentral-Komitee der J.--C.-A. tragt der Thatsache auch bereits insofern Rechnung, als es be- ' schlossen hat, Material zur Herausgabe eines statisti- * scheu Werkes über die jüdische Emigration zu sammeln. Die Errichtung, des so dringend gebotmen Äuswan- 'derungsbureaus scheint die J.-C.-A. andern jüdischen Institutionen überlassen zu wollen, die damit demnächst in die große Öffentlichkeit treten werden. Petersburg. (Auswanderung voN'Ju-- 1>e n.) Dem „Pridnjeprowski Wjestnik" wird aus Mohilew gemeldet, daß die jüdische Auswanderung aus dieser Provinz einen immer größeren Umfang annimmt. Die Auswanderer sind meistens junge Leute beiderlei Geschlechts, denen es an jeglichen Existenz- Mitteln fehlt. Einige Dörfer sind bereits vollständig verödet. In der Stadt Mohilew selbst gibt es weder Fabriken noch industrielle Betriebe irgend welcher Art. und die ganze Stadt besteht aus jüdischen Laden', die fast gar keine Einnahme mehr zu verzeichnen haben. — Nach einem Telegramm des „Daily Chronicle" aus Newyork scheinen viele dieser Juden den Weg dorthin zu finden. Aber auch andere Russen benutzen die billige Gelegenheit, nach Amerika zu kommen. So hatte die „Westernland", die die ersten 30 Schillingpassagiere Lberb'rachte, viele Russen an Bord, die sich dem Kriegsdienst entzogen. Petersburg. Die Tragweite des neuen russischen Gesetzes über den Aufenthaltsort der Juden in Rußland läßt sich noch nicht ermessen, weil eine genauere Angabe der Bezeichnung „höhere Bildung" fehlt. Wenn darunter nur die Universitätsbildung zu verstehen ist. so ist das in den neuen Bestimmungen enthaltene Zugeständniß ein sehr geringes, denn solche Personen konnten auch bisher schon überall im Reiche wohnen. Bedeutet „höhere Bildung" aber die Absolvirung eines Gymnasiums, so werden auch dann nur verhältnißmäßig wenige Juden von den neuen Vorrechten Nutzen ziehen, denn die Zahl der in die Gymnasien aufzunehmenden Juden ist sehr beschränkt. Im Uebrigen sollen auch in Zukunft „Juden mit höherer Bildung" innerhalb der Ansässigkeitszone nur das Recht erhalten, außerhalb der Städte und Flecken Immobilien zu „miethen", Eigenthumsrechte dürfen sie auch jetzt nicht erwerben. Wenn der Begriff „höhere Bildung" nicht zu hoch gefaßt ist, würde die Bestimmung, daß Juden mit höherer Bildung überall Handel und Gewerbe treiben dürfen, eine weitergehende Bedeutung haben, denn sie .würden dann mit den „Kommerzienräthen" und „Manufakturräthen" beinahe gleichgestellt werden. Die erwähnten Titel durften jetzt mehr als je gesucht sein, zumal auch den Frauen und Kindern der Inhaber solcher Titel besondere Rechte eingeräumt werden. Welche Bedeutung aber auch den einzelnen Bestimmungen des neuen Gesetzes beizumessen i ist., so laßt dasselbe doch auf eine mildere Politik gegen- - über den Juden, als sie bisher geübt worden ist, - schließen. Das ist vernünftig, denn eine Lösung der ' sogenannten russischen Judenfrage ist nur in der Richtung auf eine völlige Gleichstellung der Juden mit; den übrigen Theilen der Bevölkerung zu erzielend D a l L st t n a. j Jerusalem. Die Lage im heiligen Lande war im! abgelaufenen Wirtschaftsjahre im allgemeinen schlecht. Und besonders für die Juben. Mangel an Arbeit,