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Der Israelit · 1904-10-13 · Heft 81 (13.10.1904) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 81 (13.10.1904)
Date
1904-10-13
Page
– (sequence 17)
Language
German
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45. Jahrgang. weite Beilage zu 81 des,5Zsraelit.^ ZettuugSnachrrqte» und Eorresporrderrzen. Deutschland. Col», 10. Olt. (JudischeTurnvereine.) Im Jüdischen Turnverein in Cöln sprach dieser Tage der Redakteur der Jüdischen Turnzeitung, Dr. M. Z i r i e r, über die Existenzberechtigung der jüdischen Turnvereine. Zum eisernen Bestand der Jildenfrage gehöre die minderwerthige körperliche Beschaffenheit der Juden, die statistisch festgestellt sei, und in der oft- und westeuropäischen Judenheit machten sich Anzeichen einer körperlichen Degeneration bemerkbar. Heirathen und Geburten seien bei den Juden erheblich geringer als bei den Nichtjuden. Neurasthenie und Zuckerkrankheit seien * spezifisch jüdische Krankheiten, Taube und Blinde fänden sich bei den Juden häufiger als bet den Nichtjuden, ihre Körpergröße sei auffallend niedrig. Brustumfang und Muskulatur seien schwach. Tie Kulturaufgaben der Juden deckten sich nicht mit denen der deutschen Turnerschaft, deren Basis ein alldeutsches, völkisches Gepräge trag', und in deren Vereinen sich mitunter antisemitische Strömungen geltend machten. Jüdische Turnvereine, die auch Nichtjuden aufnähmen, könnten nicht gedeihen. Dagegen könne sich ein national-jüdischer Turnverein auf seine Mitglieder verlassen. Der Redner gab mm eine Entwicklungsgeschichte der national - jüdischen Turnvereine, deren es jetzt 30 gäbe — davon 12 in Deutschland.— mit 2500 Mitgliedern. Der stärkste Verein sei der Berliner mit 700 Mitgliedern. Als Hauptzweck der jüdischen Turnvereine bezeichnete Dr. Zirker den, der osteuropäischen Judenheit aufzuhelfen. In der Diskussion ergriff zuerst Herr Sim. Bendir das Wort. Da er langjähriges Mitglied eines der deutschen Turnerschaft treu anhängenden Vereins sei. würde die Versammlung von vornherein nicht erwarten, daß er mit Dr. Zirker die gleiche Ueberzeugung von der Nothwendigkeit spezifisch jüdischer Turnvereine habe. Er sei Jude und habe stets seine Zugehörigkeit zur Judenschast betont. Er könne versichern, daß er während seiner zwanzigjährigen Mitgliedschaft noch niemals Gelegenheit gehabt habe, sich in einem Kölner Turnverein gegen konfessionelle Gehässigkeiten zu wehren. Stets - begegne man ihm mit der Achtung, die jedem anständigen Turner gebühre, und ein Beweis, wie man die Mitarbeit jüdischer Turner anerkenne, sei wohl der, daß in deu 70er Jabren-uber zehn Jahre ein Jude Erster Vorsitzender seines Vereins gewesen und nur durch seinen Fortzug aus Köln dieses Amt habe niederlegen muffen; das bewiesen auch sein (des Redners) Amt als Zweiter Vorsitzender eines Turnvereins, sodann die Ehrenposten, die verschiedene jüdische Mitturner in Cöln in den Turnvereinen bekleiden. Bei solchen Thatsachen berühre es ihn wenig sympathich, daß Dr. Zirker von Antisemitismus und der „völkischen" Grundlage der deutschen Turnerschaft rede. Die Existenznothwendigkeit der jüdischen Turnvereine beginne. sobald die Juden in den Turnvereinen in eine Lage hineingedrängt würden, die sie veranlasse, sich zusammenzuschließen und sich ihrer Haut zu wehren, oder wenn man sich in der deutschen Turnerschaft angehörigen Turnvereinen den jüdischen Mitturnern gegenüber rnit Absonderungsbestrebungen trage. Derartige Bestrebungen lägen aber in den Vereinen nicht vor; kein Fall könne genannt werden, also falle der Grund zur Absonderung der jüdischen Turnvereine fort und dadurch auch die Existenznothwendigkeit. Es müsse naturgemäß jedem freien Manne unbenommen bleiben, sich mit Freunden zu umgeben, die ihm genehm seien, aber er vermöge gerade in den Absonderungsbestrebungen der Juden ein Heil, eine Ausgleichung der im allgemeinen bestehenden konfessionellen Gegensätze nicht zu erblicken. Durch die Gründung eines jüdischen Turnvereins hätten sich die Glaubensgenossen in eine Sonderstellung hineingebracht. obgleich die Juden sich bisher vorwiegend stets dagegen gewehrt hätten, als eine besondere Klasse von Menschen bezeichnet zu. werden. Herr K o h n bestritt ebenfalls energisch die Ansicht, als ob in der deutschen Turnerschaft Antisemitismus herrsche. Man könne doch nicht von hohen Kulturaufgaben reden, wenn man selbst die Unkultur besitze, sich zu separiren. Der Vorsitzende erwiderte, der Antisemitismus bestehe in der deutschen Turnerschaft unbewußt. Die Bemerkungdes Vorsitzenden, daß sich der Mannesmuth und die Selbstachtung des jüdischen Turners am besten in einem jüdischen Turnverein unter Glaubensgenossen bilden und festigen könne, hielt Herr B e n d i x entgegen, daß der Mannesmuth sich am besten befestigen und bethaiigen könne im freien Austausch der Meinungen innerhalb des Kreises von Genossen, die eventuell auch nicht seiner Konfession angehören. Im Uebrigen habe die deutsche Turnerschaft wohl bewiesen, daß sie. erzieherisch und kräftigend auf das jüdische Volk einwirken könne, und wenn es den jüdischen Genossen nicht gelange. sich bei dieser Erziehung zu kräftigen und den Mannesmuth zu finden, so dürfte es den. jüdischen Turnvereinen wohl auch nicht gelingen, solche Mitglieder zu selbstbewußten Leuten heranzubilden, j Höchberg. Dem Jahresbericht der LazaruS! Ottensofer-Stiftung fiir die Israelit. Praparanden-! schule (Talmud Thora) Höchberg (Bayern) für 1908,! bezw. 1903/04 entnehmen wir:

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