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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 19)
Language
German
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i. IMS selbst beliebt machend Ja, aber wie und wodurch? O, der fühlende Mensch, dem Freundschaft und Menschenliebe ein Bedürfniß ist, wollte ja gerne sein Herz hingeben, um die Menschheit an sein Herz zu drücken; er wollte ja gerne offnen die Pforten seines Herzens, um dir Menschheit liebend in dasselbe aufzunehmen — aber, werden sie sich ihm zuwenden, bleibend zuwenden, die leicht zu erobernden, aber schwer an sich zu fesselnden Mitmenschen? W i e und w odurch? Ist Reichthum, ist Gold der Schlüssel, der uns die Menscheuherzen öffnet? Ist Goldesglanz der lockende Schirumer, der uns die Mcnschep zu führt? ~ O nein und abermals nein! Nicht ein Fünkchen von Freundschaft. von. wahrer beseligender Freundschaft kaufst du dir für Geld und Gut; nicht ein Herz erwärmst du in Liebe für dich durch die Strahlen deines wohlverwahrten, glänzenden Reichthums; höchstens ein kaltes Lächeln, ein eisiges Wort der Bewunderung, ein etwas harter Händedruck — aber wahre Freundschaft, re^ine Zuneigung nicht! Da heißt es: ^2 r» sw n» £ w2' ra rer»« m'2 pn (Cant. Cant. 8, 7.) „Und gäbe Jemand sein ganzes Gut, um Liebe zu erkaufen, man würde ihn darum nur verspotten!" Geh', nimm dein Gold zurück,, sie ist nicht feil um Gold, die reine, wahre Liebe der Mitwelt. Geh' und sieh', wie dort ein Armer, dessen Hütte nie von Goldes Glanz umflossen ward, sich selih und glücklich fühlt durch die Liebe der Mitwelt, die m reichem Matze ihm beschieden ist. — Oder, willst du den menschlichen Schwächen Weihrauch streuen; willst du ein Lächeln für alle Welt, für die G u t e n, wie fiir die B ö s e n. auf den Lippen tragen, auf d"ß alle Welt dir gut sei? Willst du dein Herz und deine Hand allen Menschen reichen; allen Menschen warm die Bruderhand drücken, gleichviel, ob sie rein, oder von Untugend, vom Laster befleckt ist, um so mit dem ewigen Lächeln auf den Lippen dir die Gunst der Menschen im Allgemeinen zu. erringen? — Sieh', auch das ist ein Irrweg, auf dem du nie zur wahren Liebe der Mitwelt gelangst. Du wirst dir wohl manchen Freund, manches liebevolle Wort erwerben, aber es wird dies eine Liebe der Bösen; es wird eine Freundschaft werden, die das Tageslicht scheut; eine Liebe der Heuchler und Schmeichler, der Speichellecker und Schleppträger, um derentwillen dich die Guten und Edlen verachten werden. ns« to pw 'b nur w sagt der Prediger (Cant. Cant. 8, 1.) in seiner Sehnsucht nach einem wahren und aufrichtigen Freunde: „O, wärest du mir ein Bruder; o. trügest du warme Bruderliebe für mich im Herzen!" Jedoch heische ich eine solche Freundschaft, die das T a g e s l i ch i nicht scheut, deren ich mich nicht zu schämen habe, pro "]kxsk ■prx „Ja. ich will, wenn ich dir im Angesichte der Welt den Bruderkutz auf die Lippen drücke," uv bj iv»', „daß man mich darob nicht verachte!" (ibid.) Ja, wenn ich die Liebe der Mitwelt heische, so ist. es die Liebe der R e i n e n, nach der ich mich feHie; den kalten, frostigen Kutz des Heuchlers, den eisigen Händedruck des Grmüth- und Fuhllosen, die Gunst der Herzlosen — ich mag sie nicht; ich kaufe sie nicht um den Preis der Heuchelei; ich mag ihr Liebling nicht sein! Und doch, mein Bruder! hast du ein Kleinod, wofür du dir die Liebe der reinen, guten Mitmenschen erkaufen kannst — dein Herz ist der Quell deiner Glückseligkeit — das wende der Mitwelt in W a h r - heit und Reinheit, in schlichter. Offen heit zu; was d.cin Herz dir selbst an Seligkeiten bietet, das lasse auch der Mitwelt Zuströmen. Bist du glücklich, so beglücke auch Andere. Wenn du selbst uw, glückselig bist, glücklich in jeder Lage deines Lebens, glücklich durch dein Herz, durch dein G e m ü t h — so ist dies noch nicht genug. npsc. Von dem wahrhaft Glücklichen sagt man: «nb rwep „Trockenes Brod' gilt ihm als Leckerbissen", sw „wenn er nur geben kann", *jVö vwo sw uim „wenn er Andere königlich bewirthen kann!". (I. B. M. 49, 20.) Der wahrhaft Glückliche wird gerne auf so manchen irdischen Genuß zu Gunsten Anderer verzichten*). Beselige die Mitwelt, wenn du selber selig bist. Wie in dem Worte tok dir eine unendliche Quelle von Seligkeit bereitet ist, so sollst und mutzt du auch deine Mitwelt zu beseligen streben. Zu beglücken und zu beseligen sei dein schönstes Ziel, dein höchstes Streben. Dazu bedarfst du des Reichthums nicht; ein theilnehmendes Herz, ein liebevoller Blick, ein freundliches, tiefempfundenes W o r t be- - seligt und beglückt oft mehr, als eine verletzend dargereichte Gabe. Mitleid und Mitfreud in Wort und T h a t, das führt dir die edlen Herzen zu und macht dich zum vnu in zum „Liebling deiner Mitbrüder!" m. ftn fctw bsiv:' „ Und taucht in Oel seinen Fuß." Wo ist das schöne, herrliche Land, in den» Ströme von Oel fließen, daß sie den Fuß des Menschen netzen? Es ist nicht mehr das Land, wo Milch und . Honig fließt; die Strome des Ueberflusses sind versiecht; die Stürme der Zeiten haben sie mit Staub be- - deckt. Doch wie soll das Wort des unsterblichen Moses zur Wahrheit werden, was soll es sein, das dich mit leuchtendem Glanze umfließt, du Glücklicher unter den Menschensöhnen, wenn die Oelstrome versiegt sind, in dcuen du deinen Fuß netzen solltest?! Was es sein ‘ soll? — O. es gibt köstlicheres, als-Oel, dasdrn,/: „ •> Hier sei ein edler HeyenSzua meiner gottseligen Mutter erwähnt. Sie »siegte die.feinsten Leckerbissen für arme Kranke zu bereiten und so oft wir. ihre Kinder; etwa» verlangten, antwortete sie gewöhnlich.- Hhr könnt Brot essen, die arme« Kranken müssen wir erfrischen und erquicken."

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