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Der Israelit · 1904-10-13 · Heft 81 (13.10.1904) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 81 (13.10.1904)
Date
1904-10-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Memel, 9. Oft. Heule Nachmittag hat Herr Rabbiner Dr. £manucl Carlebachdie hiesige Stadt verlassen, um sein neues Amt als Seminardirektor und Rabbiner in Köln a. Nh. zu übernehmen. Am Bahnhofe hatte sich eine große Zahl von Gemeindemitgliedern eingefunden, darunter sämmtliche Vorsteher und Vertreter der diesigen Gemeinde und Vereine, um ihrem geistlichen Führer die besten Wünsche mit auf den Weg zu geben. Noch in letzter Zeit hatte man gehofft, Herr Dr. Carlebach werde hier weiter verbleiben, da der Vorstand des „Beth Hamidrasch" ein diesbezügliches Gesuch eingereicht hatte, aber leider vergebens, da Herr Dr. Carlebach seinen Entschluß nicht andern zu können glaubte. Schon der erste Vortragsabend in diesem Semester im hiesigen Littertur-Verein. am vergangenen Mittwoch, gestaltete sich zu einer ergreifenden Abschiedsfeier für .Herrn Dr. Carlebach. als Vorsitzenden des Vereins. Herr Rechtsanwalt Jakobsohn betonte. daß es ihm gemäß dem Spruch eines talmudischen Weisen nicht möglich sei. die Verdienste des Scheidenden vollständig aufzuzählen, hervorheben müsse er aber, daß der Verein durch das reiche Wissen des Herrn Dr. Carlebach, sowie durch dessen umsichtige Leitung zur kräftigen Blüthc gelangt sei. Ebenso rühmte er die Mildthätigleit,des Scheidenden, der in kurzem, die Leitung eines Instituts übernehmen werde, das bestimmt sei, diejenigen Männer auszubilden, die das Judenthum als seine vorzüglichsten Stützen betünchte . v, Die eigentliche Abschiedsfeier aber kam in der Abschiedspredigt zum Ausdruck, welche der Herr Rabbiner am letzten Sabbat in der Synagoge ^»lt. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz dichtgedrängt von Zuhörern voll, die allesammt gekommen waren, das Wort der Weisheit und der Lehre aus dem Munde des Herrn Rabbiners zum letzten Male zu vernehmen. Andächtig und tiefgerührt lauschte die Versammlung den tiefempfundenen Abschiedsworten und ernstlichen Ermahnungen des Scheidenden und' gar manches Auge füllte sich mit Thronen. Die Rede selbst war ein Meisterwerk der Rhetorik. Nach Schluß des Gottesdienstes nahm der Herr Rabbiner die allseitigen Glückwünsche der Erschienenen freundlichst entgegen und dankte jedem Einzelnen tiefgerührt für die ihm bewiesene Aufmerksamkeit und Wohlwollenheit. Diese Abschiedsseier wird sicherlich Herrn Dr. Carlebach sowohl. wie jedem einzelnen Teilnehmer. unvergeßlich bleiben. Emil Benjamin. Friedrichstabt, 10. Okt. (Israelitische Schule.) Kreis-Vauinspektor Peters und R^gierungsasseffor Fischer aus Schleswig werden hier in den nächsten Tagen eintreffen. um mit den Schulkollegien der lutberischen und der israelitischen Gemeinde über den Verbleib der israelitischen Schulkinder zu verhandeln. Die lutherische Gemeinde hat diesen Kindern zu Ostern n. I. gekündigt, da ihr die Anstellung einer siebenten Lehrkraft wegen lleberfüllung auferlegt. wurde. Die Israeliten werden unier diesen Umständen eine einklassige Schule einrichten. Alzey, 10. Okt. Die hiesige israelitische Gemeinde beging am 3. d. Mts. das 50-jichrige Jubelfest ihres Synagogenbaues unter sehr starker Betheiligung. Am Vormittag fand in der schön renovirten Synagoge ein Festgottesdienst statt. Rabbiner Dr. Levy weihte hierauf nach einer sehr erbauenden und eindrucksvollen Ansprache das neu hergerichtete Gotteshaus wieder ein. Am Abend fand in dem festlich dekorirten Saalbau die iveltliche Feier, verbunden mit Abschiedsfest zu Ehren des von hier scheidenden Rabbiners Dr. Levy. statt. Rabbiner Dr. Levy hielt'die Festrede, in welcher er in meisterhafter Weise die jüdische Geschichte Alzeys beleuchtete. Hierauf richtete der weltliche Gemeindevorstand warme Abschiedsworte an den Scheidenden. Oesterreich. . Wien, 9. Okt. (Die Judenexzesse in Rußland.) Entgegen den von der „Russischen Tclegraphcnagentur" verbreiteten offiziösen Beschwichtigungsnachrichten kann aus Grund zuverlässiger, hier aus Südrußland eingelangter Meldungen nur bestätigt werden, daß die von den einberufenen Reservisten veranstalteten Unruhen an zahlreichen Orten einen ernsten ^bgraster hLtt^r. Die Polizei unterdrückte sie gar nicht ^Jn Jekaterinoslaw, einer bedeutenden Fabrik- und Handelsstadt, wurden im September in Folge der Unruhen 40 jüdische Familien an den Bettelstab gebracht und nur einer organisirten Selbstwehr der Juden, die sich mit Stöcken und Messern bewaffneten, gelang es den Exzessen ein Ende zu machen. Im Städtchen Alexandria wurden die Juden am Vcrsöhnungstag in der Synagoge überfallen; zwei jüdische Studenten sind in Folge der ihnen beigebrachten Wunden bald darauf gestorben. Es konnte dabei von irgendwelcher Erbitterung wegen erhöhter Lebensmittelpreise nicht die Rede sein. Die Zcntralregierung in St. Petersburg sollte mit dem unter Plehwe üblich gewesenen System brechen. - auf Grund der Darstellungen der Gouverneure oder der Polizeiorgane den Opfern nachträglich auch noch in offiziösen Communiqu^s die Schuld für ihr Unglück aufzuladen. In Kischittew hat dieser Tage der Freispruch Kawerin's und der andern stadtbekannten Todtschläger die lebhafte Besorgniß wach gerufen, daß es zu neuen Heber fällen kommen werde, da bei dem sonderbaren Justizverfabien die Straflosigkeit für Manderungen und sogar Todtschlag der Juden nahezu sicher erscheint. Der neue griechisch-orthodoxe Archirrej in Kischinew. ein human gesinnter Priester, hat kürzlich m einer An-

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