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Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 28)
Language
German
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aller Einsichtigen, und wir hatten die Genugthuung. im Frühjahr 1903 klangvolle. gewichtige Namen im Gründungskomitee unseres Vereins zu verzeichnen. Die Zustimmung, die unseren Bestrebungen von sachverständiger Seite zu Theil wurde, und die zahlreichen Aufnahme-Gesuche von unbemittelten Kranken, die an uns aus allen Gauen Deutschlands herantraten, bewiesen uns, welchem thatsächlichen Nothstande in den Reil)en unserer Glaubensgenossen die neubegründete Organisation zu begegnen berufen sei. Mit neuem Muthe und erhöhten Hoffnungen gehen wir auf dem betretenen Wege weiter, da ein mächtiger Zeuge und Sachwalter unserer Bestrebungen uns erstanden ist. Wir haben eine Fürsprache gesunden, die alle Hindernisse und Bedenken hinwegraumen wird, die etwa noch hätten in's Feld geführt werden können gegen unsere Ideen und Ziele. Denn wie groß und bedeutsam das Werk ist, dessen wir uns zu Nutz und Frommen der armen jüdischen Nerven- und Geisteskranken und zum Wohle der Gesanimtheit des Judenthnms angenommen haben, dafür mag das sachliche, maßgebende Urtheil des berühmten holländischen Psychiaters Dr. van Deventer. Direktor der großen Staats-Irrenanstalt in Meerenberg. in dem Bericht über seine Anstalt für das Jahr 1901. hier wörtlich angeführt sein: „Bis Mai war Herr I. Stiebe, israelitischer Reliaionslehrer in Haarlem, zeitweilig mit der Leitung des israelitischen Gottesdienstes betraut, bis zu welchem Zeitpunkt dem Herrn de'Bries aus Gesundheitsrücksichten Urlaub bewilligt war. In Verbindung mit dem Voraufgeaangenen ist zu beachten, daß im Laufe dieses Jahres durch unsere Kommission die Frage erwogen wurde, ob nicht eine besondere Abtheilung für israelitische Geisteskranke bei Meerenberg zu errichten wäre, und die Verpflegung der Israeliten ausschließlich in dieser neuen Anstalt, zu geschehen hätte. Die Antwort unserer Kommission konnte sowohl im Interesse der Anstalt als auch der Kranken nicht anders als zustimmend lauten. Ohne Zweifel bilden den Vorschriften gemäß alle Bewohner der Anstalt eine Haushaltung; eine Bestimmung. woran seit Gründung stets im Interesse der Kranken möglichst festgehalten worden ist. Seitdem die Anzahl der israelitischen Patienten bedeutend zuge-- nommen und die Wichtigkeit ihrer speziellen Vorschriften festgestellt ist, die mit sich bringen, daß sie ih-e Mahlzeiten an einer besonderen Tafel nehmen. ist die angegebene Bestimmung nicht mehr genau durchzuführcn. Der Nachtheil, der hieraus entsteht, ist die Abschließung der Israeliten von den übrigen Kranken. Dieses widerspricht dem Charakter der Anstalt. Die Thatsache. daß sie am Sabbat im Gegensatz zu den übrigen Patienten nicht arbeiten mögen, wirkt in demselben ungünstigen Sinne. Aus diesem Grunde glaubte ich es im Interesse von Meerenberg aussprechen' zu müssen, daß daselbst israelitische Patienten nicht länger mehr ausgenommen werden sollen, % Was die Interessen der israelitischen Kranken selbst betrifft, gelten dieselben Schwierigkeiten, wobei noch andere hinzutreten, die sich aus ihren rituellen Verpflichtungen ergeben. Die Erfahrung, die in Meerenberg gemacht ist. ha! doch auf's deutlichste gelehrt, daß die Genauigkeit der Speisczurichtung und die Behandlung des Eßgeschirres mit großen Schwierigkeiten verbunden und in Wirklichkeit nicht streng durchzuführen ist. Dasselbe gilt von den rituellen Gebräuchen hinsichtlich des Gebetes bei vor kommenden Sterbefällen in der Anstalt, die rituelle Vorschrift beim Ableben von Familienmitgliedern und das Halten der Trauertage. Diese Nachtheile werden um so druckender gefühlt, als es das Streben des Irrenarztes sein muß, jedem Kranken die Gelegenheit zu verschaffen, seine religiösen Bedürfnisse zu befriedigen. Aus vorgenannten Gründen glaubte ich meiner Meinung Ausdruck geben zu müssen, daß die ErriOung einer israelitischen Central-Jrrenanstalt für die unbemittelten jüdischen Geisteskranken einer ernsten Erwägung bedarf. Unsere Kommission war mit mir in voller Uebereinstimmung.* Bedarf es noch eines schlagenderen Beweises für die Existenzberechtigung unserer Vereinigung? — Wohl nicht. Nun werden alle Zweifel zerrinnen wie Nebel vor dem erhellenden Sonnenstrahl: Die Nothwendigkeit unserer Bestrebungen muß anerkannt werden. Möge dieses beherzigenswerthe Wort aus dem Mund« eines vorurtheilslosen Mannes der Wissenschaft. dazu eines Nicht-Juden, Eingang finden in d'e Herzen aller derer, die ernstlich bemüht sind, diesen Nothstand unserer unglücklichen, unverschuldet unglücklichen, unbemittelten geistes- und nervenkranken Glaubensgenossen zu lindern. Wir aber wollen rastlos Weiterarbeiten und wirten an diesem Werke im Geiste unserer Religion und der Menschlichkeit, deren höchstes Gebot die Fürsorge nicht nur für uns selbst, sondern, auch für unsere leidenden Brüder und Schwestern ist. Was wir in der kurzen Zeit erreicht baben, kann uns mit Befriedigung erfüllen und mit, dem Gefühle aufrichtiger Dankbarkeit für alle, die uns ihre Hilfe liehen. Daß die Begeisterung für dieses rein humane Hilfswerk Wurzel schlage in den Herzen aller Guten und Edlen ist unsere Zuversicht, daß Gottes Segen unser Werk begleite wie bisher, und innerer Friede allen denen zu Theil werde, die sich der Sache unserer armen Kranken annahmen, ist unser Wunsch. Möge der nieversiegende Wohlthatigkeitssinn unserer Glaubensgenossen Herzen und Hände öffnen un-

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