Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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162t von R. Mosche hoffte er sogar eine Bundesgenossin zu haben, da er wußte, daß sie sich immer sür Sara intereffirte und ihr geneigt war. Seine Lrraüssehung war auch die richtige. Als er nämlich bald darauf bei R. Mosche Schacherl vsrsprach und ihm die Ursache seines Besuches mittheilte, war derselbe über die Mission des Schadchen Kohn sehr überrascht und that so, als wäre er ganz entrüstet über eine solche Zumuthung. doch als er den Auftrag und Beweggrund R. Jzig's erfuhr, daß derselbe durch das Zustandekommen dieses Schiduchs eine Nekomo an ihm ausüben wollte, da lächelte er und sagte: „R. Jzig bleibt doch immer der Alte, diesmal wird er aber gefoppt. Cr glaubt, ich sei gegen den Schiduch. während ich gerade dafür bin, da ich in der ganzen Kehillo kein Passenderes Mädchen für meinen Baruch finden könnte, als die schöne tugendhafte Sara. Sie kommen mir gerade erwünscht, denn ich hätte keinesfalls den Anfang machen dürfen, da wäre die Parthie nicht zu Stande gekommen. Wir müssen nur die Sache gescheit anfassen. Sie dürfen R. Jzig Mandel nicht sagen, daß ich zu dem Schiduch meine Zustimmung gebe, sondern umgekehrt. Sie müssen ihm mittheilen, daß ich mit aller Kraft mich gegen dessen Verwirklichung sträube, daß aber nur "Meine Frau lehr dafür sei."' So war es auch. Als Schadchen Kobn dem R. Jzig Mandel die Nachricht von dem Widerstande R. Mosche's gegen diesen Schiduch überbrachte. da geberdete sich derselbe wie wüthend und schrie: „Justament, gerade weil er es nicht will, muß der Schiduch zu Stande kommen? R. Jzig's Frau, und was die Hauptsache ist, sein Sohn Baruch, sind für uns und R. Mosche wird sich fügen muffen. Schauen Sie nur, daß Sie bald eine Zusammenkunft mit R. Mosckie's Frau und der meinigen arrangiren. Die beiden Frauen sind, wie mir die weinige soeben gestanden, trotz unserer Nigse, hinter meinem Rücken stets gut miteinander gewesen. Wenn nur diese einig sind, dann wird R. Jzig auch nachgeben müssen." Aus Veranlassung des Schadchens Kohn kamen nun beide Frauen bei der'betreffenden bekannten Familie. wo sich die jungen Leute kennen gelernt hatten, einigemal zusammen und wurde bei der letzten Verabredung im Einvernehmen mit ihren Männern die Verlobung Saras mit Baruch auf den zweiten Tag des kurz daraus eingehenden Ehanuklafefles bestimm» Natürlich i.igte man N Jzig. daß R Gosche seine Zustimmung hierzu noch verweigere, daß aber dessen Frau ihn schon umzustimmen hoffe. Am zweiten Ehanukka-Abend war die Wohnung R. Jzig Mandek's hell erleuchtet. Eine große Geselli schaff hatte sich eingefunden, bestehend aus. den beiderseitigen Verwandten und Freunden, auch der Schulram der Brull'schen Schul war unter den Festgasten zu seben. Er lächelte zufrieden bei dem Gedanken, daß endlich durch diesen Bund die ewige Sino-') zwischen beiden Gegnern ein Ende nehmen werde. Doch Sara und Daruch befanden sich in großer Aufregung. R. Mosche Schacherl, der Vater Baruchs. war noch nicht ' da. Auch R. Jzig Mandel war es nicht sonderlich gut * zu Muthe. Er machte sich innerlich Vorwürfe, daß daS . Verksbungsfess seiner Tochter in Abwesenheit des Ba- . ters des Bräutigams gefeiert werden sollte.- Besonders! peinlich berührt wurde er bei.den Fragen vieler Gäste, I wo denn eigetlich R. Mosche Schacher! bleibe. I Doch dessen Frau half ihm und sich aus der Verj lcgcnbeit mit der Ausrede, Baruchs Vater sei im setzten I Augenblicke plötzlich unwohl geworden und sie wisse! nicht bestimmt, ob er bei der Verlobung noch erscheinen »verde. Man werde auf jeden Fall noch ein wenig warten. vielleicht wird ihm besser, und er kommt doch noch zur Verlobung. Doch kaum hatte Frau Schacher! dies ausge, tprochen. als sich die Thüre öffnete und ihr Gatte. R. Mosche, begrüßt 'von der ganzen Gesellschaft. erschien. R. Jzig Mandel war Anfangs ganz überrascht und unangenehm berührt, als er seinen Misriaged-°) hereinkommen sah. Doch kaum batte er sich von seiner Ueberraschung ein wenig erholt, als R. Mosche Schacher! auf ihn zuschreitend, ihm die Hand mit den Worten reichte: -Sie staunen, daß ich doch gekommen bin? Warum denn nicht. Wir haben Beide keinen Grund mehr, broges mit einander zu sein. Ich habe Ihnen! einmal den Ehoson Bereschith »veggenominen und gebe > Ihnen jetzt dafür einen Choson Thauro, denn mein Sohn ist trotz seiner weltlichen Bildung ein „seiner Bochur". Jetzt sind wir quitt." Kaum hatte er ausgesprochen, als er. die Hand seines Sohnes Baruch ergreifend, dielen Sara zuführte und unter freundlichem Zunicken R. Jzig Mandels die Verlobung Baruchs mit Sara feierlich verkündigte. Unter lauten Mafoltowrufen. in welchem die Festgäste vielfach einstimmten, »varf Schadchen Kohn die hereit , gehauene Porzellanfchale zur Erde, so daß sie in hundert Scherben zerbrach. Braut und Bräutigam umarmten sich und es gab kein glücklicheres Paar in der ganzen Gemeinde P. & Jzig Mandel und R. Mosche Schacherl waren von nun an die besten Freunde. So seben die jüdischen Nekowos aus. 25) Hatz. 26) Gegner. .