Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449986-2450056--61504-2524376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1641 an der w!r uns nicht erfreuen können. Umso an heimelnder das jüdische Haus zur Sabbatzeit. Kein Religionsunterricht kann so nachhaltig und unmittelbar auf des Kindes Gemiith wirken als der Sabbat im elterlichen Hause. Exempla trahunt, das lebendige Beispiel ist von hohem Einfluß, ist eine Macht. Nicht nur für die Familie, auch für das Gemeindeleben wirkt der häusliche Sabbat segensvoll. Es wurde schon öfters in diesen gesch. Bl. darauf hingewiesen, daß Prinzipale, die rzv strenge ihr Geschäft schließen, in der Auswahl ihres Personals nicht dem entsprechend handeln. Strengfrommen wird oft durch Andersgesinnte der Platz versperrt, was sich vielfach iy leichtfertiger Entweihung desnre» seitens der bei Orthodoxen Angestellten bekundet. Es muß aber auch zugegegben werden, daß den jungen Leuten nicht selten jeder familiäre Anschluß fehlt. Die W'.nterkälte treibt sie in die Eafstt's und damit in bedenkliche Gesellschaften und Gelegenheiten. Wie heilsam, wie segensreich erweist sich da die fromme Familie, in der junge Leute zwanglos verkehren können! Wenn ihnen da die Gastfreundschaft das Elternhaus zu ersehen sucht, wenn man besonders für die schönen Sabbate des Winters sie willkommen heißt, könnte hierdurch nicht so mancher Fehlcv jugendlicher Unüberlegtheit vermieden werden? Im jüdischen Erziehungswesel; spielt ja das „ai^r-sein", die persönliche Annäherung eine große Rolle. Für die Winterzeit und iin beregten Falle bedarf die Berechtigung dieser Forderung keines Kommentars. Wohl wäre noch manches Andere für das Wintersemester. welches nun begonnen, rn's Auge zu fassen, wie beilvielsweise die rvun- und Feier, für die ja immer zeitig genug die Vorbereitungen beginnen, und für die man im Verhältniß zu iup oft nicht geringe Ovfer an Mühe und Aufwand sich leistet. Wir wollen dies vielleicht für eine spätere Betrachtung uns cussparen. Es genügt uns. für das Winterhalbjahr die Bedeutung von nim- Studium und rvV in mancher Beziehung betont zu haben. Möge die winterliche Jahreszeit uns allen bringen, was wir in den rn^vn zwpa der Herbstfeiertage vom Himmel erfleht, möge mitten im Winterschlafe der Natur Israel wach bleiben für seine ewigen Aufgaben, bis auch für sie ein Lenzesmorgen anbricht, von unvergleichlicher Pracht und Herrlichkeit. Y'ara. AettmrgSnachrlHteit rmd CorrespsrrderrL-s. i r . - t . - . Deutschland. Hamburg, 4. Okt. In unserer Nachbargemeinde Lübeck war am Dienstag rcaonnbvz ein besonderer Freudentag, es fand die feierliche Einweihung des nach jahrelangem Sammeln und Mühen neu erbauten Altenasyls statt. Das ziemlich umfangreiche Grundstück. in unmittelbarer Nähe der Synagoge gelegen, war vor etwa zehn Jahren von dem sich zu diesem Zweck gebildeten Komitee, unter Führung deS wackeren, hochverdienten Gemeindepräses Herrn H. Meyer, erworben wörden. nachdem das ursprünglich nur bescheidene Stammkapital, aus testamentarischen Schenkungen stammend, durch freundliche Zuwendungen der Vereinsmitglieder sich ansehnlich vermehrt hatte. An. einen Nenban aber konnte man erst denken, als durch Munifizenz der sel. Baronin Hirsch, Baron Rothschild s. A., aus der Plaut'schen Stiftung je M. 10,000. sowie von sonstigen Freunden größere Geschenke gespendet worden. Wenngleich eine unmittelbare Veranlassung zu einer synagogalen Feier nicht Vorgelegen, so konnte man doch davon nicht gut Abstand nehmen in Rücksicht auf die allgemeine Freude, die in der Gemeinde herrschte, und der Theilnahme auswärtiger Freunde, wie nicht minder durch das Interesse, welchedie Staats- und Stadtbehörde durch das Erscheinen einer offiziellen Deputation bekundeten. Auch liegt die Synagoge dem sno, wie bemerkt, unmittelbar benachbart, und zur würdigen Unterbringung so zahlreich erschienener Theilnehmer stand ein entsprechend großer Raum, wie die wunderschöne Synagoge, die erst kürzlich herrlich renovirt worden, nicht zur Verfügung. Schreiber dieses, der geschäftlich oftmals nach Lübeck kommt und dem Asylverein als Mitglied angehört, folgte gerne der ihm freundlichst zugegangenen Einladung, die ihm einen recht angenehmen Tag bereitet hatte. Ein wohlgeschulter Männerchor eröffnete die Feier, worauf der ehrwürdige Rabbiner, Herr Dr. Carlebach, die Kanzel bestieg, um mit der Benediktion nnsom anan die Festrede zu beginnen, die in meisterhaft formvollendeten Weise der Tagesordnung angemessen war und alle bedeutsamen Momente, die der Feier entsprachen, unter Anführung sehr passender Thora- und Midraschtexte, zur verständnißvollen Erklärung und Ausführung brachte. Dieser wohlgelungenen schönen Rede folgte das Gebet für Kaiser. Senat und Behörden, worauf mit tadelloser Jntonirung des Psalm 160 die Feier zum Schlüsse gelangte. Dann begaben sich die Deputationen und die von auswärts erschienenen Gäste zur Besichtigung des prächtigen Neubaues,- und was man unter Führung des Festkomitee's zu sehen bekam, rief die Anerkennung »Aller hervor; große,' luftige und sauber ausgestattete gemeinsame Räume sowie einfache, aber gemüthliche, für kleine Familien oder einzelne Personen berechnet, überall Helle Wohn- und Schlafzimmer Im Kellergeschoß ist die für die Gemeinde erforderlich gewordene Mikwoh installirt worden, eine Meistermikwoh für manche große Gemeinde, während im Lichthofe eine schöne geräumige Suktoh Unterkunft gefunden