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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1596 „‘Bdjtagi die Synagoge ein" nach dem Gotteshaus, das sich auf der Polizeistratze befindet, aber gut verschlossen war. Die elend gepflasterte Straße mußte alsbald das Material zu dem Sieinbombardement - hergeben- Keine Scheibe blieb ganz. Haufenweise fand man am nächsten Tage die Steine im Bethanse vor. Den Unterdiener und Wächter der Synagoge, Scherer mit Rainen, faßte die Mordgesellschast auf der Straße, er wurde fürchterlich von den Messern seiner Angreifer zugerichtet. Nicht viel besser soll es dem Schächter Federmann gegangen fein, dem man mit seinem eigenen Handwerkszeug das Lebenslicht auszublasen suchte. Wenn inan heute (Montag) nach dem grausigen Aufruhr durch die betroffenen Straßen wanderte, so konnte man glauben: rechts und links befänden sich Ruinen, da in keinem Hause die Fensterscheiben heil geblieben waren. Man versichert mir. daß mindestens 50 Personen mehr oder weniger schwer verletzt worden sind. Meistens sind es Geschäftsinhaber, kleine Kolonialwaaren- und Kleinhändler und deren Angehörige. Wo ist denn aber die Polizei während des ganzen Austritts gewesen, wird man nun fragen. Sosnowice und Polizei? 15 ganze Mann und ein paar Nachtwächter bilden das Sicherheitspersonal. Äls der Krawall begann, sandte ein Hausbesitzer zum Polizeimann, der wunderbarer Weise die Nummer 194 trägt, mit der Ritte, Hilfe zu leisten. Was ließ er sagen? „Wer was von mir will, muß selbst kommen." Svrach's und ging nach der entgegengesetzten Seite der Stadt. Reizend ist die Antwort, die der Polizeimeister Kronenberg gegeben haben soll, als man hilfesuchend sich an ihn wandte: „Da müssen Sie Anzeige beim Gericht machen!" Schließlich ließ sich der Herr aber doch bewegen, an den Kreischef von Bendzin um Zusendung von Militär zu telegraphiren. Man sagt nun: von hier aus habe man sich erst nach Petrikau an den Gouverneur wenden müssen und um Erlaubniß fragen. 2b die Kosaken gekommen sind, steht nicht genau fest. Die einen sagen: ein Piquet von 25 Mann sei Nachts um 2 Uhr. als eben alles vorüber gewesen sei, angekommen, die anderen bezweifeln auch das und behaupten: das Gouvernement habe Anweisung gegeben, erst dann, wenn sich in Sosnowice der Kratvall erneuere. solle Militär entsandt werden. Jedenfalls hat man von dem Piquet am nächsten Abend in den Straßen der Stadt nichts gesehen, wenngleich das Gerücht ziemlick bestimmt auftrat, die Ausschreitungen würden sich an diesem Tage wiederholen. Auch für den nächsten Sonntag, an dem die Israeliten wieder Festtag haben, befürchtet man eine Wiederholung der „Kischinew"-Vorgänge. Endlich sei noch bemerkt, daß die Polizei auch Perhaftungen ,vorgenommen 'hat. Die Hauptkrakehler und Rädelsführer sind aber nicht dingfest gemacht worden. Heute Morgen wurden die Jnhaftirten, etwa zehn, sämmtlich wieder freigegeben. Feuilleton. Mine vereitelte Mochzeit. von «. xzaynev. [i8 Rabbi Sisi war ein jüngerer Bruder des Rabbi Elimelech und stand, wie dieser, einer großen Jeschiba vor. Wenn er sich auch nicht der allgemein verbreiteten Anerkennung erfreute, die den älteren Bruder aus zeichnete, so genoß er doch in seiner Umgebung'ein Ansehen und eine Verehrung, die kaum einer Steigerung fähig waren. Er hatte schon längst von Josef, als dem Lieblingsschüler seines Bruders gehört, sodaß der Empfehlungsbrief den gastlichen Empfang kann» herzlicher gestalten konnte. Es war selbstverständlich, daß Josef im Hause seines neuen Lehrers wohnte. Er gewann auch hier bald die Herzen seiner Umgebung. Aber keiner der Talmudgelehrten, mit welchen er die geistigen Ringkämpfe aufnahm und siegreich zu Ende führte, hatte eine Ahnung davon, daß sie es mit einen» zungen Manne zu thun hatten, der vor vier Jahren noch keine hebräischen Buchstaben kannte und der bis zu seinem sechzehnten Jahre als guter katholischer Christ gelebt hatte. Hätten sie gar gewußt, daß er eine Grafenkrone ausgeschlagen, daß er auf Millionen verzichtet hatte um als Jude leben zu können, man hätte ihn auf den Händen getragen. Aber Josef war glück lich, daß davon Niemand eine Achnung hatte, selbst Rabbi Sisi nicht. Wohl ahnte Letzterer, daß es mit dem jungen Mann seine besondere Bewandtniß haben müsse, sonst hätte ihn sein Bruder nicht so ungewöhnlich an sich gezogen und ausgezeichnet. Aber Rabbi Sisi erblickte die Veranlassung dieser Auszeichnung in den Vorzügen und Tugenden des Geistes und Herzens, mit welchen Josef seiner ganzen Umgebung mustergiltig voranleuchtete. Sofort als Rabbi Sisi den Brief des Bruders gelesen und das Ehrendiplom der Morenu Josef überreicht hatte, sagte er dem Jüngling: „Also, mein Bruder will, daß Du durch meine Vermittelung zu einer richtigen Frau aus achtbarer Familie gelangen mögest. Das wird nicht schwer fallen, wenn es erst hier bekannt wird, daß Dich mein Bruder durch die Verleihung des Morenutitels ausgezeichnet hat. Es gibt hier zu Lande Boruch Haschen» r.G. s. D.) noch angesehene, hochachtbare Fa»nilien. die sich glücklich schätzen, sich mit einem Talmud Chochom (Thoragelehrten) zu verschwägern. Es kommen oster Anfragen von befreundeten Familien ~än mich nach thorakundigen,. gottesfürchtigen Jünglingen. Sobald sich etwas Geeignetes findet, werde ich Dich in erster Reihe in Vorschlag bringen."

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