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Der Israelit · 1904-10-13 · Heft 81 (13.10.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 81 (13.10.1904)
Date
1904-10-13
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1704 Am Schluffe des Schuljahres traten 17 Schüler aus. Diese fanden sämmtlich in Schullehrerseminarien Aufnahme und zwar traten sieben in die isr. Lehrerbildungsanstalt zu Würzburg, zwei — nach von höchster Stelle gnädigst gewährter Dispensation von einer Aufnahmsprüfung — in das Kgl. Schullehrerseminar daselbst, 4 wendeten sich nach Cassel, I nach Cöln und 1 nach Hannover. Die "Anstalt zählte zu Beginn des Schuljahres 33 Schüler. Die Mehrzahl unserer Schüler sind auf die Wohlthätigkeit edler Mitmenschen angewiesen, da sich erfahrungsgemäß fast nur die Söhne ganz armer Familien dem Lehrerberufe zuwenden. Unsere Schule verdiente deshalb auch wohl den Namen Armenschule. Sic könnte füglich auch mit Recht Waisenschule bezeichnet werden, da sie stets von einigen Waisenknaben besucht ist. Deshalb ist es freudig zu begrüßen, daß unsere Schüler fortgesetzt in hochherziger Weise unterstützt werden. So wurde unsere Schule von höchster Stelle, dem Kgl. Staatsministerium des Innern für Kirchen- und Schulangelegenheiten, durch hohe Kgl. Regierung eine staatliche Unterstützung von 230 Mark für die würdigsten und dürftigsten in - Bayern beheimatheten Präparandenschüler gnädigst überwiesen. Dieselben sind an sieben Schüler vertheilt worden. Die entsprechende Mittheilung fand im Beisein sämmtlicher Zöglinge statt. Denselben wurde hierbei ans Herz gelegt, solch' hoher Gnade stets eingedenk zu bleiben und ihrer sich immer würdiger zu zeigen, ihrem Danke aber dereinst dadurch Ausdruck zu geben, daß sie sich allezeit als treue Unterthanen und wackere Staatsbürger erweisen und mit inniger Liebe und unverbrüchlicher Treue unserem erhabenen hohen Herrscherhause und dem theuren bayerischen Vaterlande zugethan sind. Von Ihrer Hochwohlgeboren Frau Baronin Edmond v. Rothschild. Paris, erhielt die Vorstandfchaft die hochherzige Gabe von 600 Mark mit der Bestimmung. daß davon die. eine Hälfte der Anstaltskasse überwiesen, die andere aber für Unterstützungen an arme Schüler vertheilt werden soll. Von wohlthätigen, edlen Glaubensgenossen in Würzburg und Frankfurt a. M. werden unsere armen Schüler durch monatliche Geldzuwendungen thatkräftig unterstützt. Auch von der verehrlichen «Administration der Israel. Kultusgemeinde Nürnberg" erhielt ein Schüler, von der „Hertz Markus und Helene Oppenheimer'schen Stiftung zu Frankfurt a. M." erhielten, drei Waisenknaben gütige Subventionen. Seitens des verehrlichen Kuratoriums wurde die Summe von 3000 Mark für Unterstützungen an arme Schüler in den Jahresetat eingestellt. All' diesen hochherzigen Spendern und verehrlichen Korporationen sei hierdurch der herzinnigste Dank ausgesprochen. Die Einnahmen betrugen 33.927,78 Mark, die Ausgaben 30.992.83 Mark. Der Vermögensausweis weist die Summe von 203.383,94 Mark auf. Ungar«. Budapest. (Die Bevölkerungs-Stat i st i k von D u d a p e st.) Die vom hiesigen Statistischen Amte veröffentlichten Daten über die Povulaiionsbewegung der Hauptstadt Ungarns im Jahre 1903 enthalten recht interessante Details betreffend die Juden. Zunächst konstatirt die Statistik eine allgemeine Abnahme der natürlichen Vermehrung, d. h. der Geburten. Die verhältnißmäßig wenigsten Geburten haben die Juden aufzuweisen, dafür aber, stehen sie in Bezug auf uneheliche Kinder am günstigsten, indem sie hierin von jeder Konfession um das Dreifache über troffen werden. Rumänien. Bukarest. In der Begründung eines Urtheils in einem großen Prozeß hat der Kassationshof, das höchste Gericht in Rumänien, eine Entscheidung ausgesprochen, die für die Stellung der Juden dieses Landes von, weitragender Bedeutung ist. Es wird darin ausgeführt, daß die in Rumänien lebenden Juden, soweit sie nicht Unterthanen eines anderen Staates sind, mit Ausnahme der politischen dieselben Rechte genießen sollen wie alle anderen im Lande geborenen Bürger. Da nach bisherigem Brauch alle die Juden angehenden Fälle nach dem Fremdengesetz behandelt, die Juden damit also offiziell für Fremde oder Ausländer erklärt worden sind, so wird damit die allgemeine Stellung und die Lage der rumänischen Juden eine ganz andere werden. Wenn man diese neue Entscheidung mit zwei anderen desselben Gerichtshofs zusammenfaßt, daß nämlich die bor der Naturalisirung ihrer Eltern in Rumänien geborenen jüdischen Kinder als rumänische Bürger zu gelt»n haben, und daß es' gegen das Gesetz verstoße, jüdische Einwohner als solche aus dem Lande zu treiben, so möchte man wohl der Hoffnung Raum geben, daß endlich bessere Zeiten für die Juden in. Rumänien kommen werden, wenn diese Hoffnung nicht gar zu oft schon getrogen hatte. Rußland. Petersburg. (Jüdische Wohlthatigkeit in Rußland.) Das große Elend, welches jetzt in Rußland im Allgemeinen und unter den Juden herrscht, stellt au die wohlhabenderen Juden jetzt besonders große Aufforderungen. Sie haben nicht nur für Kriegszweck, für's «Rothe Kreuz" etc. enorme Summen zu spenden, sie müssen auch die jüdische» An. stalten, die heute fast ausschließlich auf ihre Gaben angewiesen sind, kräftiger denn je unterstützen, damit die

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