Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 45 (1904)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1904)
- Date
- 1904-09-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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36CO Einige vollständige Kapitel sind der „Judennoth" und der „Judenfrage" gewidmet. Sie bringen nicht viel Neues und sind außerdem, da sie schon vor Erscheinen des Buches in einer großen Zeitung veröffentlicht waren, ihrem Inhalte nach, unseren Lesern bekannt. In einem Gespräch über die russische Rechtsfrage erfahren wir^ daß zwar die russischen Richter unter den Beamten die am wenigsten der Bestechung zugänglichen sind, hören aber auch — nulla regula sine exceptione — die Beweise dafür erbringen, daß die Richter in der Kischinewer Justizkomödie bestochen waren, was auch vorher niemand bezweifelte. Auch die Leidensgeschichte eines Advokaten aus diesem Prozesse finden wir genau beschrieben, die interessante Aufschlüsse liefert. Welche Angst die russische Regierung vor einer von Juden geleiteten Presse hat, ist amüsant in dem Kapitel über die „öffentliche Meinung und Presse" beschrieben. Auch noch in anderer Beziehung und anderem Zusammenhänge ist viel von den Juden in dem Werke die Rede. Ueberall zeigt der Verfasser ein scharfes Urtheil und sicheren Blicks und durch alles werden wir darauf hingeführt, daß die Katastrophe in Rußland nahe ist. daß Rußland „vor der Katastrophe" steht. Das Buch ist überaus lesenswerth und weist auch außer dem angeführten viele gute Beobachtungen auf gesellschaftlichem und kiinstlerisck^m Gebiete auf, di: seine Lektüre interessant und ^unterhaltend machen. Zum Schlüsse noch eine Anekdote, die durch den Courssturz der russischen Rente zeigt, wie russische Bankiers über deren Unterbringung denken: „Die Deutschen," meinte der Bankier, „werden unsere Renten kaufen. Wenn gar kein Lockmittel verfängt, bleibt immer noch eins übrig: Wenn der Gutsbesitzer seine. Ernte verkauft hat und nun fragt: „Wohin mit das Jute?", wird ihm der Bankier sagen: „Na, wie ist das mit 'n bisken Russen?" „Das soll ja schlecht sein?" „I. wo denken Sie hin, das machen ja nur die Juden . wegen Kischmew . Und ber Brave erlegt seinen Obolus, weil ihm keiner kann . . . wegen Kischmew." I. L. ^V5 (l|CUUUl)vU Uvvv die tonfessionellen Verhältnisse der preußischen Volksschulen.) Den vom Minister angeordnettn Errungen über die konfessionellen Verhältnisse der Volksschulen in Preußen wird der Stand der Bedingungen vom 1. Juli 1904 zu Grunde'gelegt. Die Erhebungen beziehen sich auf öffentliche Volksschulen und auf die Privatschulen mit den Zielen der Volksschulen. Besonders sind in's Auge zu fassen: a) Ob mit nur 1. evangelischen, 2. kathoi lischen und 3. jüdischen Lehrpersonen; d) ob mir evangelischen, katholischen und jüdischen Lehrpersonen; «) ob dann 1. der oder die Lehrer einer Minderheit der Konfessionen im Wesentlichen nur zur Ertheilung des religiösen Unterrichts an die konfessionelle Minderheit angestellt sind. 2. ob die Anstellung von Lehrern mehrerer Konfessionen aus dem Gesetz hervorgeht oder auf Ortsverfaffung beruht (einheitliche Simultanschulen). Bei a und b sind außerdem in den einzelnen Rubriken die Zahlen der Schulen, der Lehrpersonen und der evangelischen, katholischen und jüdischen Schüler anzugebcn. Lediglich für den technischen Unterricht angestellte Lehrpersonen sind nicht aufzunehmen. Wo Schulen für Reformirte, Altreformirte, Lutheraner, Altlutheraner und andere Dissidenten oder wo in den Schulen ein Lehrer eines dieser Bekenntnisse neben Lehrpersonen eines anderen Bekenntnisses angestellt sind und nach Ortsverfassung anzustellen sein müßten, sind für diese Schulen die Angaben in den betreffenden Sparren gesondert aufzuführen. Wo sonst noch Schulen von Schülern dissidentischer Bekenntnisse besucht werden, ist deren Zahl gleichfalls besonders hervorzuheben. Heidelberg. Zu der Frage der Ausschließung der Juden von den Unterosfizierschulen wird den „Miltheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" geschrieben: Die in der Presse wiederholt zur Sprache gebrachte Ungehörigkeit, daß die Militärbehörden durch ihre Ausschreiben betreffs Anmeldung junger Leute als Unteroffizierschüler den Juden den Weg zu den Unteroffizierschulen versperren, hat bei den höheren militärischen Stellen keine Beachtung gefunden. Das kann uns jedoch nicht hindern, immer wieder auf diese Umgehung des Gesetzes hinzuweisen. Nachstehende Bekanntmachung enthält das Heidelberger Amtsblatt wiederholt: Bekanntmachung. Nach einer Mittheilung der Inspektion der Infanterie-Schulen hat dieselbe für ' die diesjährige Herbsteinstellung noch Bedarf an jungen Leuten zwischen 17 und 20 Jahren, welche bei Unteroffizierschulen eintreten wollen. Einstellung erfolgt am 15. Oktober d. I. Gesuche sind entweder an das Kommando der betreffenden Unteroffzierschule direkt oder beim Bezirkskvmmando Heidelberg unter Beifügung 1) eines vom Großh. Bezirksamt ausgestellten Meldescheins, 2) eines Konfirmationsscheins bezw. Ausweises über den Empfang der ersten Kommunion. 3) etwa vorhandene Schulzeugnisse, 4) einer amtlichen Be, fcheinigung über bisherige Veschäftigungsweise, über