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Der Israelit · 1904-10-04 · Heft 78-79 (4.10.1904) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 78-79 (4.10.1904)
Date
1904-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Frankfurt a. M., 3. Okt. (Konfessionelle KriminalstatistN.) Die amtliche Bearbeitung der Reichskriminalstatistik des Jahres 1601 enthält u. a. auch einen Ueberblick über die Betheiligung der verschiedenen Konfessionen an der Begebung von Verbrechen während der Zeit von 1882 bis 1901. Daraus ergibt sich, daß im Durchschnitt der Jahre 1882/91 von 100,000 strafmündigen Zivilpersonen verurtheüt wurden: 1183 Katholiken, 963 Evangelische und 784 Juden. Für die Jahre 1892/01 betragen die entsprechenden Ziffern 1361 Katholiken, 1122 Evangelische und 1030 Juden. Die Katholiken stellen also während der ganzen Beobachtungsperiode das größte Kontingent der Berurtheilten, während auf das Judenthum der bei weitem geringste Theil entfällt. Wenn die Zunahme der Berurtheilten bei den Juden eine stärkere ist, als bei den christlichen Konfessionen, so ist dies, wie die Herausgeber der Reichsstatistik mit Recht bemerken, im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Juden am Handel besonders betheiligt sind unL seit denr Anfang der neunziger Jahre die Vergehen gegen die Bestimmungen über das Handelsgewerbe, insbesondere die Sonntagsruhe, in der Statistik eine besondere Rolle spielen, trotzdem sie für die eigentliche Kriminalität des Volkes nicht in Betracht kommen und deßhalb ebenso wie die Ilebertretungen aus der Reichskriminalstatistik ausgeschlossen sein sollten. Da nach der letzten Berufs- und Gewerbezählung von 100 erwrrbsthätigen Juden nicht, weniger als 54.66. dagegen von 100 Christen nur 9,64 im Handel thätig sind, so ist es natürlich, daß die Kriminalität der Juden bei denjenigen Delikten, welche im Handel besonders häufig Vorkommen, eine große ist. So sind z. B. im Durchschnitt der Beobachtungsperiode von 100,000 straf- Niündigen Juden 95,8, von ebensovielen Christen dagegen 47,5 wegen Betrugs verurtheilt worden. Diese stärkere Betheiligung des Judenthums steht aber in gar keinem Berhältnitz zu seiner sehr viel stärkeren Betheiligung am Handel. Dagegen beträgt die Betheiligung der Juden beim Diebstahl nur 24 Prozent, beim Widerstand gegen die Staatsgewalt 23 Prozent, bei Brandstiftung 18 Prozent, bei schwerer Körperverletzung nur 16 Prozent derjenigen der Betheiligung der christlichen Bevölkerung an den. gleichen Delikten. Oschersleben. Eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung wurde in einer der jüngsten Stadtverordneten-Sitzungen verhandelt. Der Kultusbeamte der hiesigen israelitischen Gemeinde ist zur Erwerbung des Bürgerrechts aufgefordert worden und zur Entrichtung des Vüraerrechtsgeldes von 6 Mark. Derselbe beschwerte sich hierüber, indem er ausführte, er sei als Kultusbeamter hierher berufen, und habe nicht die Absicht. sich hier dauernd niedsrzulaffen. Er habe feit 1866 schon in vielen Orten amtirt, würde also schon oftmals das Bürgerrechtsgeld haben bezahlen müssen. doch sei bisher noch nie diese Anforderung an ihn gestellt worden. Er bitte, ihn auch hier davon freizulaffen. Da in diesem Fälle die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erwerbung des Bürgerrechts vorhanden sind, hat der Magistrat der Eingabe keine Folge geben können und das Gesuch abgelehnt, die Versammlung schloß sich dem an. AuS Süddeutschland. Gelegentlich meiner diesjährigen Ferienreise besuchte ich auch wieder die böhmischen Bäder und speziell die alte Sprudelstadt Karlsbad, wo ich etwas längeren Aufenthalt nahm. Ich war sehr freudig berührt, als ich vernahm, daß dort ein neues jüdisches Restaurant entstanden sei. welches in jeder Weise den Anforderungen eines streng-orthodoxen Jehudi entsprechen soll. Es ist dies das Restaurant F a ck l e r in der Kaiser Franz Joseph-Straße. Ich habe nicht versäumt, dasselbe zu besuchen und war ich in jeder Weise befriedigt, speziell-. 1>er Sabbat wird dort sehr strenge gehalten; es wird an diesem Tage weder gekocht, noch Zahlungen angenommen oder ausgeschrieben und auch das Personal besteht nur aus Jehudim. Wer weiß, wie leicht es heute bei manchen jüdischen Baderestaurants mit dem Worte koscher genommen wird, den wird es stets freudig berühren, ein Restaurant zu finden, wo er ohne Bedenken essen kann. Das Einzige, was in dem immer mehr von Jehudim besuchten Weltbade fehlt und von den Deutschen sehr vermißt wird, ist ein Gottesdienst nach deutschem Minhog. und ich bin überzeugt, tvenn Herr Fackler diesen einrichten würde, so würde er sich den Dank Vieler erwerben. AlSheim (Rheinheffen), 27. Sept. Die heutige 80-jährige Geburtstagsfeier des Herrn Lehrers Karl Marx, Nestor der isr. Lehrer Hessens, gestaltete sich zu einem selten schönen Feste. Aus allen Theilen Deutschlands hatten sich bedeutende Männer ringefund.en, um persönlich ihre Glückwünsche dem Jubilare, der unter der Lehrerschaft Deutschlands eine der erste» Stellungen einnimmt, sowie dessen edlen Gattin, die heute ihren 72. Geburtstag feierte, die Glückwünsche darzubringen. Bei dem Festmahle eröffnete den Reigen der Ansprachen Dr. Adler, Direktor des Philanthropins in Frankfurt a. M. und gratulirte im Namen des Verbandes der isr. Lehrervereine im deutschen Reiche, dem der Jubilar als Vorstandsmitglied anaehört. Dann sprachen: Lehrer Wertheimer- Heldenbergen, Vorsitzender des isr. Lehrerverems im Großherzogthum Hessen, namens dieser Korporation, deren zweiter Vorsitzender der Gefeierte ist, Dr. D riesen. Direktor des Seminars in Karlsruhe, Dr. L ö h r e n - Frankfurt a. M./erster Schriftführer der „Achawa" (Unterstützungskaffe für isr. Lehrer- Wittwen und -Waisenl. welche vortreffliche Institution vor 40 Jahren von Herrn Marx gegriindet wurde, überreichte ihm eine prachtvoll ausgestattete Adresse und

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