Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 36

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449986-2450055--61488-2524331
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Jst'L vielleicht die Herzensangelegenheit, um deren Verwirklichung ich mir bereits seit Wochen den Kopf zermartere? Vertrauen Sie sie nur mir an, Frau Mandel, ich meine "es gut mit ihnen, vielleicht kann ich helfen." Da konnte Frau Mandel sich nicht länger zurückhalten, und nachdem sie Sara durch einen Wink in's andere Zimmer zu gehen bedeutete, erzählte sie dem Schadchen Kohn genau den ganzen Sachverhalt, auch daß sie R. Mosche Schacherls Sohn gerne als ihren Schwiegersohn sehen möchte, und daß nur die Sorge über den zu befürchtenden Widerstand ihres Mannes ihr und Saras Gcmüth bedrücke. Schadchen Kohn ließ Anfangs den Kopf hängen, doch dauerte dies nur kurze Zeit, dann blitzte ein Freudenstrahl in seinen Augen auf: „Bei Gott, es ist der Schiduch. der mich eigentlich zu Ihnen hergeführt, ich habe aber mit Gottes Hilfe das Mittel gefunden, welches zum Ziele führen dürfte. Sie erzählen ihrem Manne neben dem wahren Sachverhalt von der innigen Liebe Saras und Barüchs zu einander, auch folgende Mär: Baruch habe dieser Tage seinem Pater die Mittheilung von seiner Liebe zu Sara, der Tochter R. Jzig Mandel, gemacht und ihm zugleich die Erklärung abgegeben, daß er kein anderes weibliches Wesen als Sara zu seiner Frau wählen werde. Sollte aber sein Vater dies durchaus nicht zugeben, so werde er gar nicht heirathen. R. Mosche Schacher! sei aber vor Wuth vom Sitze aufgesprungen und habe Baruch die Worte zugerufen: „Baruch, solch eine Cbarpe"') willst Du mir anthun. die Tochter meines größten Saune-*) willst Du heirathen? Aus dem Schiduch wird nichts, so lange ich lebe, schlage Dir dies aus Deinem Kopf, Du wirst noch solch ein Stück Sechore^) bekommen, wie die Tochter von R. Jzig Mandel „Kruz!" Als Baruch aber bei seinem Entschluß beharrte, seien Vater und Sohn böse auseinander gegangen. Meso Sie dies alles wissen?, diese eventuelle Frage ihres Mannes müssen Sie (Frau Mandel), beantworten, daß der Schadchen Kohn. der doch Alles, was in der Kehillo vorgeht, wisse, gestern in seiner Abwesenheit sie besuchte. Ihnen dies im Vertrauen erzählt habe, auch daß Baruch inzwischen einen ehrenden Ruf als Rabbiner einer ziemlich großen Gemeinde erballen und nach einer sehr gelungenen Probepredigt einstimmig acceptirt worden sei. und ihm jetzt die besten Schiducknm von mehreren Seiten angetragen werden, die er aber alle aus bewußtem Grunde ablehne. Ties Alles werden Sie Ihrem Manne erzählen, und wie ich ihn kenne, wird er R. Mosche Schacher! lehaches") den Schiduch mit Baruch gegen den Willen seines Vaters machen wollen." Gesagt, gethan! Des anderen Tages bot sich gerade die beste Gelegenheit zur Ausführung dieses 21) SÄande. 22) Feind. 23) Maare. 24) Ihn zu ärgern. Planes. R. Jzig Mandel liebte es gewöhnlich nach dem Mittagmahl, mit seiner Frau ein kleines Plauderstündchen abzuhalten. Unirr anderem kam er auch auf Sara zu sprechen und als er an seine Frau die Frage richtete, warum Sara so schlecht und abgehärmt seit letzterer Zeit aussehe, da hielt diese es für den passenden Moment, ihm Alles, so wie sie es mit Schadchen Kohn verabredet, zu erzählen. Im Anfang wirkte diese Mittheilung wie ein Funke auf ein Pulverfaß. R. Jzig Mandel geberdete sich wie Wütbend und war ganz außer Rand und Band. Als nun gar siine Frau ihn beruhigen wollend, sagte, daß sein Zorn umsonst sei. da ja ohnehin nichts aus der Sache werden könne, da Baruchs Vater ja unter keiner Bedingung eine Verbindung seines Sohnes mit Sara zulassen werde, da stampfte R. Jzig Mandel wutheqd mit dem Fuße, dabei Worte hinausssoßend: „Gerade, weil er es nicht will, muß der Schiduch zu Stande kommen. Die Rekome werde ich noch an ihm erleben, ich werde ihm was zeigen. Im äußersten Falle werden wir den Schiduch ohne ihn fertig machen. Wir müssen nur vorerst R. Mosche's Frau. die den Ruf eines klugen Weibes genießt, für uns haben, dann wird die Sache schon gehen. Dies wird der Schadchen Kohn am besten fertig bringen. Schicke nur noch heute zu ihm. er möge morgen nach der. Schul zu mir kommen, damit wir die Affaire besprechen." Des anderen. Tages, kaum hatte Herr Jzig Mandel gefrubstückt, als ihm schon der Bestich von Schadchen Kohn gemeldet wurde. Roch nie hatte R. Jzig den Stellvertreter Hymens so freundlich emvfangen, als diesmal. Als nun R. Jzig ohne Umschweife den Schadchen Kohn auf den Sachverhalt und auch auf den Widerstand, den R. Mosche dem Zustandekommen dieses zwischen dessen Sohn Daruch und seiner Tochter Sara geschlossenen Liebesbundes. entgegensetzte. zu sprachen kam. da stellte sich Kohn ganz erstaunt, und. den Kopf ungläubig schüttelnd, fragte er: „Dem Sohn Ihres Saune wollen Sie Ihre Tochter geben?" Doch R. Jzig antwortete darauf: „Gerade weil er es nicht zugeben will, muß meine Tochter seinen Sohn Baruch zum Manne bekommen. Zu diesem Zwecke habe ich Sie rufen lassen, daß Sie mit der Mutter Baruchs sprechen. Der Schiduch muß mit oder ohne R. Mosche's Willen zu Stande kommen. Sie werden glänzend belohnt werden." Schadchen Kohn lächelte verstohlen, denn die Parthie war in seinen Augen so viel wie fertig. Er wußte, daß Baruchs Vater ein gutmüthiger Charakter, und daß er Niemanden lange böse sein könne, und R. Jzig gegenüber um so weniger, da er seit der letzten Choson Vereschith Affaire sehr stark im Schuldbuche R. Jzig's im Rückstände stand, da nicht er. sondern R. Jzig der Beleidigte zuletzt gewesen. An der Frau

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.