Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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ik. MM76tr77dss 59< « Salomo und Moses. predigt am N'Lkp '2DV-Schlußfeste. Boa 3» H. Schwarz, Rabbmeru. Prediger in Kladno. bp ban& Vp ba nt pcn neyn „Und der große, weise König Salomo stand auf, erhob sich vom Altäre, allwo er, seiner irdischen Größe sich entschlagend, vor dem allerhöchsten Wesen im Staube lag, überblickte die zahllose Menge der Andächtigen, die ihn umstand, und gab ihnen mit lauter Stimme den Segen!" (Könige I, 8, 54.) „Welch ein schönes, beseeligendes Gefühl, Tausenden von Frommen, die, mit dem Himmelsfunken der Andacht im Herzen, die Häupter ehrfurchtsvoll verneigen, den väterlichen Segen zu ertheilen. Welch Herz, erhebender Anblick, Segen ertheilen und Segen empfangen zu sehen! — Was ist aber auch ein Mensch, daß er sich unterfangt, Segen zu ertheilen, was ist von menschlichen Segensprüchen zu erwarten, daß wir so gerne das Haupt neigen, um sie zu empfangen? so fragen wir uns oft. Und doch ist's und bleibt's eine schöne, alte Sitte, ein schöner,'frommer Brauch in Israel, Segen zu spenden ^und Segen zu empfangen. Es erscheint der Segnende uns als ein Himmelsbote, der uns den höchsten Segen bringt. Wir fühlen uns geweiht und geseiht durch den Segen eines liebenden Vaters, einer frommen Mutter, durch den Segen eines würdigen Priesters, durch des ehrwürdigen Greises Hand. Lasset uns immerhin den frommen Segens- Worten lauschen, die wie sanfter, frischer Himmelsthau auf unsere Häupter sich herniedersenken. Lasset uns das schöne, hehre Bild des segnenden Salomo festhalten, wie es beute in der Haphtora vor unsere Seele tritt. Zugleich tritt ja auch morgen das strahlende Bild des großen, unsterblichen Moses vor uns. wie er. schon umstrahlt von der Glorie des Jenseits, seinen geliebten Glaubensbrüdern den Segen ertheilt. Beide, Heldenbilder unserer Geschichte; Beide, beseelt von. den Wünschen. Israel groß und glückselig zu wissen. Kurz und im Allgemeine» segnet Salomo — einzeln, nach den Stammen. ertheilt Moses seinen Briidern den Segen." Bei dem Ätzten, der gleichsam den Schlußstein dieses schonen, geistigen Prachtgebäudes bildet, nämlich bei Ascher, wollen wir heute etwas langer verweilen. *»* mso ^„Gesegnet unter den Söhnen ist A s ch e r"; ran w „Er sei beliebt bei seinen Brüdern," 'hrt juta bz«i „und tauche seinen Fuß in Oel!" d. h. er wandle stets im Ueberfluffe?) Wie müssen wir leben, auf daß wir Alle dem Ascherstamme angehören und der Moses-Segen an uns in Erfüllung gehe? Mit Gott die Frage, mit Gott die Antwort. Amen. ■ . 1 '] ' * 8220 *jna „Gesegnet von allen Söhnen sei Ascher!" Im Uebermaße von Freude, wonneberauscht von den Empfindungen einer nie geahnten Seligkeit, sprach einst ein gottgesegnetes, sich glücklich fühlendes Weib, die fromme Lea, das Wort: tob „Nun fühle ich mich glücklich!" Und gleichsam, als wollte sie dies Uebermaß von Glück, diese innere tiefempfundene - Seligkeit auf immerdar auf das geliebte Wesen übertragen, nannte sie es — Glücklicher! Seit- dem tragen gar viele Menschen diesen Namen und fühlen sich nichtsweniger als glückselig; tragen einen rosigen Namen auf der Stirne und Dornen im Herzen — und dieser Name scheint ihnen eine Ironie auf ihr Schicksal, eine Satyre auf ihr Mißgeschick zu sein. — Fragt.man nun solche Menschen, die zerfallen mit sich selbst durch' Leben gehen,.ob.und wie es möglich wäre, nicht nur iv» zu heißen, sondern auch zu sein, sich glücklich zu fühlen im Leben? — Sie werden vielleicht mit N e i n! antworten. Was ist Glückseligkeit? werden sie sagen. Glückseligkeit ist eine liebliche Täuschung, ein glänzendes Traumgebilde, das mit-dem Morgenlichte einer besseren, klären Einsicht verschwindet. Glückseligkeit ist ein liebliches Märchen, mit dem die Welt ihre kleinen und großen Kinder in den Schlaf der Sorglosigkeit wiegt, um sie bald umsonst erwachen zu lassen. Glückseligkeit ist eine Himmelstochter, die n i e auf Erden ihren Sitz aufschlägt. Glückseligkeit ist eine schöne Blüthe ohne Frucht. Was wir auf Er< den Glückseligkeit nennen, ist eitel Tand und Wahn — so hört man Diele sprechen und die Wahrheit ihrer Behauptung suchen sie durch des Predigers Wort zu bekräftigen, das da lautet: «a prr nanan jo du« nmn bzn bsn „des Menschen Vorzug vor dem Thiere istnichtig; denn Alles ist eitel!" (Prediger 3, IfU Wohl tbat der weise Davidssohn gar manch* ähnlichen Ausspruch, als Folge eines überfälligen, -enussesmuden Gemiithes. Aber dagegen, daß Alles eitel ist, wollen und müssen wir uns. meine Bruder und Schwestern! schon verwahren. Was wäre dgs Dasein, wenn es Nichts im Leben gäbe, das das Herz mit wahrer Glückseligkeit, mit reiner, bleibender Wonne erfüllen könnte? Wofür lebten wir und trugen des Lebens Dornenkrone, wenn das Leben nicht auch unverwelkbare Kränze für uns in seinem Schooße bergen wurde? Ist stilles Glück des bescheidenen Familien-