Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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1657 Liren?? — Also hinweg mit jener Legende! Sie ist so unwahr als sittlich häßlich." Köln. Der Jahresbericht des „Berlins für jüdisch Krankenpflegerinnen" pro 1003 ist soeben erschienen. Die Thätigkeit im Berichtsjahre 1003 entwickelte sich im wesentlichen im Rahmen des Vorjahres. Reben der gesammten Krankenpflege im israelitischen Asyl für Kranke nnd Altersschwache wurden von den Privatpflcgcrinnen Tagnnd Rachtpslegen bei begüterten nnd armen Familien übernommen und außerdem wurden sie zur Assistenz oder zu sonstigen Verrichtungen an Kranken von den Aerzten in Anspruch ge nommcn. Wie durch Zahlen gezeigt wird, steigt die Nachfrage nach unseren Schwestern immer mehr, sowohl in unserer Stadt als auch besonders auswärts. Diesen vermehrten Ansprüchen gegenüber wächst dir Zahl der Schwestern nicht in gleichem Maße. Hauptsächlich deshalb, weil von den aufgenommenen Pflegeschülerinnen im Laufe der Ausbildungszeit sich nur ein Theil als geeignet für den Beruf erweist, if '6 fehlt nicht an Meldungen um Aufnahme als Pflegeschiilerinncn^nis allen Gegenden unseres Vaterlandes, auch nicht an Vorsicht unsererseits in der Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse bei den Kandidatinnen. Von 13 Aufnahmegesuchen im Jahre 1003 wurden nur 2 in Erwägung gezogen und angenommen; aber von den Im Jahre 1003 eingetretcnen 4 Pflegeschiilerinnen <2 hatten sich im Jahre 1002 gemeldet) erwiesen sich trotzdem 2 nach!r- resp. lOmonatlicher Ausbildungszeit als ungeeignet, so daß sie entlassen werden mußten. Der Verein beklagt wieder den Tod eines Vorstands Mitgliedes, des Herrn Sanitätsrathes Dr. B. Oppenheimer, der auch von Anfang an dessen Interessen eifrig und liebevoll vertreten hat und an der raschen Entwicklung der jungen Institution aufrichtige Freude empfand. In der ordentlichen Mitgliederversammlung am 14. Juli d. I. wurde an Stelle des Verstorbenen Dr. med. G. Mastbanm in den Vorstand gewählt. Die Schwesternzahl betrug am Anfang des Berichtsjahres 1003: 14. Von diesen schieden drei nach mehrjähriger Dienstzeit aus. zwei in Folge von Familienverhältnissen, eine dritte mußte wegen Nervosität, die auch ein mchrmonatlicher Aufenthalt in einem Sanatorium nicht völlig beseitigte, mit 600 Mark jährlicher Pension entlassen werden. Dagegen traten zwei Pflegeschülerinncn, die Schwestern Martha und Beate, in den Schwesternverband ein. der am 1. Januar 1001 somit 13 Schwestern' zählte. Die Heranbildung der Schwestern zu Volk-Pflegerinnen im eigentlichen Sinne, die bei den eigenartigen lokalen Verhältnissen, bei der großen Zahl \>er hier wohnenden armen ausländischen Glaubensgenossen so dringend und wünschensivrrth erscheint. zur Herbeiführung eines geordneten Hauswesens in diesem materiellen und oft auch moralischen Elend, konnte wegen der sonstigen Ansprüche noch nicht vollzogen werden. Auch bedarf es dazu noch eingreifender Reformen in unserer Organisation der Armenpflege und einer noch engeren Fühlung der verschiedenen Vereine untereinander. Wie im vergangenen, so wurden auch im Berichtsjahre zwei Schwestern während der Sommermonate zur Pflege und Beaufsichtigung der Kinder in dem Seehospiz Döse-Eurhaven des .Vereins zur Gesundheitspflege israelitischer .Kinder" in Hamburg entsandt. Mit dem theoretischen Unterricht der Schlvestern wurde Dr. Lrvison betraut. Damit die Schwestern in Nothföllen sich auch bei erkrankten Wöchnerinnen und in der Säuglingspflege bethatigen können, wurde durch Vermittlung der Frau Julie Herzbach, Vorstandsdame des Vereins Wöchnerinnen-Asyl und durch das Entgegenkommen der Frau Oberbürgermeister Becker, der Vorsitzenden dieses Äereins, die Einrichtung getroffen, daß die Schwestern abivechselnd einige Wochen zu einem Lehrkursus in das Wöchnerinnen-Asyl entsandt werden. Der Aufruf lm vorigen Bericht, die Mittel zur Erbauung eines Schrvesternheims zu schaffen, hat bei den Frauen unserer Gemeinde starten Widerhall gcsunden. Unter Führung von Frau Julie Rothschild, der Gattin des tiesbe'.rauerten früheren Vorstandsmitgliedes und Wohlthatees. des seligen Fritz Rothschild, haben in edlem Eifer viele Damen von hier und auswärts sich bemüht, die Kosten für den Bau theils durch einmalige, theils durch wöchentliche Beiträge für drei Jahre zu schassen. Und der Erfolg, der in dem Gabenverzeichniß seinen zahlenmäßigen Ausdruck findet, zeigt, welche Sympathien dem Bestreben entgegengebracht wurden. Wenn sich diese in den nächsten zwei Jahren in gleicher Weis: loie bisher bekunden, so wird im Frühjahre 1907 neben und auf dem Grundstück der prächtigen Bauten des Krankennnd Altersheims auch das Schwcsternheim sich erheben. Möge dre aus dieser Dereinsarbeit aus- .strömende Menschenliebe auch wieder Menschenliebe wecken in den Herzen der Begüterten, damit sie sich zur Förderung dieses Werkes gedrängt fühlen. . Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. B. Auerbach, Vorsitzcnder. Rechtsanwalt Earl Elhbachcr, stellvertretender Vorsitzender. Dr. Antz Eahen, Schriftführer. Simon Herzbach. Schatzmeister. Max Bcndix. Isidor Dülken, Amisgerichtsrath Löwenherz. Heinrich Frank, Dr. O. Mastbaum. Ems. Dem ersten Rechenschaftsberichte des Hilfe- Vereins für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke zu Ems entnehmen wir: Schon ist ein Jabr in's Land gegangen, seitdem wir den Hilfsvcrein für unbemittelte jüdische Nerven- und Geisteskranke in's Leben gerufen haben. Mit ernsten Sorgen traten wir der Gründung nahe. Mancherlei Bedenken wurden uns rntgeoengehalten, die sich aber bei genauer Betrachtung als nicht .stichhaltig erwiesen. Unser Aufruf fand den Beifall