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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 26)
Language
German
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1616 Die weitbogige. große Kuppel, welche den Synagogenraum überwölbt, zeigt in ihrem unteren Gesimse Ventilations-Oeffnungen (wie sie auch der holzgedielte und von Marmortarrazo-Gängen durchzogene Fußboden aufweist), in ihrem oberen Theile einen Kranz von 18 Lichtfenstern und ausdrucksvolle, künstlerisch ausgeführte Malereien, aus deren Centrum der mächtige Kronleuchter herabhängt, der bei einem Durchmesser von 41/2 Meiern aus nicht weniger wie 78 Glüh- und 4 Bogenlampen sein reiches Licht spendet. Den unteren Abschluß dieses imposanten Paradestücks ornamentaler Technik bildet ein Glaskorb aus Opalglasgesteinen in elektrolytischer Kupferfassung. Die großen Fenster tragen in wirksamer Buntmalerei zahlreiche jüdische Embleme, die Gesetzestafeln, Menorah, Schausorous u. s. w., u. s. w. Fassen wir den Eindruck zusammen, den das Ganze auf uns macht: die Synagoge ist ein Gedicht in Stein, ein Gedicht, das eine Idee durchzieht, von vollendetem Rhythmus und lieblicher Form. Ein Kunstwerk, wie es die Bauwerke alter Zeit sind, da man noch nicht mit Stuck und unechtem Material blendende Effekte zu erzielen suchte, die an Theaterdekorationen erinnern. Bis in die kleinsten Einzelheiten waltet ein vornehmer Geschmack, auch das scheinbar Nebensächlichste, das in den Hintergrund gerückt ist und sich dem ersten Blick entzieht, ist liebevoll herausgearbeitet und reiht sich würdig an das Ganze. Nirgends Flitterstaat und Scheinwerk, überall Vornehmheit und das für die Dauer in seinem-Werthe Verharrende fehlte. Das alles war aber eben nur möglich, weil Mitglieder der Gemeinde in mühevoller, opferfreudiger Arbeit die innere Ausgestaltung und Ausschmückung heriethen und überwachten, weil sie es sich nicht nehmen ließen, auch an dem scheinbar Unbedeutenden zu feilen und zu bessern, weil die sachverständigen und berufenen Beurtheiler innerhalb der Gemeinde mit ganzem Herzen und ganzer Seele bei der Sache waren. (Wir nennen nur unter Vielen den hiesigen Inhaber der Firma Lazarus Posen Wwe., Herrn Moritz Posen, dessen Kunstverstäudniß und erlesenem Geschmack viel zu danken ist.) Und wie im Steine die Innigkeit und Opferfreudigkeit des Gemeindelebens der Adaß-Iisroel verewigt ist, so waren auch die Tage des Abschieds von der heiligen Stätte, an der die Gemeinde drei Jahrzehnte gebetet und des Einzugs in die neue Synagoge voneiner Stimmung begleitet, die nur miterlebt und mitempfunden aber nicht beschrieben werden kann. Der greise Synagogenvorsteher, der Mitbegründer der Adaß-Iisroel, der seit dreißig Jahren mit Rath und- That an der Spitze der Verwaltung gestanden und vor allem als „Schulgabbe" sein Wissen und Können, seinen eminenten Fleiß und seine Energie eingesetzt, Herr Professor Dr. Berliner, die beiden jugendlichen Führer der Gemeinde. Sohn und Neffe unseres Heimgegangenen Rabbi Israel Hildesheimer s. A., die die unendliche Fülle der Gaben und der Bethatigung des Verewigten, seine Energie, seinen Fleiß und seine Menschenliebe gemeinsam zur Entfaltung bringen und so wackere Vorkämpfer für die Gemeinde sind, Herr Rabbiner Dr. E. Munk und Dr. M. Hildesheimer, sie alle fanden Worte, die ergriffen, erschütterten und dem Herzen sich eingruben für alle Zeiten. Am letzten Sabbat des Jahres erschienen alle Gemeindemitalieder in der alten Synagoge, und Herr Dr. M. Hildesheimer hielt folgende Abschiedspredigt: oytsatf «VN va'pdx .i vvtzv bm mxj cnx bnie" e>'rr Danmpi 22'5j)7. - „Ihr Alle steht heute vor dem Ewigen, Eurem Gotte, Eure Führer und Eure Stämme, Eure Vornehmen und Eure Amtsleute, alle israelitischen Männer/ wto *n irm "pay1? cvn *py rro "pp1?» n ick „Dich in den Bund des Ewigen, Deines Gottes, einzuführen und in Seinen Eidschwur, den der Ewige, Dein Gott, mit Dir heute geschloffen hat." Meine Freunde! Jene machtvolle Rede, mit welcher der sterbende Mosche aus dem Leben und von seinem Volke schied, welche das Buch in seinem ganzen Umfange ausfüllt, wird, deutlich erkennbar, durch die heute vorgetragenen Schriftabschnitte in zwei Theile zerlegt. Bisher hat Mosche die Vergangenheit dem Volke wieder aufleben lassen; in den späteren Sidraus läßt er die Zukunft vor ihren Blicken erstehen; die heute vernommenen Kapitel sind der Gegenwart gewidmet. Von seinem eigenen Empfinden Angesichts des nahenden Todes erzählt Mosche. - Durch seine Stimme zittert es wie von verhaltenem Weinen, da er zum Volke spricht: sab: “ny tex xb „Nun werd' ich nicht mehr bei Euch aus- und eingehen"; wehmüthige Schauer ergreifen aller der Männer und Frauen Seelen, da er ihnen zuruft: waw onrr Ihr steht lebensvoll und markig vor mir, und sie dessen gedenken, wie all' ihr Werden und Wachsen nur der Verstorbenen und des Sterbenden Werk sei; ihrem Herzen entquillt .heiße Dankbarkeit, da sie Mosche gemahnt: wo nx") men rjn n«nn nx crct i'xb „Ich gab Euch das Leben und das Gut"... Abschiedsstimmung lagert über dem Volke! - Abschiedsstimmung. m. Fr., durchfluthet auch diese heiligen Räume; nur wenig Stunden noch, und wir ziehen hinaus aus ihnen; vereinsamt werden sie stehen, die ein Menschenalter hindurch frommen Betern zur Andachtsstätte gedient. Durch unsere Stimme zittert es wie von verhaltenem Weinen, da wir sprechen: «irtzi «06 ny byx xb „Nun werd' ich nicht mehr eiaziehen und ausgehen bei Dir." Wehmüthige Schauer ergreifen uns die Seele, da wir gemahnt werden: enx rc» Wik ziehen lebensvoll und markig ein in das

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