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Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 19)
Language
German
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(649 Rausch habe ich gelebt, aber ich wurde wieder nüchtern, ich habe mich von der Nichtigkeit des unsinnigen Genusses überzeugt. Dem gegenüber heißt es im nächsten Kapitel: nno tbajt Saa a:c asm nnen fein? ß"wn Sa vn K’n v'pSn ..Daß der Mensch esse und trinke, aber bei allen irdischen Bemühungen nur das ans im Auge behält, das wirklich Gute, dann ist irdischer Genuß eine Gabe Gottes, yk Harun Y« nnvni r» ttow BTwi rjßa rwn abasa *ohhp nb^an Sa pns ■cno inan Ueberall. wo in diesem Buche von Genießen die Rede ist. so ist sicherlich der Genuß nicht Selbstzweck, sondern es soll eine Kräftigung und Erstarkung des Körpers für die n«v empfohlen werden. Beim Genuß soll eben das aia beachtet werden. So erklären unsere Weisen auch eine andere Stelle. „Dein Brod kannst du freudig genießen/ denn durch die nbn-Absonderung hast du bewiesen, daß du begriffen, daß das Brod dir von Gott geschenkt ist, „deinen Wein kannst du mit ruhigem Herzen trinken/ denn durch die craa: Absonderung hast du bekundet daß du weißt, daß Gott dir die irdischen Güter nur darum geschenkt hat, damit du sie wieder seinen Zielen zuführst. Nun kommen wir zu der letzten Stelle, die ja auch von unseren Weisen als der Erklärung bedürftig bezeichnet wurde, rw ■pnnna 'v'a fab *pw i'wib'a ima „Freue dich Jüngling deiner Jugend, sei fröhlichen Gemüthes Tbrn 7:y nneat *jab 'a-na wandle die Wege, wohin dich Herzenslust und Augenweide führen!" Nun das ist doch eine Aufforderung zum Lebensgenüsse? Gewiß, ober ttsnsa opptam 70a' nb« Sa b? 'a 3m „wisse, daß Gott von dir Rechenschaft fordern wird." Er wird dich fragen: Hast du auch das aiu im Auge behalten, oder hast du dich blind deinen Trieben überlassen? Hast du Maß gehalten in deiner Freude? Warst du dir bewußt, daß Alles, was der.Mensch thut, einen Zweck haben müsse, und hast du diesen Zweck im Auge gehabt? Warst du Mensch in deiner Freude, oder bist du zum Thiere hinabgesunken? Zum Thiere hinabgesunken?? Ja, ist denn der Mensch etwas mehr als das Thier? Ist nicht vielmehr unsere Annahme, daß der Mensch die Krone der Schöpfung ist. dem Alles und Jedes unterthan sein soll, bloß eine selbstgefällige Täuschung, die uns unsere Eigenliebe eingegeben hat? Behauptet Koheleth nicht etwa, daß der Mensch keinen Vorzug gegenüber dem Thiere habe? Heißt es doch ausdrücklich: onnn nmn San San *a p« ncnan jo „Der Vorzug des Menschen vor dem Thiere ist nichts, denn Alles ist vergänglich/ Und diese Gegenfrage scheint gar nicht so unberechtigt, zu sein, tvenn wir sehen, daß die selbstbewußten Kritiker, die auf ihr Menschenthum so besonders stolz sind, allen Ernstes behaupten, daß Koheleth den Menschen dem Thiere völlig gleichstelle. Ist ihr Stolz nur gegen Gott gerichtet? Doch da wir etwas mißtrauischer Natur sind, wollen wir uns diese Stellen auch genau onsehen. und selbst prüfen, ob es um unser Menschenthum wirklich so schlimm bestellt sei. sann .'sa n^sv ta nr» nm nt wo p m nva nnS nnr» rrow'nonan .Tip01 San San *a p« nonan pa sinn *vw Sa? '„Wenn der Zufall des Menschen ist wie der Zufall der Thiere (daS mpsa ist so gut als nipva vgl. Zunz, Grätz, Knobel u. A. m. in ihren Uebersetzungen.) und ein Zufall beherrscht beide, wie jenes stirbt, so stirbt dieser, und einen Geist haben sie alle, der Mensch hat vor dem Thiere nichts voraus, denn alles ist eitel/ Also da heißt es ja deutlich, daß der Mensch dem Thiere gleich ist. demselben Geschick unterworfen, demselben Tode preisgegeben. Wollte Koheleth dies wirklich lehren? Wir glauben nicht. Wir möchten zuerst auf eine Schwierigkeit aufmerksam machen, die sich aus dieser landläufigen Uebersetzung ergibt. Wenn es zurrst heißt: „Das Geschick des Menschen ist dem des ThiereS gleich," wozu wiederholt Koheleth noch einmal: „und ein Zufall beherrscht beide"? Wir glauben nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß sowohl in diesem Satze als auch in den folgenden, auf die wir noch zu sprechen kommen muffen, eine scharf« Verurtheilung über das Treiben seiner Zeitgenossen von dem weisen König beabsichtigt wurde, wie ja ganz Koheleth nach der Ansicht unserer Weisen eine Zurechtweisung, eine Strafpredigt sein soll, nrom Wan hSh m*h nan no»:v aipa Sa „Alles, was durch das Wörtchen nan eingeleitet ist, hat e8 auf eine Zurechtweisung abgesehen." Mit dieser Bemerkung haben uns unsere Weisen, die einzigen richtigen Interpreten der schriftlichen Lehre, einen Schlüssel an die Hand gegeben, der uns das Verständniß so mancher dunkler Stelle in diesem erhabensten Denkmal jüdischen Forschergeistes erschließt. Denn es liegt ja unter diesen Umständen auf der Hand, daß derjenige, der eine Ansicht bekämpfen unb widerlegen will, diese Ansicht erst genau wiedergcbcn, alle Einzelheiten genau ausmalen, alle Konsequenzen ziehen und klarstellen muß, bevor er deren Unrichtigkeit nachweist. Haben wir es also begriffen. daß Koheleth eine polemische Schrift ist, die gegen die Jrrthümcr, falschen Lehren polemisirt, die schlechten Handlungen tadelt, so dürfte sich uns auch das Verständniß der soeben angeführten Stelle von selbst ergeben. (Fortsetzung folgt.) ZMnnLSnsHrlHLeu und DeiitsHlanb. Berlin, 14. Sept. (Der Feiertage halber unlieb verspätet.) In der heutigen Abendsihüng dev Repräsentanten widmete der Vorsitzende dem kürzlich verstorbenen Herrn Julius Oppenheim einen herzlichen Rach-

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