Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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das (|( ITTTE 4. Lei. 1904.] ' [91«. 24 . m8isHe ZTevgrllung. Line Skizze ans dem teben von 8. Nküiberg. i-j:.i*h.u.i oiMnti t Wenn Flur und Hain. Feld und Wiesen im sommerlichen Schmucke prangen, ziehts niich hinaus nach dem weltvergessenen kleinen Dörfchen des Sollinger Waldes, dort, wo ich die glücklichen Jahre der Kindheit verlebte. Nicht die Sehnsucht nach der armseligen, nur vom Zauber der Jugend umwobencn Stätte, gebietet mir, das anspruchslose Fleckchen Erde aufzusuchen. Es ist jenes unbeschreibliche, mit jedem Jahre sich verstärkende Verlangen, das mich zur ewigen Ruhestätte der geliebten'Eltern führt. Hier am einsamen Hügel, der meinen braven Vater, meine seelengroße Mutter birgt, durchfluthet eine unsägliche Fülle von Gedanken und Empfindungen das Herz, alles Trübe und Kleinliche des nüchternen Lebens weicht zurück vor der einen beseeligendrn Gewißheit, welche die selbstgewählte Inschrift meiner unvergeßlichen Mutter' auf ihrem Gedenkstein verkündet: „Ich blicke auf Euch, meine Lieben, hernieder, wie ich es im Leben gethan." Diese hehre, herzerquickende Liebe belebt aufs Neue die Hoffnung und stärkt die erschlaffende Kraft. im Geiste der lieben Tobten zu streben, hingebungsvoll zu mühen und sorgen für alle Menschen, wie sie es gethan bis. zum letzten Athcmzuge. Wie könnten Worte die Seligkeit schildern, die in der Gewißheit thront: „Das war Deine Mutter/ Vergeblich bleibt das Bemühen, ihr hoheitsvolles Wesen in diesem engen Rahmen zu veranschaulichen und statt jeder der kindlichen Verehrung genügenden Versuche seien hier nur die Worte wiederholt, die der evangelische Pastor des Dorfes vor 50 Jahren in einem Bericht an den König, von dem Wirken der Entschlafenen niedcrschrieb: „ . . . Diese jüdische Frau ist dir edelste Wohlthäterin im Dorfe, die unermüdlichste Helferin in Roth und Armuth nnd wo die Theilnahme meiner eigenen Gemeindeangehorigcn versagt, tritt sie, selbst mit den täglichen Sorgen für ihre Familie kämpfend, opferfreudig, schützend und sorgend 'in/- Von der Statte des Todes führt mich der Weg ins nahe Dörfchen. Sein Aussehen hat sich nicht verändert. Die Zahl der kleinen Häuschen und Scheunen ist fast dieselbe.geblieben. Gleich rechts das Pfarrhaus, die Kirche mit ihrem schlanken Thurm an der Hauptstraße, gegenüber der Bauernhof, in dessen Garten die ersten Sommerbirnen reifen, rechts und links die kleinen, armseligen Häuschen der Tagelöhner bis zum Ausgang des Dchfes. wo das einzige freundliche Gebäude des einstigen „Amtsvoigts" den wenigen Passanten als „Gasthaus" dient. Einsam und verlassen erscheint das ganze Dörfchen. Rur ein paar alte, am Wege beschäftigten Bewohner, blicken theilnahmslos auf den Fremden, der sich in diese Einsamkeit verirrte. Kein fröhlicher Kinderruf unterbricht die Kirchhofsruhe. - Wie ganz anders, lebensfrischer, haftet das Bild aus der Jugendzeit in meiner Erinnerung; wie wenig ähnelt diese schwermiithige Gegenwart der sonnigen, freudersllllten Vergangenheit, da hier zehn,'zwölf