Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 81 (13.10.1904)
- Date
- 1904-10-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1692 spräche auf die furchtbare Nothlage in Rußland und das Kriegsunglück hingewiesen und hinzngefügt: „Andere mögen diesen unsäglichen Jammer durch politische und ökonomische Gründe erklären; ich sage euch, er ist eine Strafe von Gott für das unschuldige Blut eurer jüdischen Mitbürger, das ihr im vorigen Jahre vergossen!" Rußland. Wysthten. In der Synagoge dahier wurde am 23. September ein Dankgottesdienst für den Deutschen Kaiser abgehalten, der bekanntlich am 23. September 1901 bei dem großen Brande daselbst die erste Hilfe von 10,000 Mark für die abgebrannten Juden persönlich über brachte. Der alte Rabbiner Niederland- Wystyten hielt eine von Worten des Dankes durchdrungene Ansprache für die hochherzige Thal des Kaisers, die in den Annalen Wystytens zum ewigen Angedenken eingeschrieben ist. Der aus Gebet, Rede und Psalmen-Gesängen bestehenden Feier wohnte auch der Woyd von Wnstyten bei. Herr Photograph Elias Jaswoin-Kibarty hat den Akt in einem wohlgelungenen Bilde festaehalten. das er unserem Kaiser nach Rammten übersandt hat, und mit dem wir unsere Leser in einer der nächsten Nummern erfreuen werden. England. London. (Protest gegen die Hetzpriester.) Der hier domizilierende Protestanten- Vund tJmpk'.ial Protestant Föderation) hat dem Sratthalter von Irland, dem Premierminister, dem Minister des Innern und dem Hauptsekretär für Irland folgende Zuschrift übermittelt: „Der Vorstand des Imperial Protestanten-Bundes. der 54 Protestantenvereine Englands und der Kolonien vertritt, hat in seiner letzten Sitzung die skandalöse Behandlung besprochen, die vor kurzem die Juden in Limerick zu erdulden hatten. Es ist einstimmig beschlossen worden, daß ich an Eure Lordschaft schreiben und ihr die beifolgenden Zeitungsberichte mit der Bitte übermitteln sollte, ihnen die sorgfältigste Beachtung zu schenken. Der Vorstand gibt seiner einhelligen Meinung Ausdruck. daß das Benehmen gewisser Priester der römischen Kirche,' die ihre Gemeinden zum Boykott und zu thätlichem Angriff gegen die Juden aufhetzen, ein Skandal ist. der in diesem freien christlichen Land nicht geduldet werden dürfte. Der Vorstand spricht deßbalb die Hoffnung aus. die königliche Regierung werde Schritte zur Verhinderung einer etwaigen Wiederholung solcher Vorfälle thun und werde eine Untersuchung veranstalten zur' Feststellung aller Personen, die moralisch und gesetzlich für die Schäden verantwortlich zu machen sind, die den Juden in Limerick kürzlich zugefügt worden sind. Ich habe die Ehre u. s. w. James W. Walsch. Sekretär." ftfettillet**. sine vereitelte Nochzeit. von N. ZBa-uev. i2i Beim Mahle saß Josef zwischen seinen Eltern, während der Rabbi dem Helden des Tages gegenüber seinen Platz hatte. Strahlend ruhte sein mildes Auge auf dem Schüler, während dieser ganz in die Unterhaltung mit Vgter und Mutter vertieft, war. „Nun erzähle auch mir." fragte Josef seinen Vater, „wie Ihr Euch gerettet habt und wie Du das geworden. was Du heute mit Gottes Hilfe bist? Wer hätte Dich auch unter dem fremden Namen wiedererkannt?" „Der Name ist so fremd nicht," erwiderte der Vater. „Tobia ist einer von den Namen, die Mosche führte, ist also dasselbe, was Mosche bedeutet, und daß Fried Schalem und Schalem Fried ist, liegt doch auf der Hand." „Besonders wenn man es so erklärt bekommt." entgegnete der Sohn. „Bis jetzt hatte ich es nicht gefunden. Aber wie ging es Euch denn nach Euerer Flucht?" „Gott hat das Thun unserer Hände gesegnet," sprach der Vater. „Es begleitete uns der Segen gar vieler braven, wackeren Menschen. Wie oft und wie heiß habe ich mich, besonders in den besseren Tagen, nach ihnen gesehnt, aber ich durfte ja nicht zurückkehren, ich durfte nicht einmal ein Lebenszeichen von mir geben. Ich wußte, daß der Graf in seinem Unmuth über die gelungene Flucht zu jedem Gewaltakt fähig war." „Von uns hat es Zeit, später zu reden," warf die Mutter ein. „Du mußt uns erzählen, wie Du katholisch wurdest, wie Du als Katholik gelebt hast, wie Du wieder Jude und ein so großer Talmid Chochim geworden bist." Endlich fanden alle drei es nicht für schicklich, daß sich ihre Unterhaltung nur auf sich beschränkten, und die große Zahl der zu ihrer Ehre anwesenden Gäfte unbeachtet ließen. Sie mischten sich daher in die Gesellschaft und trugen durch ihr Glück zur fteudigen Stimmung der Gäste bei. Das frühere Brautpaar ging nun als Geschwisterpaar Arm in Arm von Gast zu Gast und dankten jedem für seine Theilnahme an ihrer Freude. Gar schöne Worte der Thora wurden gei sprachen und was man noch, nie erlebt hatte, Rabbi! Sisi, der gesetzte, ernste Greis, erhob sich, um eine; humoristische Ansprache zu halten. Er begann mit - einer sinnigen Erklärung aus dem Wochenabschnitt und! verflocht dann einen Rechtsstreit hinein, den er mit j Rabbi Tobia Fried habe, er fordere ihn hiermit öffent- | lich zum Din Thora.