Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1601 früher Lberstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung baldigst zu überreichen. Bezirks Kommando Heidelberg. Es können sich mithin nur junge Leute für die Schule melden, welche einen Konfirmandenschein besitzen oder sich über Empfang der ersten Kommunion ausweisen. In Baden werden die Juden nicht, wie in Württemberg oder Sachsen-Weimar und Meiningen etc., konfirmirt, mithin haben sie auch keinen Konfirmandenschein. Allerdings sind durch die Bekanntmachung nicht nur Juden, sondern auch Konfessionslose und Angehörige von anderen Religionsgemeinschaften als der beiden Hauptkirchen, ausgeschlossen von der Anmeldung zur Unteroffizierschule und man wird daran zweifeln, daß hier etwa auch wirklich die Absicht des Ausschließens vorliegt. Windsheim (Mitkclfrankcn), 12. Sept. Am vergangenen Ereb Rosch-Haschono waren es 25 Jahre, seit Herr Lehrer Strauß sein Amt als Religionslehrer dahier angetreten, und ließ es sich die Verwaltung der ist. Kultusgemeinde nicht entgehen, dem Jubilar zu diesem Tage eine festliche Ehrung zu bereiten. Herr Vorstand. Moritz Walter, würdigte die Verdienste des Jubilars um die hiesige Gemeinde, indem er insbesondere noch dessen Beliebtheit bei allen Konfessions-Angehörigen dahier hervorhob und überreichte als Zeichen der Anerkennung Namens der Kultusgemeinde einen prachtvollen silbernen Pokal mit entsprechender Widmung. Der Festakt, zu dem sich sämmtliche Gemeinde-Angehörige eingefunden hatten, wurde noch durch weitere Vorträge verschönt und war ein beredtes Zengnitz für das geradezu musterhafte Einvernehmen zwischen Gemeinde und Lehrer während dessen ganzer Amtsdauer. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, in gleicher Frische auch das 50-jährige Jubiläum dereinst feiern zu können! England. London, 20. Sept. Das Versöhnungsfest veranlaßte gestern einen großen Krawall in dem von 18.000 Juden bewohnten Staditheile Spitalfields. Russische Juden hatten dort vor drei Monaten einen sozialistischen Klub eröffnet, der kürzlich eine dicht nebcn einer Synagoge belegene Filiale erhielt. Die sozialistischen Juden aßen und tranken gestern in ihrem Klub und fuhren Nachmittags demonstrativ einen Wagen mit Eßwaaren durch die Straßen, rauchten auch dazu. Dies reizte die gläubigen Juden zu Thatlichkeiten auf. Die Sozialisten flüchteten in ihre Klubhäuser, verbarrikadirten sich daselbst und warfen Flaschen und ähnliches auf die anstürmenden Gläubigen. Auch einzelne Hauser, wo jüdische Sozialisten wohnen, wurden^ angegriffen. An .dem Straßenkampfe sollen 2000 Jude» beiheiligt gewesen sein. Die Polizei mußte ihre Knüttel gebrauchen, um Ruhe zu schaffen. Sie sperrte olle «stoßenden Straßen ab. Nach unserer Meinung ist das Verfahren der das Versöhnungsfest feiernden Londoner Juden auch sehr zu verurtheilen. Red. d. «Israelit*. Rußt an d. Petersburg, 16. Sept. (Dis Judenhetze in Smela.) Laut Berichten hiesiger Blatter sind bei der Judenhehe in Smela vom 4. und 5. September gegen 50 Juden mehr oder weniger schwerverwundet worden, von den Ruhestörern keiner^ da bei der Ankunst des Militärs alles auseinanderlief. Etwa 250 Juden sind obdachlos. ~ Gegen 100 Läden wurden ausgeraubt. Bisher sind 80 Ruhestörer verhaftet. Die Polizei ist beschäftigt, das geraubte. Gut aufzusuchen. In das Handwerkeramt werden ganze Ballen von in jüdischen Häusern und Läden geraubten Sachen eingebracht. Es heißt, daß auch Arbeiter und Meister von der Station Bobrinskaja an der Plünderung Theil nahmen. Smela gehört dem reichen Grafen Bobrinski und ist einer der reichsten und besteingerichteten Flecken des Sühwestgebiets. Es hat zwei große Zuckerfabriken und etwa 25.000 Einwohner, wovon die Hälfte Juden sind. Türk et. Constantinopel. Die neuen Gebäude des jüdischen. Seminars in unserer Stadt werden bald ihrer Bestimmung übergeben werden. Die Gebäude sind auf einem Hügel an der asiatischen Seite des Bosporus und an der romantischsten Seite der Hauptstadt gelegen. Der Grundstücklauf, welcher fast 20.000 Frs. kostete, wurde durch die Beihilfe unserer Glaubensbrüder in London ermöglicht, denen das Seminar durch Madame Elias Pascha, Gattin Sr. Excellenz Bice-Admirgl Dr. Elias Pascha Cohen, empfohlen war. so spendete die Anglo-Jewish-Association Frs. 5.000, Herr F. D. Mocatta Frs. 2.600, Herr Claude Montefiore Frs. 600. Das Seminar wurde 1898 gegründet und wurde hauptsächlich von der Alliance Jsraelite in Paris mit einem großen Beitrag unterstützt. Die jüdische Gemeinde hier trägt auch zur Unterhaltung des Seminars bei, sowie auch eine Anzahl, hiesiger Juden alljährliche Mitgliederbeiträge. In der kurzen Zeit seines Bestehen hat das Seminar schon gute Erfolge gehabt. Dank de» großen Bemühungen seines Direktors, des berühmten Orientalisten. Rabbi Abraham Danowe. Rabbiner Moses Habib hat letztes Jahr seine Studie», beendet und ist als Oberrabbiner von Brouffa, .ein anderer Student, der junge Rabbiner Sagucs, ist augenblicklich Direktor einer unserer hiesigen Gemeindeschulen. Die Zahl der Studenten belauft sich auf 25, wovon sieben hier geboren., die., anderen .kamen von verschiedenen Theilen des Kaiserreiches, so von Jerusalem, Sipgrua, Dardanellen und Adrianopek. Die Erhaltung des Seminars, ist für alle Juden des türkischen Reiches von großer Bedeutung und m«m