Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 78-79 (4.10.1904)
- Date
- 1904-10-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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163« 1. Juli 1904 erstreckt, mit. daß es 15,186 Frs. Unterstützungsgelder verausgabt hat. Der Bericht empfiehlt die Schaffung eines allgemeinen jüdischen Auswanderungsamtes. Die Beiträge sind solche von Privaten. Gesellschaften und Gemeinden; unter den letzteren haben Zürich. Chauxdefonds. St. Gallen. Freiburg i. B. und Mailand die größeren Summen geliefert. Rußland. Wilna. (Der neue russischeMinister des Innern und die Judenfrage.) In einer Ansprache an vie Mitglieder der israelitischen Gemeinde sagte der Minister des Innern, da er mit ihren Bedürfnissen genau bekannt sei, sei er in der Lage, bei der demnächst bevorstehenden Bearbeitung der ernsten israelitischen Frage mit voller Kenntniß an diese heranzutreten. Seitens der Israeliten erwarte er. daß sie volles Vertrauen den Regierungsmahregeln ent- .gegenbringen. Die Israeliten könnten völlig darüber beruhigt sein, daß er. an die Quelle der Gerechtigkeit an der Seite des .Kaisers berufen, darüber wachen werde, daß ihnen immer Gerechtigkeit widerfahre. vermischtes Argenau. Ein hier zum Bcsnchc w ilcndcr früherer Argenauer Bürger, welcher sich in Ameiika ein großes Vermögen erworben bat. hat der jüdischen Gemeinde und dem Kaiser Friedrich-Denkmalfonds ansehnliche Spenden überwiesen. F e u i I ( e 4 o it. Witte vereitelte DIochzeit. von n. Aaynev. [iy Josef batte das Geplänkel benützt, um aus dem Schrank die Gemoro Nedorim zu holen. Er trat mit 'hr zwischen die Streitenden, reichte Herrn Fried die Hand-und sagte'ihm: ..Ich danke Ihnen verbindlichst für Ihre Unterstützung. aber Sie werden sofort sehen, daß sie nicht nöthig war." Zu Reb Leiser gewandt sagte er: «Hier habt Ihr den Ran auf Redorim, zeigt mir. wo der Ran die Kaschje fragt." Aber Reb Leiser öffnete die Gamoro gar nicht und meinte: «Ihr glaubt wohl. Bochur. ich seh jetzt ganz Nedorim durch und vergesse dadurch an Euere andere Cchsuffsm. Wir wollen erst einzelweis Euere Narrischkeilen durchgehen und dann kommen wir ans jede besonders zurück/ Jetzt lonnte sich der Wirth selber nicht mehr zurückhalten. Er erhob sich vom Platze und gebot Ruhe. Dann sagte er mit gemessenem Ernst: „Reb Leiser, seid manche!, ehe Ihr weiter gegen die Diwrr Thora sprecht, die Ihr hier gehört habt, rechtfertigt Euch und zeigt uns den Ran. Ich habe den Ran in Redorim auch einmal gelernt und erinnere mich nicht, daß er diese Frage aufwirft. Doch ich kann mich irren. Aber die Diwre Thora, die der Bochur gesagt hat, sei nicht von ihm. sondern von meinem Bruder. Rabbi Elimelech. und der übersieht keinen Ran." „Was?" ries Rabbi Leiser außer sich vor Wuth. zu Josef gewandt. „Ihr gebt die Thora von Rabbi Elimelech für die Euere aus? Ihr hüllt Euch in einen Tallis, der nicht Euch gehört? Wißt Ihr nicht, daß n:an das. was man von anderen nachsagt, in ihrem Namen nachsagen muß?" „Nur sittig! ruhig! Reb Leiser." erwiderte Josef gelassen. ..ich will Euch auf Euere Fragen, antworten, wenn Ihr mich wollt zu Worte kommen lassen. Warum ist es denn voraeschrieben, die Gedanken Anderer im Namen derer wiederzugeben, deren geistiges Eigenthum sie sind? Doch nur, um die Ehre demjenigen zu geben, dem sie in Wirklichkeit gehört und sich nicht mit fremden Federn zu schmücken. Denkt Euch nun. wenn ich den Namen desjenigen genannt hatte, dem diese Thora gehört! Ich hätte ihm diesmal wahrlich keine Ehre, sondern Beschämung eingebracht. Wenn Ihr mir nachsagt'. daß ich Narrheiten und Verkehrtheiten rede, so will das nicht viel sagen. Aber wenn Ihr das mit Wissen aus Rabbi Elimelech's Thora gesagt hättet, so möchte ich an der Awera keinen Theil haben, denn wer einen Talmid Chochom geringschätzig behandelt, für dessen Makoh gibt's keine Heilung. Deshalb nenne ich. bei dem, was ich großen Männern nachsage, zuerst ihren Namen nicht, bis alles Mißverständniß und alle Opposition beseitigt ist. So erleidet ihr gefeierter Name keine auch nur augenblickliche Trübung. Das hätte ich auch heute so gemacht, wenn Ihr in Ruhe Euere Bedenken vorgrbracht hättet. Für meinen Rabbi und die hiesige Bne Thora hätte ich auch heute diese Erklärung nicht folgen zu lassen brauchen; denn sie alle wissen, daß ich keine andere Thora weiß, als diejenige, die ich von meinem Lehrer. Rabbi Elimelech, gehört habe." Diese anspruchslose Bescheidenheit, getragen von ruhiger Festigkeit, entwaffnete selbst Rabbi Leiser Runkel. Er stand auf. ging auf Josef's Platz und drückte ihm herzlich die Hand; „Habt Ihr die Einschränkung der Pflicht zu dem. was man Anderen nachsagt, erst nachträglich den Nomen der geistigen Eigenthümer zu nennen.' auch von Rabbi Elimelech gehört?" fragte er den Jüngling. . «Nein," erwiderte dieser, „das ist meine eigene Bermuthung; sie kann deßhalb irrig sein."