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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 18)
Language
German
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lebens Nichts? Ist dies auch eitel? Ist anspruchslose Zufriedenheit eitel? Ist das beseligende Bewußtsein erfüllter Lebenspflichten R i ch r s? Ist, am Abende des Lebens, der Rückblick auf ein thatenreiches, Gott — und Menschen gefälliges Leben Nichts? Ist die schlichte Vürgerkrone, die uns die Mitwelt dankend auf die Stirne aufsetzt, eitel? — Nein und nochmals nein! Das Leben ist nicht leer an wirklichen Freuden, an wahrer Glückseligkeit. Noch blühen der wahren; irdischen Seligkeit unverwelkbare Rosen im Garten dieses Lebens; noch hat das Leben wahre Freuden, um derentwillen es sich lohnt, auf Erden zu leben. So lange es ein Familienband, so lange es ein F r e u n d e s h e r z, so lange es Gelegenheit zum Wohlthun gibt, ist noch nicht Alles eitel auf Erden. Ja, ich möchte das Wort des Predigers in d e m Sinne deuten: virn uroi p» nonan fo „Dann erst schwindet der Vorzug des Menschen vor dem Thiere"; dann erst sinkt des Menschen Leben zum thierischen Dasein herab, dan b a n '3 „wenn du den Grundsatz hast, wenn es fest stünde, daß Alles eitel 'ist!" — O, mein Bruder, meine Schwester! Es gibt nichts - verderblicheres für die menschliche Gesellschaft, nichts verwerflicheres für den Glauben, als dieser schnöde, Alles vernichtende Grundsatz: fcn Van „Alles ist eitel!" Dieser Grundsatz ist der frostige Hauch, der die schönsten Herzens- und Geistesblüthen zerstört. Dieser Grundsatz greift mit frevelnder Hand in Euer innerstes Heiligthum und. wirft die schönsten Bilder Eurer Glückseligkeit, die die Hoffnung, die die Liebe, die der G l a u b e mit ihren schönsten Farben ausmalt, in den Staub. Dieser Grundsatz zerreißt die Bande, die uns an die Erde, aber auch an den Himmel fesseln. Wenn Alles eitel ist, dann wäre ja auch das Himmlische ans Erden Tand und Trug, dan t»an ist entweder die Sprache eines Uebersättigten. der den Becher des Genusses mit der Hefe getrunken; der aus dem Rausche der Sinnlichkeit noch nicht zum Erwachen gekommen: — oder es ist der Ruf der Verz w ei fl u n g. mit dem der Gottlose die Stimme . seines Gewissens betäuben will. Wem der Glaube ein Märchen, wem Freundschaft Heuchelei, wem Bnrger- .pflichten Possen sind, der gießt über Alles, was schön und groß, was hehr und heilig ist, was Menschenherzen mit Seligkeit erfüllt, die Alles zersetzende Lauge seines Spottes und schreibt über dem Eingang seines, von allert guten Engeln verlassenen Herzens die große philosophische Lüge: „Alles i st eitel!" Nein, es ist nicht Alles eitel. Viel des Schönen und . Großen, diel der.wahren Seligkeiten birgt das Leben in. seinem Schooße. Aber.du mußt die G l L ä s e l r g- . k e i t. nicht draußen auf dem geschäftigen, geräuschvollen Markte des Lebens suchen —■ du hast nicht weit zu gehen, um sie zu suchen, fie liegt in dir. Glückselig mußt du dich fühlen tonnen. Aus den Blumen des Gefühles allein nur windest du dir den Kranz der Glückseligkeit. 'Two sprach die zartfühlende Mutter L e a h — und die Weisen fügen erklärend hinzu: '2 TOK2. Die Glückseligkeit liegt in mir!" Ob Tausende mit dem Leben gebrochen haben; ob Taufende die Erde als ein großes Leichenhaus be trachten, wo alle Freuden ausgestorben, wo jede Seligkeit bloßer Schatten ist — mir im Herzen blühen taufenb Freuden, tausend Seligkeiten, die durchs ganze Leben und über das Leben hinaus reichen. 'ipK2 ist das Losungswort im Kampfe mit de.r Schicksals Mächten. Du mußt'dein Glück in dir, in deinem Herzen, in deinem Glauben an Gott, in deinem Glauben an die Menschheit tragen. Von Außen nach Innen kann deine Glückseligkeit nicht kommen; es muß der reine Strom deines Gefühles aus deinem Herzen fließen und den Lebensboden befruchten, auf daß dir die Rosen wahren Glückes erblühen sollen. Nur wenn Du sagen kannst: '21 v» new3 „Die Glückseligkeit liegt in mir" verdienst du den Namen 'venu „Glückseliger!" und geht das Wahrwort an dir in Erfüllung ne-n v'Zrv ■jna „Gesegnet unter den Söhnen ist Aßcher!" II. wiK *iin 'rr „Er sei der Liebling seiner Mitbrüder!" Schönes, beneidenswerthes Loos, geliebt von der Mitwelt, geehrt von den Mitmenschen, mit tausend süßen Liebesbanden umgeben, von tausend weichen Freundesarmen umfangen zu werden. Schönes, beneidenswerthes Loos, den lauten Herzschlag zu hören, mit dem warme Freunvesherzen uns entgegenschlagen. Liebe und Freundschaft in vollem Maße zu geben, in vollem Maße zu nehmen. Schöner erscheint uns die Welt, voller athmet die Brust, reiner blickt das Auge, wenn wir in den Blicken unserer Mitmenschen Liebe und Freundschaft für uns lesen. Ja. fürwahr, es konnte Moses die Segnungen des "Vrr.des Glückseligen. des^v'Zav ynz „des Gesegneten unter den Söhnen" nicht trefflicher in 'einem einzigen Wunsche aussprechen, als indem er ibm wünscht: mx 121 w „Möge er der Liebling seiner Mitwelt sein!" Aber, wie ist dies köstliche und doch so leicht zu verlierende Gut zu erkaufen? M e n s ch e n g u n st. jene weichen, warmen Fittiche, auf denen es sich so sanft ruht; auf denen wir uns so sanft-getragen fühlen von denen wir aber auch so unsanft herabgestürzt werden können?! Die L i e b e der Mitwelt, wie ist sie zu erwerben? Große Frage! die nur Erfahrung beantworten kann. Kurz, mit drei Worten nur erklären uns die Weisen im Talmud diese Stelle vv i™ rw wi» „Er möge sich der Mitwelt

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