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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 27)
Language
German
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neue Heiligthum, sie aber, Hr unser Werden und Wachsen geleitet, sie sind nicht n«br: unser unvergeßlicher, heiliger Rabbi ist nicht mehr, der auf seinen Schultern getragen.' fast allein, die ganze Gemeinde; die ihm Helfer waren und treue Gefolgschaft, sie sind dahin. Aus tiefem Herzen quellende Dankbarkeit schlagt ihnen entgegen, die heute zu uns zu sprechen scheinen ron;un n-m nx an vni in Mir haben Euch gegeben KnL ö-ben und das Glück, daß Ihr befähigt seid, aus diesen engen Räumen in weite Hallen einzuziehen. Abschiedsstimmung! Diesem wogenden Meere von Empfindungen und Gefühlen laßt uns ein Leitwort suchen, auf daß die Weibe des Augenblicks sich wandle dauerndem Besitze. Unser Textetzwort sei uns dieser Führer, wie es schon einmal, vor nunmehr vierunddreißig Jahren, unserem Heimgegangenen Rabbi zum Anhalt gedient, als er unserem Gottcshause die WKHerede hielt. Es soll uns für die Belehrungen des alten und für die Pflichten des-neuen Gotteshauses der Mittler sein. Die Errichtung von Synagogen gehört freilich nicht zu den hauptsächlichsten Aufgaben, der indischen Gemeinde. Seitdem das Thorawort verkündigt ward: „An jedem Orte, wo Ich Meinen Namen anrufen höre, steige Ich hernieder, um zu segnen", bedarf Israel keiner herrlichen Prunkgebäude. um zu seinem Gotte zu beten. Für Israel ist Gott nicht eine nach Willkür herrschende Macht. die diirch Vermittelung von Priestern und durch inystifA Gebräuche erst umgestimmt werden must. Zwischen Gott und Israel besteht ein wc. ein Bündniß. wie zwischen zwei Bundesvarteien. von denen jede ihren Antbcil zu erfüllen hat. Tbut Israel seine Pflicht, die in der Befolgung der Lehre Gottes besteht, so thut auch Gott die Seine. Daher ist auch das Lehrhaus, die wichtigste Einrichtung der jüdischen Gemeinde. Trotzdem belehrt uns die heutige Sidrah, wie wichtig das gemeinsame Bekcnntniß dieser Bnndestreue ist. Ihr Alle, so heißt es in unserem Terteswort. die Bejahrten und die Kinder, die Vornehmen und die Niedrigen, alle vereint, alle zusammen. sollet Gott dienen. Aber das Gottesbaus erfüllt nur dann seinen Zweck, wenn in Wirklichkeit alle ohne Ausnahme gemeinsam an den Interessen der Gemeinde arbeiten. „Wir sind eine Gemeinde, die nickt durch einzelne Kraft ihres Reichthums, äußerer Würden oder Gelehrsamkeit Hervorragende ihre Wirkung ausiibt. Nur wenn Alle, ausnahmslos Allaemeinfam helfen, nur dann können wir vorwärts schreiten". Dies sei die Lehre des alten Gotteshauses. Auch die Pflichten des neuen Heimes deutet dos Tertwort an. Es heißt dort "pan. „Dich hinuberzuführen in den Bund." Nicht etwa zu kommen m den Bund oder zu bleiben in ihm, sondern hinubersühren, von der einen Seite zur andern, von einer falschen Auffassung zu einer richtigen, von unjiidifcher Lebensweise zur jüdischen Lebensführung. Das ist die Pflicht der Adaß Jisroel-Gemeinde, und. um dieser Pflicht genügen zu können, dazu sei hauptsächlich daS neue Hans errichtet worden. \ Ein Midrasch erzählt? „Als Moscheh zum Sterben kam, da ging er noch einmal zu all' den Statten, die seine Wirksamkeit geschaut, und nahm Abschied ypn^ ihnen. Er ging zum Meere, allwo er zum ersten ML vor den Augen der Völker die Wunder Gottes geübt! er stieg hinauf zum Berge, wo er die Tafeln des Bundes aus Gottes Hand empfangen; er schaute hinüber über die Wüste, durch die er vier Jahrzehnte ein ganzes Volk gefühkt. Und nun, da auch wir aus diesem Hause scheiden, treten wir noch einmal heran an alle die Stätten, die so viele Jahrzehnte hindurch uns in Treue gedient, und nehmen Abschied von ihnen. Wir nahen uns dem Orte, von dem aus unsere yat nhv .unsere Vorbeter, ihre Gebete zu Gott entsendet, und wir danken Dir, o Gott, daß Du uns Männer gegeben, die als würdige Abgesandte der Gemeinde Gottes-. furcht trugen im Herzen und Gottessreude auf den Lippen. Wir grüßen ihn zum letzten Male den heiligen. Tisch, von dem aus das Thorawort uns vorgetragen ward, und tmr geloben, wie wir es hier freudigen Herzens vernommen. auch dort es dringen zu lassen in unsere Seele. Wir umfasset, liebend mit den Blicken diese Redestättr. die uns unlöslich verknüpft ist mit dem Bilde unseres unvergeßlichen Rabbi, und wir geloben, unseren Kindern und Enkeln, die nicht begnadet waren, ihn zu schauen, von ihm zu erzählen, wie er unser Höchstes. unser Alles gewesen. Wir neigen uns in Ehrfurcht vor dem heiligen Schreine, wir bitten ihn um. Verzeihung, daß wir seines kostbarsten Gutes ihn berauben. und wir geloben, den Thorarollen ein schöneres, ein herrliches Heim zu bereiten. Und da wir Abschied genommen, ziehen wir hinaus. Der Talmud erzählt: So oft im Heiligthuw zu Jerusalem die Priester, welche den Dienst verrichteten. mit einander wechselten, sprächen die Scheidenedcn zu den Kommenden pss* kh mrr fpaa .jstw « ran o&n nnxi nanu eara „Der Gott, der über diesem Hause thront. Er lasse wohnen unter Euch Bruderliebe und Vrudersinn, Frieden und Freundschaft." Dieser Segensgruß. m. Fr., er geleite auch uns. Der Gott, der in diesem Hause gewohnt in unserer Mitte, Er lasse auch fürderhin weilen in unserer Gemeinschaft, Frieden und Glück, Liebe und Eintracht, Freundschaft und Treue: die Anmuth Gottes sei ausgegossen über uns. Glückseligkeit erblühe in unseren Herzen. Amen!" - < . . . ..... (Schluß folgt.) - .

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