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Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 29)
Language
German
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1669 screm Werke und der Nolb der ärmsten unserer Brüder und Schwestern? Er öffne .Herz und Hand aller derer, die bemüht sind ihr Bestes zu geben um der Andern willen, wissend, dass irdisches Gut nur geliehene Gaben sind, die uns anvertrant wurden, um davon den rechten Gebrauch zu machen? Allen edlen Spendern sei hier im Namen unserer Pflegebefohlenen und in dem unsrigen der Dank abgestattet. Obwohl der Hilfsverein erst gegen Ende der Berichtszeit mit seiner eigentlichen Thätigkeit beginnen konnte, sind doch schon in dieser kurzen Zeit 6 Aufnahmen — 3 Männer und 3 Frauen — in die Anstalt zu Sayn vollzogen worden. Oesterreich. Wien. <B i s m a r ck über Heine.) Ein Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" hat in Norderney die Bekanntschaft des Dr. v. Rottenburg gemacht, der jetzt Kurator der Universität Bonn ist und einstmals Chef der Reichskanzlei unter dem Fürsten Bismarck war. Wir entnebmen den Mittheilung Dr. v. Rottenburgs einen Abschnitt, der jetzt, da man in Köln dem Dichter Hein? die Ehre weigert, eine Strasse nach ihm zu benennen, von aktuellem Reiz ist: „Die grosse Masse," äussertc sich Rottenburg. „h.it eine einseitige Vorstellung vom Fürsten Bismarck. S'e sehen in ihm nur den Mann von Eisen. Ebenso sehr war er aber auch ein Mann von feinster und universellster Bildung, wie ick sie niemals bei einem anderen Menschen angetroffen habe in gleich hohem Grade. Und wie vornrtheilslos konnte der Fürst sein! In der Zeit, als das Heine-Denkmal in Deutschland tobte, wendete sich die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich an den Fürsten Bismarck mit der Bitte, seinen Einfluss dahin geltend zu machen, dass das Denkmal in Heine's Vaterstadt Düsseldorf errichtet würde. D»e Majorität des Düsseldorfer Stadtrathes. ans klerikalen Zentrums- Icnten bestehend, hatte ihr Votum gegen das Denkmal abgegeben. Ein Mitglied dieser Mehrheit übersandte dem Fürsten Bismarck eine anonnm verfasste Denkschrift. in welcher der Protest gegen das Heine-Denkmal des langen und breiten motivirt war. Der Fürst bat Rottenburg, dies Memorandum durchzulesen, und dieser trug ihm dann die wesentlichsten Punkte desselben vor. Man klagte den Dichter an. dass er von Hohenzollerns Aar gesagt, .es möchten ihm die Nägel beschnitten werden, da er soviel zusammengerafft hätte. Da meinte Bismarck: ..Hat denn Heine so unrecht gehabt? Können wir leugnen, daß der Rechtstitel Friedrichs des Grossen auf Schlesien nicht einwandfrei war?- Man klagte Heine an. daß er Napoleon k. verherrlicht. »Ich kann es ihm nicht verargen/ meinte Fürst Bismarck. „Ich hätte, wäre ich an seiner Stelle gewesen, kaum anders gehandelt. Hatte es mir. wenn ich. wie Heine, als Jude geboren wäre, gefallen können, dass man um acht Ubr Abends die Thore der Judcnstadt absperrt, überhaupt die Juden unter die schwerflen Ausnahmegesetze gestellt hat? Ein Heine musste naturgemäß in dem Manne, der die französische Gesetzgebung in die Rheinlande brachte, die Ausnahmsgesetze insgesammt aushob. einen Erlöser von martervollem Drucke Preisen." Lemberg, 12. Sept. Der hiesige Advokat Dr. Tobias Aschkenaze wurde zur Teilnahmean dm demokratischen Komitee eingeladen, das unter dem Vorsitze des Bizestadtpräsidenten Ciuchcinskl für die LandtagSwahl in Lemberg die Kandidatur des Prof. Glombinski fördert. Aschkenaze refüsierte jedoch die Einladung mit folgender Begründung: Die Juden in Lemberg hätten nach Gerechtigkeit und Tradition das Recht, zu verlangen, dass von den sechs Lemberger Landtaasabgeordnetcn wenigstens einer ein Jude sein solle. Unter den 40,000 Juden Lembergs werde sich doch zum inindesten einer finden, der dieser Auszeichnung würdig sei. „Wenn wir auf Grund der Gleichberechtigung von den Juden Pflichterfüllung verlangen, so soll!»an nicht vergessen, dass diesen Pflichten auch Rechte entsprechen. Wir haben ein Recht, dies von jenen m verlangen, die sich Vertreter der demokratischen Idee nennen. Da jedoch in der Wahlaktion des Komitees die Inden fcfir ignorirt werden und über sie zur Tagesordnung übergegangen wird, als ob sie gar nicht existiren würden, was für mich als Jude demiithigend ist. kann ich mich an dieser Aktion natürlich nicht bethciligen." Lemberg. i e Nothlage der gakizischen Juden.) Der jüngst in Karlsbad zur Kur weilende Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg. Neichsrathsobgeordneter Dr. Byk, sendete dem Ministerpräsidenten nachfolgendes Schreiben: „Es sei mir gestattet, brieflich die Anfmcrt» samkeit Eurer Excellen; auf die erschreckende wirthschaftliche Nothlage der grossen Masse der so zahlreichen jüdischen Bevölkerung Galiziens zu lenken. Es ist nicht leicht, in einem kurzen Briefe die-mannigfachen und vielfach verästelten Ursachen dieses Niederganges z» scizziren, der seinen markanten Ausdruck in den rapid wachsenden Ziffern der jüdischen Emigranten findet. Doch sicher ist cs, dass eine der Hauptursachey in ' der wirthschaftlichen Rückständigkeit unseres Landes und im Mangel an Industrie liegt. Die moderne Zeitkrantheit des Antisemitismus, welche uns Juden im grössten Theile Europas das Dasein vergällt und vergiftet, wirkt allerdings auch mit. Der Nährboden dieser Krankheit ist manchen Orts mehr die Gesinnung der Bevölkerung als die Haltung der Regieruna, und ich muss es danlbar anerkennen, dass der gegenwärtig? Herr

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