Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Aettrursssachrtzhlerr u«d Correspondenzev. Deut s ch Va o b. Aus Bayer«. Am 31./August tagte in Ansbach, in der Wohnung des dortigen Distrikts-Rabbiners, Herrn Dr. P. K o h n, und unter seinem Vorsitze, die neunte freie Konferenz der bayerischen Rabbiner. Herr Dr. Cohn-Jchenhausen war verhindert an der Versammlung Theil zu nehmen. Herr Dr-. Werner- Miinchen erstattete den Bericht über die Thatigkeit des geschäftsführenden Ausschusses. Aus dem Berichte ging hervor, daß der Ausschuß zu jeder Zeit gzn rechten Orte die Interessen der bayerischen Judenheit vertreten hat. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Berathung über die Einführung des nunmehr im Druck vorliegenden Religionslehrbuches von Herrn Dr. Groß-Augsburg. Dasselbe, unter beständiger Mitarbeit einer Kommission der Rabbiner-Konferenz geschaffen, ist insbesondere für die vier oberen Klassen der bayerischen Mittelschulen berechnet. Rach dem Referat des Herrn Dr. S t e i n - Schweinfurt, in welchem die vielfachen Vorzüge des Religionsbuches hervorgehoben wurden, und nach eingehender Debatte wurde folgender Antrag des Herrn Dr. Werner angenommen: „In Rücksicht darauf, daß einzelne der. Herren Kollegen noch Bedenken gegen die Einführung des Religionsbuches für die bayerischen Mittelschulen haben, soll vorläufig von der Eingabe an das Ministerium, das Religionsbuch von Dr. Groß für ganz Bayern einzuführen, Abstand genommen werden. Vorerst sollen die einzelnen Rabbiner in Bayern, die gegen die Einführung des Buches kein Bedenken haben, in den Schulen ihres Bezirkes die Einführung desselben erwirken. Rach der Aufzehrung der ersten Auflage oder spätestens nach einer Frist von zwei oder drei Jahren, während welcher Zeit durch praktische Erfahrung die Einzelheiten des Lehrbuches von den Lehrern erprobt werden können, wird in der Konferenz der bayrischen Rabbiner das Buch noch einmal eingehend besprochen werden." Kollege Groß erklärt sich bereit, so weit als möglich allen berechtigten Wünschen entgegenzukommen und die heutige Konferenz gibt sich der zuversichtlichen Hoffnung hin, daß dann eine obligatorische Einführung des Lehrbuches für ganz Bayern erfolgen wird. Die überwiegende Majorität der anwesenden Rabbiner erklärt, die Einführung des Religionsbuches von Dr. Groß schon jetzt in ihren Schulen erwirken zu wollen. Eine Anregung des Israelitischen Lehrervereins, in einer von demselben gebildete dreigliedrige Kommission, welche die Förderung der Interessen der Religionslehrer bezweckt, drei Herren seitens der Rabbiner-Konferenz zu delegiren, wurde unter dem Ausdruck der Hoffnung auf ein gedeihliches Zusammenarbeiten, angenommen und die Wahl sofort vollzogen. Andere Anträge betrafen die segensreiche Aufrechterhaltung der religiösen Institutionen in den bayerischen Kultusgemeinden. Auf einen wohlmotivirten Antrag des Herrn Dr. Weinberg- Sulz bürg hin wurde beschlossen, die Schaffung eines einheitlichen Lesebuches für die israelitischen Elementarschulen Bayerns, unter Mitwirkung des Israelitischen Lehrervereins zu Bayern, in die Wege zu leiten. Nachdem noch Herr Dr. Ziemlich dem Bureau und besonders dem freundlichen Gastgeber. Herrn Dr. Kohn, im Namen der Versammlung Dank erstattet hatte, schloß diese, wie sie begonnen hatte, mit einem begeisterten Hoch auf unseren geliebten' Regenten. Auf ein an Allerhöchstdenselben gesandtes Huldigungstelegramm traf, zu Händen des Vorsitzenden, folgendes huldvolle Antworttelegramm ein: „Se. Kgl. Hoheit, der Prinzregent, entbieten den in Ansbach zur neunten freien Konferenz versammelten bayerischen Rabbinern für die an Allerhöchstdenselbcn gerichtete loyale Kundgebung freundlichen Dank. Hohenschwangau, 31. August 1904*. Auf allerhöchsten Befehl: (gez.) Freiherr von Wiedenmann, Generallieutenant, Generaladjutant." Oesterreich. Wien, 19.. Unter dem Eindruck des Ring- .tbeoterbrandes wurde h'.z Jahrd' 1881 hier die freiwillige Rettungsgesellschaft gegründet, die beute noch -höchst segensreich wirkt und in ihrer Art ein Musterinstitut genannt zu werden verdient. In der christlichsozialen Aera fühlten sich die leitenden Männer der Christlich-Sozialen gedrängt, dieser „liberalen" Institution eine waschecht „christlich-soziale" gegenüberzustellen. So entstand das Wiener „freiwillige Rettungskorvs", das die Einrichtungen der Rettungsgesellfchafj sorgfältig kovirte bis zur Uniform der Angestellten, so daß es den Anschein hatte, als lege es das Rettungskorvs darauf an, vom Publikum mit der Rettungsgesellschaft möglichst oft verwechselt zu werden. - Trotz aller Bemühungen kam aber das Institut der Christlich-Sozialen nicht auf einen grünen Zweig und heute steht es vor dem Konkurs, der, wie man sagt, durch unordentliche Leitung hervorgernfen worden ist. Seit einiger Zeit schuldet das Rettungskorps seinen Aerzten, Sanitätsmannschaften und Kutschern den größten Theil der Gehälter. Die Schuldenlast soll sich auf 15,000 Kronen belaufen. Die Gläubiger haben die Verhängung des Konkurses beantragt. Dieses Ansuchen wurde wegen Mangels eines Aktivums abgewiesen, dagegen wurden die Akten der Staatsanwalt- . schast übergeben zur Einleiung einer Untersuchung gegen die Leiter des Korps wegen fahrlässigen Bankerotts. *