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Der Israelit · 1904-10-10 · Heft 80 (10.10.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 80 (10.10.1904)
Date
1904-10-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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würdig. Und die Hai er m reichem Matze DeLWet. «Nd als Mitglied der Zaukommiffi« an der Machen SKmeinde. als Inspektor der Gesellschaft zur Förderung der Handwerke und des Ackerbaues unter de» Juden im preußischen Staate, als Mitglied des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, als Mitglied von dessen Fürsorge-Erziehungsluratönum und Vorsteher von dessen Abtbeilung für Handwerk und Technik. Aber sein größtes und unvergänglichstes. Verdienst ist die von ihm unternommene und mit ebenso bewundernswerthem Eifer wie größter Praktischer Geschicklichkeit durchgesührte Organisation der jüdischen Arbeiterkolonie des Gemeindebundes in Weißens« bei Berlin. Wir müssen es sagen, die beispiellos schnelle Entwickelung und segensreiche Thatigkeit dieses Instituts sind vor allem das Werk Marcus Adlers — so geht seine Wirksamkeit weit über die Grenzen der Gemeinde Berlin hinaus. Auch in den allgemein öffentlichen Verhältnissen wirkte er als Mitglied der staatlichen Grundsteuer- Veranlagungskommission, als Servisverordneter, als Bezirksvorsteher. Sein biederes und offenes Wesen, seine Begeisterungsfähigkeit, die sich sofort in Thaten umsetzt, feine Güte und Treue haben ihm allerorten Freunde erworben. Die Lücke, die er gelassen, wird lange schmerzlich empfunden werden. Frankfurt a- M. (Die K l e r i k a l i s i r u n g der Medizin.) Der konfessionelle Fanatismus, so lesen wir in der „Berliner Volkszeitung", treibt immer wunderbarere Blllthen. Jetzt fangen bereits die — Aerzte an, sich konfessionell zu organisiren! Im'April d. I. versammelten sich die katholischen Aerzie aus verschiedenen europäischen Ländern in Nom, um das 50jährige Jubiläum der Verkündigung des Dogmas von der „unbefleckten Empfängniß Mariä" zu feiern. Bei dieser Gelegenheit haben sie die Gründung einer großen internationalen Vereinigung aller Mediziner, Chirurgen, Apotheker und verwandter Fachgenoffen beschlossen. die „sich zur katholischen Religion bekennen." Das Rundschreiben, in dem sich dir „Förderation" unter dem Präsidium eines Herrn in Rom. der auf den cchtkatholischen Namen Dr. L. Taussig hört, an sämmtliche Bischöfe, und Erzbischöfe der Welt gewendet hat, um das Interesse dieser vielvermögenden Herren kür die ärztliche Gesellschaft zu gewinnen, ist im „Osservatore Romano" in Nummer 201 veröffentlicht worden. Die Satzungen der Förderation vom 8.. April 1904 sind beigefügt; sie haben ein so eigentümliches Gepräge, daß sie zu Nutz und Frommen aller Beflissenen der Medizin und verwandter Wissenschaften hiermit wiedergegeben seien. Sie lauten: 1. Die katholischen Aerzte, in der Absicht, die brüderliche Eintracht untereinander wiederherzustellen und die alten christlichen Ueberlieferungen zu erneuern, beschließen, in jedem Lande Vereine zu gründen unter tem Schatze der ärztlichem Heiligen Lukas. Kosmas «nd DarnnmoH». «-() in der Ausübung der ärztlichen Kunst" die" christlichen Tugenden zu entfalten und die berufsmäßige Liebe zu entwickeln (Io svillnppo della cariti professionale), l») alle medizinischen Fragen zustudiren, vor allem diejenigen, welche den. Glauben, die Moral und die göttlichen Dinge betreffen, alles unter vollkommener Unterwerfung unter die kirchliche Autorität. »-) alles zu befördern, was zur Belehrung in geistlichem und christlichem Sinne dienen kann.. . J 3. Die Vereine enthalten sich durchweg der Erörterung politischer Fragen. . „ v 4. Die Vereine erkennen als ihr Patronatsfest das des heiligen Lukas an. ' , . , . " /::V ' 5. Die in ven einzelnen Landern gegrüntreken Vereinigungen sind unabhängig und verwalten sich selbst: um die wissenschaftlichen und kollegialischen Beziehungen zu pflegen, können sie untereinander durch Vermittelung der einzelnen Präsidenten korrespondiren. 6. Sie beabsichtigen ' internationale Generalvetsommlungen, in denen abwechselnd die erschienenen Präsidenten nach bestimmter Reihenfolge den Vorsitz führen. 7. Die Generalversammlungen werden nach Möglichkeit in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, zusammentreten. . 8. Die Kollegin in Rom werden beauftragt, sich mit den verschiedenen Vereinen in Korrespondenz zu erhalten und ihnen alle Informationen und Erklärungen zu geben, welche Interesse für sie haben können. — --r- Bisher, so fährt die „Berliner Volkszeitung" fort, galt die Medizin immer als etwas, was mit der Konfession nicht das Geringste zu thun habe. Es gibt keinen katholischen Beinbruch, keinen katholischen Magenkrebs, keine katholische Cholera, sowenig es eine katholische Mathematik, Chemie Physik oder Physiologie u. s. w. gibt. Was soll unter solchen Umständen die Klcrikalistrung der Medizin? Was hat das Studium, was hat die Ausübung der Heilkunde mit der „vollkommenen Unterwerfung unter die kirchliche. Autorität" zu thun? Die Medizin ist das, was sie geworden ist, gegen die Kirche gworden. Im Mittelalter galt es vielfach als Sünde, durch medizinische Hcilungsversuche dem Willen Gottes vorzugreifen. Und noch im )7. Jahrhundert galt seitens der Kirche ein Verbot der Sezirunz von menschlichen Leichen, ohne die die medizinische Wissenschaft ihre entscheidendsten Fortschritte niemals hätte machenkönnen. In Angelegenheiten der Behandlung mancher Krank--, heilen, zum Beispiel der Geisteskrankheiten, haben heute die Aerzie noch vielfach gegen die klerikale Methode anzulämpfen. Die Medianer suchen die Geisteskranken nnt den Mitteln der modernen Wissenschaft zu heilen;

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