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Der Israelit · 1904-09-22 · Heft 76-77 (22.9.1904) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
45 (1904)
Issue
Heft 76-77 (22.9.1904)
Date
1904-09-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. 1598 Grenze angelangt sein dürfte und wie damit ganze jüdische Gemeinden sich auflosen und ihre Institutionen verfallen, selbst die heiligen Stätten des Todes verschwinden, ohne daß eine jüdische Seele sich darum kümmert. So lesen wir in dem „Altmärkifchen Intelligenz- und Leseblatt" in Calbe a. d. Milde: Seit kurzem ist im Innern unserer Stadt in dem neuen Stadtviertel eine wesentliche Veränderung eingetreten. Der allen Besuchern unserer Stadt bekannte Judenfriedhof. der mit der Zeit mitten in den Straßen eingebaut war, ist seit kurzem verschwunden, an seiner Stelle erbebt sich, wie aus dem Profil ersichtlich ist, ein Schmuckvlätzchen, das der Stadt dauernd zur Zierde gereichen wird. Die sterblichen Ueberreste der dort begrabenen Angehörigen jüdischer Konfession wurden auf dem städtischen Kirchhofe beigesetzt. Es ist dieses in kurzer Zeit die zweite Ueberführung sterblicher Ueberreste nach dort, denn vor ein paar Jahren wurde auch das nur wenige Schritte vom Judenfriedhof benachbarte Schild'sche Erbbegräbniß abgebrochen. Bereits beim Ehausseebaü Calbe-Brunau bildete das Erbbegräbniß ein Hemmniß, so daß schon damals, im Jahre,1880, ein Theil»des Gewölbes abgebrochen werben mußte. Die Neuanlage eines jüdischen Begräbnißplatzes dürfte wohl kaum zu erwarten sein, da sich zur Zeit nur eine Familie jüdischen Glaubenhier befindet. Berlin. (Die Juden im deutschen Heere.) lieber die immer wieder abgeleugnete, aber doch durch immer neue Thatsachen bewiesene Zurücksetzung des jüdischen Elementes im deutschen Heere bringt die Zeitschrift „Im deutschen Reich" einen lehrreichen, Beitrag. Sie druckt nämlich die Militärpapiere eines jüdischen Vizefeldwebels ab. der vom 1. Oktober 1890 bis zum 1. Oktober 1891 bei der 6. Kompagnie des 11. Infanterieregiments v. d. Tann in Regensburg gedient hat. In einem Führungsattest vom 1. Oktober 1891 wird ihm bestätigt, daß er sich während der Dienstzeit „sehr gu) geführt hat, sehr gut beanlagt, fleißig, willig, strebsam und verwendbar, bescheidenen Charakters, moralisch tadellos" ist, keine gerichtlichen Strafen erlitten und keine Disziplinarstrafen mit strengem Arrest. In einem Befähigungszeugniß vom 30. September 1891 heißt es: „besitzt reges Ebr- und Pflichtgefühl, er hat sich diejenige Sicherheit in der persönlichen Ausführung des Dienstes und in der Kenntniß der Vorschriften erworben, welche für das richtige Auftreten als Vorgesetzter erforderlich ist. Rach seinen Leistungen und seinem Auftreten als Vorgesetzter verspricht er, bei weiterer Ausbildung ein brauchbarer. Reserveoffizier zu werden/ Am 12. Juni 1892 wurde X. während einer Uebung Vizefeldwebel. Der Hauptmann sandte ihm nach dieser Uebung „mit bestem Gruß" folgenden Brief: „Da es mir in der Hitze des Gefechts unmöglich war, - mich persönlich zu verabschieden, so wünsche ich Ihnen auf diesem Wege ein herzliches Lebewohl und danke Ihnen bestens für Ihre ersprießliche Dienstleistung/ Auch die sogenannte Uebung II machte er mit Erfolg sowie drei andere von elf Offiziersaspiranten. Der Regimentskommandeur gab den vier ihren Erfolg selbst bekannt, indem er sie als Kameraden begrüßte, und ihnen zu ihrem Erfolg gratulirte. Den Rath, seinen Wohnsitz formell nach Bayern zu verlegen, konnte der Vizefeldwebel nicht befolgen. Die Folge war, daß das Hamburger Vezirkslommando ihn auf Anfrage beim Regensburger BezirkZkommando als ungeeignet zur Beförderung bezeichnete. Als der Vizefcldwebel am 19. März 1894 anfragte, ob er höheren Orts zur Beförderung zum Reserveoffizier vorgeschlagen sei, er beabsichtige, eine längere Reise nach Holland zu mathen und möchte sich gern nach seinen militärischen Verpflichtungen einrichten, erhielt er nämlich die Antwort, daß seine Reise nach Holland keiner Beanstandung unterliege und ein Beförderungsvorschlag bis jetzt nicht bestätigt worden sei. Am 22. April 1894 wurde ihm dann vom Bezirkskommando mitgetheilt, daß er zur Verwendung als Offiziersstellvertreter nicht geeignet befunden und demgemäß aus der Liste der -Offiziersaspiranten gestrichen wurde/ Daß in Regensburg die Absicht bestand, ihn zum Reserveoffizier zu befördern, ist zweifellos, weil man solche Herren, die man nicht befördern will, da man sich vorher genau orientirt, die Uebung B schon „ohne Erfolg" ableisten läßt. Auf eine Anfrage, ob er selbst daran schuld trage, daß er dem Offizierskorps nicht zur Mahl vorgeschlagen worden sei, oder ob er die Ursache in seinen privaten Verhältnissen zu suchen habe. — er habe noch zwei Brüder, welche demnächst ihrer Militärpflicht zu genügen hätten, und es sei sein Wunsch, ihnen durch die Kenntniß der Ursache seiner. Nichtbeförderung helfen zu können — erhielt 1k. vom Bezirksoffizier in Regensburg am 26. Mai 1894 die Antwort, daß seine Mahlstellung zum Reserveoffizier gemäß Entschließung des Bezirkskommandos Regensburg unterblieben sei. Auf eine Anfrage des Vaters erwiderte das bayer. Kriegsministeriuln am 3. März 1896. daß bezüglich der Streichung seines Sohnes von der Liste der Offiziersaspiranten Erhebungen im Gange seien. Am 16. April 1896 theilte das Kriegsministerium weiter mit. daß nach eingehenden Erhebungen kein Anlaß bestehe, die Streichung des Sohnes von der Liste der Offiziersaspiranten rückgängig zu machen. Warum war das Kriegsministeriüm garnicht -ersucht Wörden. Das letzte dieser lehrreichen amtlichen Schriftstück bildet die Mittheilung vom 16. April 1903, daß dem Vizefeldwebel der Landwehr die zweite Klaffe der Landwehrdienstauszeichnung verliehen worden ist.

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