Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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45. Jahrgang. Me Arik, zu M 76 L 77 des ,HsrsM. (( Die Weihe öer neuen Synagoge der Aöaß-Iisroel-Gemeinöe zu Berlin. ii. Der Bau der neuen Synagoge wurde der Adaß- Jisroel-Gemeinde nur ermöglicht durch die hochherzige Schenkung eines Gemeindemitgliedes, des seligen Israel Keßler. Doch erst durch einen Beitrag aus dem Vermögen der Gemeinde und die Opferwilligkeii einer Reihe von Gemeindemitgliedern gelang es, den Bau so herrlich zu gestalten, wie er nun in seiner Vollendung ror uns steht. Das 1940 Quadratmeter umfassende Grundstück ist mit drei Gebäuden besetzt, einem Vordergebäude. das für Wohnungen bestimmt ist, einem Quergebäude, das sich das Rabbinerseminar miethsweise eingerichtet hat und der Synagoge. Betreten wir von der Straße aus durch das große, gußeiserne Thor den Gebäudekomplex. so finden wir linker Hand des Hauptganges die aus einem Wartezimmer, dem Sekretariat und dem holzgetafelten R. Präsentantensaal bestehenden Bureauräume, sowie das Nabbinatszimmer zur Aufbewahrung der Akten, zu Rabbinats-Sitzungen behufs ritueller Besprechungen u. s. w., das zugleich als Konferenzzimmer für das Lehrerkollegium der Religionsschule gedacht ist und in Verbindung mit den beiden ebenda untcrgebrachten Unterrichtsräumen steht. Der rechte Flügel des Bordergebäudes enthält eine Anzahl von Wohnungen. Wir kehren in den Hausgang zurück, den wir passiren, und stehen im ersten Hofe, vor dem Rabbiner-Seminar, über dessen Fenstern die Devise der Anstalt: 'poii 7~rnx -V" am inm (Auf allen Deinen Wegen suche Gott, Er wird Deine Wege ebnen) angebracht ist. Wir besichtigen im Parterre die beiden Unterrichtsräume sür die Religionsschule der Adaß-Jisroel. die mit Vortragspult, Tischen, Stühlen und Bänken ausgestaltet sind, in der ersten Etage das Rektoratszimmer und den Konferenzsaal für die Dozenten des Rabbinerseminars, einen Hörraum. im zweiten Stockwerke zwei weitere Auditorien mit geräumigen Repositorien für Nachschlagewerke. eine Treppe höher die Seminarsynagoge und die Bibliothek, und befinden uns nach Ersteigung einer Anzahl weiterer Stufen auf dem geräumigen, umgitterten Seminardach, das. in einen Garten umgewandelt. nicht nur einen angenehmen Aufenthalts¬ und Erholungsort bilden, sondern auch zur Errichtung von Laubhütten einen recht geeigneten Platz abgeben wird. Der rechte Seitenflügel an dem ersten, durch Gartenanlagen verschönerten Hofe wird von der Miklvah eingenommen, unter der sich die Kelleranlagen mit den Zufuhrröhren und die Pumpen zur Grundwasser-' Anlage für das Tauchbad in direkter Verbindung mit diesem befinden. Die Mikwah, in welche von der Straße ein völlig gesonderter Eingang führt, besteht aus einem großen Warteraum und sechs geräumigen, mit Kacheln belegten Zellen, deren jede ein Tauchbad enthält. Die ganze ebenso praktische, wie vornehm gehaltene Anlage dürfte kaum ihres gleichen haben und erregt die gerechte Bewunderung jedes Beschauers. Rach Durchschreitung des zweiten, mit einem Blumen-Rondell geschmückten Hofes gelangen wir zur Synagoge selbst. Durch zwei kuppelüberwölbte Vorbatlten, welche die beiden Seiten flankiren, steigen die Treppen zu den Fr.auen-Gallerien empor; drei breite Thüren bilden den Eingang in die Männer-Abtheilung.» Das große Mittel-Portal, das nur an Sabbaten und Festtagen geöffnet sein wird, führt in eine, zur Abhaltung von Trauungen bestimmte, von dem eigentlichen Betraum durch buntbemalte Fenster gesonderte Vorhalle, deren Vereinigung mit dem Synagogen- Jnneren im Falle späteren Raummangels eine Vergrößerung um 50—60 Plätze ermöglicht. Durch die beiden Seitenportale gelangen wir zunächst in die Garderoben-Raume und von hier durch drei Flügelthüren in das Innere des 430 Männer- und 320. Fraüensitze fassenden Gotteshauses. In der Mitte erhebt sich der vollständig aus weißem Marmor hergestellte, prachtvoll ausgeführte und so von allen Punkten des Gotteshauses sichtbare Almemor, zu dem je fünf Marmorstufen emporführen. Die durchbrochenen Seitenwände sind mit Bronzegitter und Vronzelaubketten verziert, zwei Marmorsäulen an den Ecken zur Ausnahme des Thoraschmuckes bestimmt; die beiden marmornen, reich ornamentirten Vordersäulen tragen zwei schwere neunarmige Leuchter. Als ein Meisterwerk orngmentaler Skulptur präsentirt sich der die heilige Lade umschließende, vollkommen aus griechischem Marmor ausgeführte Aufbau, zu welchem auf beiden Seiten geschwungene Treppen aus Marmor führen, flankirt von künstlerisch verzierten marmornen Säulen und reichen Bronze-Kandelabern, das Ganze gekrönt von einem Kuppelbau; auf der Empore fünfarm ige Jahrzeit-Leuchter im Empirestil, zu beiden- Seiten des Aron hakodesch dreiarmige elektrische Lichtträger. Die zwanzig Thorarollen selbst stehen in vier Etagen gruppirt. Eine mächtige Kuppel mit effektvoller Malerei, bildet den wirkungsvollen Abschluß des Aufbaues. Zierliche Bronzegitter mit reichen Laubranken aus dem gleichen Metall, sowie ein feines, weitmaschiges Drahtnetz schließen die Frauen-Ggllerien ab.